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Verstecktes Messer im Krankenbett: Angriffe auf Pfleger und Ärzte nehmen zu

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KREIS RE - Eine Mitarbeiterin des Dorstener St. Elisabeth-Krankenhauses hat wohl Schlimmeres verhindert, als sie ein verstecktes Messer im Krankenbett eines Patienten fand. Im Halterner St. Sixtus-Hospital gab es Aufregung, als eine Patientin einen Stuhl nach Krankenhaus-Personal warf. Diese Vorfälle stehen für eine Entwicklung, die vielen Kliniken Sorge bereitet: Eine Zunahme von Übergriffen auf Ärzte und Pflegepersonal.

Die Kriminalstatistik der Polizei weist dazu zwar keine konkreten Zahlen aus. Aber eine bundesweite Erhebung der Berufsgenossenschaft für Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege aus dem Jahr 2017 ist alarmierend. Demnach gaben 79,5 Prozent der Beschäftigten an, in den vorausgegangenen zwölf Monaten verbale und/oder körperliche Gewalt erlebt zu haben. Vor allem in den Notaufnahmen wird es häufig kritisch; dort, wo Patienten wegen akuter Beschwerden – oft im Zusammenhang mit Alkohol oder Drogen – eingeliefert werden.

Mitarbeiter durchlaufen Deeskalationstrainings

Auch im Klinikum Vest (Knappschaftskrankenhaus Recklinghausen, Paracelsus-Klinik Marl) beschäftigen sich die Verantwortlichen schon lange mit dem Thema Gewalt gegen das Personal. „Wir nehmen das sehr ernst“, sagt Geschäftsführer Peter Hutmacher. Mitarbeiter – insbesondere der Zentralen Notaufnahmen, der Ambulanzen und der Intensivstationen – durchlaufen Deeskalationstrainings und lernen, wie sie sich im Umgang mit aggressiven, hocherregten Patienten oder Angehörigen verhalten sollten.

Weitere Maßnahmen sind angelaufen. „Aktuell wird ein Notrufsystem auf einer Station im Knappschaftskrankenhaus und in der Notaufnahme installiert“, berichtet Hutmacher. Wenn Mitarbeiter einen Alarm auslösen, werden Helfer unverzüglich zur Stelle sein. Die Eingreiftruppe werde zurzeit zusammengestellt. Die Zentrale Notaufnahme in der Knappschaft wird zudem seit April umgebaut, der Wartebereich soll strikt vom Behandlungsbereich getrennt werden, damit das Personal unbedrängt seiner Arbeit nachgehen kann. Patienten werden nur noch nach Aufforderungen die ansonsten verschlossene Tür passieren können.

Lange Wartezeiten und unerfüllte Erwartungen

Lange Wartezeiten oder unerfüllte Erwartungen sind häufig Gründe dafür, dass Hilfesuchende in der Notaufnahme aggressiv werden. Den Unterschied zwischen Krankenhaus und hausärztlicher Notarztpraxis kennen ambulante Patienten häufig gar nicht, meint Anke Jakob, pflegerische Leitung der Notaufnahme im Halterner Krankenhaus. „Die beschweren sich dann zum Beispiel, dass wir keine Rezepte ausschreiben. Viele gehen davon aus, dass sie hier rund um die Uhr mit allem versorgt werden, das ist aber eben nicht so.“ Dass der diensthabende Arzt auch noch andere Aufgaben zu erfüllen hat, zwischendurch immer mal auf der Intensivstation oder bei Operationen anwesend sein muss, werde von Patienten und Angehörigen ebenfalls schon mal vergessen.

Das Sixtus-Hospital gehört mit dem Dorstener Elisabeth-Krankenhaus, dem Marler Marien-Hospital und dem Gertrudis-Hospital Westerholt zum Klinikverbund KKRN. Prokurist Guido Bunten bestätigt, dass sich sowohl verbale als auch körperliche Angriffe in letzter Zeit gehäuft hätten. Auch der KKRN-Verbund hat reagiert und zum Beispiel Sicherheitstüren mit Zutrittsmechanismus installieren lassen. Auf den geriatrischen Stationen wird das Mineralwasser nur noch in Kunststoff- statt in Glasflaschen verteilt. Weitere Sicherheitsmaßnahmen, so Bunten, seien geplant. Dazu gehört etwa ein Notfallknopfsystem, das demnächst in Betrieb geht. Schon jetzt arbeiten die Krankenhäuser im Verbund mit Notfallnummern und Deeskalationstrainings. Auch die Videoüberwachung werde ausgebaut.

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