Unterschiedliche Antworten haben die Kirchen zur Frage der Präsenzgottesdienste über Weihnachten. (Symbolbild)
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Während die Evangelische Kirche von Westfalen von Präsenzgottesdiensten eher abrät, gibt es im Rheinland und bei den Katholiken bislang keine Verbote.

Keine einheitliche Linie

Protestanten gespalten: Weihnachtsgottesdienst trotz Corona?

  • Bernd Turowski
    vonBernd Turowski
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Düsseldorf (dpa/lnw) - Darf man an Weihnachten trotz Corona an einem Gottesdienst teilehmen? Die Kirchen in NRW geben darauf unterschiedliche Antworten. So rät die evangelische Kirche in Westfalen dringend von Präsenzgottesdiensten ab, im Rheinland aber nicht. Auch bei den Katholiken gibt es bisher keine Verbote.

Die Evangelische Kirche von Westfalen hatte bereits am Dienstag mitgeteilt, es sei ein Gebot der Vernunft, auf Versammlungen von Menschen möglichst zu verzichten. Deshalb empfehle man den Kirchengemeinden dringend, ab sofort und über die Weihnachtsfeiertage und voraussichtlich bis zum 10. Januar auf alle Präsenzgottesdienste und andere kirchliche Versammlungen in Gebäuden und unter freiem Himmel zu verzichten. Die sehr hohen Infektionszahlen zeigten, dass die Corona-Pandemie derzeit außer Kontrolle sei. Auch die Lippische Landeskirche empfahl am Mittwoch «dringend, ab sofort bis zum 10. Januar alle Präsenzgottesdienste abzusagen». Das gelte für drinnen wie draußen.

Anders der rheinische Präses Manfred Rekowski: Er schrieb in einem am Mittwoch veröffentlichten Brief, die Frage müsse jeweils von den Gemeinden nach Lage vor Ort entschieden werden. «Es gibt gute Gründe, Weihnachtsgottesdienste in präsenter Form und mit bewährten und behördlich abgestimmten Schutzkonzepten zu feiern», sagte Rekowski. «Aber es gibt nicht den einen, den einzig richtigen Weg.» Beides, die Durchführung von Präsenzgottesdiensten wie auch die Feier in anderen Formen, etwa online, könne in Ordnung sein.

„Es ist viel Verantwortung in den Gemeinden“

Annette Kurschus, Präses der Evangelischen Kirche von Westfalen, hat da eine andere Meinung. Sie rät den Gläubigen, zu Hause zu bleiben. «Es ist viel Verunsicherung in den Gemeinden, und deshalb hoffen wir, dass diese Botschaft jetzt nicht als eine Negativbotschaft verstanden wird, sondern in dem positiven Sinne aufgegriffen wird, dass wir versuchen, den Menschen ein Gefühl von Sicherheit zu geben und deshalb genau auf Präsenzgottesdienste zu verzichten», sagte sie im WDR. Der EKD-Ratsvorsitzende Heinrich Bedford-Strohm rief zu einem verantwortungsvollen Umgang mit Gottesdiensten auf: «Unser Glaube hängt nicht an der Form, in der wir die Weihnachtsbotschaft in unsere Herzen aufnehmen», sagte er.

In der katholischen Kirche wurde bisher noch nicht von Präsenzgottesdiensten abgeraten. Die Verantwortung dafür liegt bei den einzelnen Bistümern. Das Bistum Münster teilte am Mittwoch mit, man wolle an Präsenzgottesdiensten unter den geltenden strengen Sicherheitsbestimmungen festhalten. «Gottesdienste können Menschen Halt und Kraft geben», heißt es aus dem Bistum. «Im Frühjahr wurden die Kirchen beim ersten Lockdown von vielen Seiten kritisiert, weil sie freiwillig auf Präsenzgottesdienste verzichtet haben: „Wo war die Kirche? Wo hat sie den Menschen Halt gegeben?“ Diese Kritik haben wir uns zu Herzen genommen.»

Auch das Erzbistum Köln teilte mit, dass Gottesdienste unter Einhaltung der vorgegebenen Regeln stattfinden könnten. Im Kölner Dom sind schon alle Plätze für Heiligabend-Gottesdienste reserviert.

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