Hochzeit
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Hochzeitsfeiern und Corona sind eine schwierige Kombination, da der Gästekreis beschränkt ist und so kaum verlässliche Planungen möglich sind.

Viele Fragezeichen

Tränen statt Tüll auch 2021? - Heiraten in Zeiten von Corona

  • Bernd Turowski
    vonBernd Turowski
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Hart getroffen von der Corona-Krise wurden auch Hochzeitsfeiern. Wie geht es 2021 mit «dem schönsten Tag im Leben» weiter und wie steht es um die Hochzeitsbranche?

  • Regeln durch steigende Infektionszahlen wieder verschärft
  • Großes finanzielles Risiko für heiratswillige Paare
  • Vier von fünf Feiern wurden 2020 abgesagt

Rauschende Hochzeitsfeiern und Corona, das ist eine schwierige Kombination. Die Pandemie radierte in 2020 viele Pläne aus, hart traf sie oft auch lange geplante private Feiern zum Ja-Wort, sorgte ohne Tüll für Tränen. Auch das zuvor brummende Geschäft mit dem von manchen als «schönsten Tag im Leben» bezeichneten Ereignis erlag in großen Teilen. Mit Blick auf die Hochzeitssaison 2021 ist vor allem klar: Für Paare, Gäste, Gastronomen und Dienstleister gibt es viele Fragezeichen und Sorgen.

In der aktuellen Corona-Schutzverordnung des Landes Nordrhein-Westfalen heißt es: «Partys und vergleichbare Feiern sind generell untersagt.» Im Sommer und bis in den Herbst hinein waren in NRW Feiern aus besonderem Anlass mit bis zu 150 Teilnehmern erlaubt, danach wurden die Regeln angesichts stark steigender Infektionszahlen wieder verschärft. Zudem wurden einige Fälle bekannt, bei denen sich mutmaßlich bei Privatfeiern zahlreiche Gäste infizierten. Die Perspektiven für 2021 sind äußerst unklar.

„Die Vorfreude ist verflogen“

Wie diese Situation aus Sicht eines Hochzeitspaares sein kann, schildern Katharina (33) und Michael (32). Die beiden blicken mit Skepsis auf ihre Feier im Juli, für die sie den zweiten Anlauf nehmen. «Die Vorfreude ist verflogen», sagt Michael. Die beiden hatten bereits im vergangenen Sommer die große Sause mit über 100 Gästen geplant, sechs Wochen vorher abgesagt und verschoben. Jetzt stehe das wieder im Raum: «Die Gedankengänge aus dem Frühjahr scheinen sich zu wiederholen.» Ein großes finanzielles Risiko würden sie bei dem Ganzen immerhin nicht tragen, sie seien nur mit einer Anzahlung von einigen Hundert Euro bei der Location in Vorleistung gegangen.

Für Hochzeitsfeiern werden oft deutlich mehr als 10 000 Euro ausgegeben. Nach Schätzungen machte die Branche vor Corona in Deutschland einen Umsatz von rund zwei Milliarden Euro pro Jahr. Bleiben Hochzeitspaare wie Katharina und Michael vor allem auf ihren Erwartungen sitzen, ist für viele aus der Branche das Geschäft völlig weggebrochen.

Zwar ist laut Hotel- und Gaststättenverband in NRW (Dehoga) aktuell die Buchungssituation noch ähnlich gut wie in den Vorjahren, wie Gastronomen berichtet hätten. «Das Ganze ist aber gepaart mit einer riesigen Unsicherheit», sagt Dehoga-Sprecher Thorsten Hellwig.

Verband fordert klare Perspektiven und Berechenbarkeit

Von der Politik fordere der Verband nun «klare Perspektiven» und einen «umfassenden Plan». Es brauche Berechenbarkeit. So sollte es eine Übersicht geben, bei welchen Corona-Zahlen was genau wieder erlaubt ist. Zudem solle es nicht wieder vorkommen, dass eine Woche vor einer Veranstaltung unklar sein kann, ob diese stattfinden darf.

Grundsätzlich rechne der Verband damit, dass viele, aber nicht alle der Paare die 2020 abgesagten Feiern nachholen wollen. «Für manche sind sie nicht nur aufgeschoben, sondern leider aufgehoben.» Zum Beispiel könne es sein, dass nun die nächsten Schritte in der Lebensplanung anstünden.

Rein statistisch gesehen heirateten in NRW 2020 deutlich weniger Menschen als noch in Zeiten vor Corona: In den Monaten Januar bis September ging die Zahl im Vergleich zu 2019 um 9111 - rund 14 Prozent - zurück, wie das Statistische Landesamt Mitte Dezember berichtete. Insgesamt heiraten bis September rund 56 000 Paare.

Diese Zahlen zeigen allerdings nicht, wie oft auch im größeren Rahmen gefeiert wurde. Von den Kirchen gab es zunächst noch keine Zahlen, wie stark der Rückgang bei ihren Trauungen war. Der Bund deutscher Hochzeitsplaner schätzt, dass 2020 rund vier von fünf Feiern abgesagt wurden. Und die Hoffnung auf eine Normalisierung im neuen Jahr schwinde immer mehr, wie Sprecherin Svenja Schirk sagt. Zahlreiche Dienstleister hätten bereits aufgegeben und zu erwarten sei, dass das noch «drastisch zunehmen wird». Soforthilfen vom Staat kämen bei den vielen Soloselbstständigen in der Branche nicht an.

Erneute Absage rückt immer stärker in den Fokus

Gastronomen und Co. hoffen darauf, möglichst bald wieder Feiern mit passenden Hygienekonzepten veranstalten zu können. Dem Inhaber der als trendig geltenden Düsseldorfer Hochzeitslocation «La Dü», Hung Bui, zufolge wären viele Brautpaare schon froh, wenn sie wenigstens mit 50 Leuten feiern könnten. Die Vorfreude ist verflogen. Seine Auftragsbücher für 2021 seien völlig voll, mehrmals täglich würden künftige Hochzeitspaare anrufen, um über die Lage zu sprechen. «Sie suchen Trost», sagt er.

Wann die Pandemie aber so weit im Griff ist, dass die aktuellen Einschränkungen zurückgenommen werden, bleibt höchst ungewiss. Mit allgemeinem Bezug sagte NRW-Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) jüngst: «Niemand kann heute sagen: Ich verspreche euch, Ostern sieht die Lage so und so aus.» Es müsse immer auf das aktuelle Infektionsgeschehen reagiert werden. Der Beginn des Impfens spende Hoffnung, immerhin.

Bei Katharina und Michael, rückt vor diesem Hintergrund eine erneute Absage immer stärker in den Fokus, wie sie es berichten. Man wünsche sich, dass bei so einer Feier, für die man viel Geld ausgebe, «jeder ungezwungen» sein könne. Genau das sei aber derzeit schwer vorstellbar. Alternativ könnten sie sich vorstellen, im Sommer im kleineren Rahmen mit der «Kernfamilie» zu feiern, die große Sause wollen sie aber nicht erneut verschieben, sondern im Zweifel streichen.

Von Nikolai Huland, dpa

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