Künstlerische Zukunftsvision

Ausstellung vor dem U zeigt Zukunft ohne Plastik

Dortmund - Angenommen, in der Zukunft gibt es kein Erdöl mehr - und damit auch kein Plastik. Wie die Welt dann aussähe, zeigt die Installation "Ministry of Plastic" vor dem U. Der Kenianer Sam Hopkins hat sich diese düstere Zukunftsvision ausgedacht und in einem stählernen Schiffscontainer eingerichtet: Mit einer Informationsausstellung, wie sie ein fiktives Plastik-Ministerium einrichten würde.

Wir betreten den Container und damit diese fiktive Welt, in der Plastik so wertvoll und selten ist wie heutzutage Diamanten. Im Eingang hängt ein Bildschirm: Eine gestreifte Plastiktüte tanzt, in verklärender Zeitlupe, es ist nicht eindeutig zu erkennen, ob unter Wasser oder im Wind, jedenfalls sieht es romantisch aus.

Eine Frauenstimme berichtet von diesem Moment, in dem sie zum ersten Mal "wildes Plastik" gefunden hat, und sie spricht darüber wie über ein scheues Tier: "Es war wunderschön", sagt sie, "das Plastik schien mit seiner Umgebung in vollkommener Harmonie zu sein."

Die Suche nach Plastik

Ein Text an der Wand erklärt: Mit diesem Film wirbt das Ministerium für junge Menschen, die sich der "harten Arbeit, aber auch der einmaligen Erfahrung" widmen, nach Plastik zu suchen, um die Wirtschaft am Laufen zu halten. "Sie verlassen ihr Zuhause als Jugendliche und kommen als gefeierte Männer und Frauen zurück."

Fotos an der Wand zeugen von Razzien der Polizei: Schnappschüsse von den Verstecken der Plastikschmuggler. In Vitrinen daneben stehen die konfiszierten Beweisstücke: Ein Spielzeugbagger, eine Fernbedienung, Gummiringe, sogar Fetischobjekte - denn einem seltenen Material werden oft religiöse oder magische Bedeutungen zugesprochen. Ein aufgeschlagenes Buch enthält mehrere Legosteine - versteckt in passgenau geschnittenen Aussparungen in den Buchseiten, ein alter Schmugglertrick.

Ein niedriges Tischchen ist ein Angebot zur Güte an die Bevölkerung: Wer sein illegal aufbewahrtes Plastik hier abgibt, dem wird Straffreiheit versprochen.

Plastik-Konsum bewusst machen

Wir gehen wieder hinaus aus dem Container. Selbstverständlich geht es dem Künstler Hopkins nicht um Science Fiction, sondern um die Gegenwart und den heutigen Umgang mit Kunststoff. Und selbstverständlich findet er diesen Umgang nicht gut, sonst würde er ihn nicht thematisieren.

Aber dieser moralische Zeigefinger ist verpackt in eine gute und gut erzählte Geschichte und das ermöglicht es uns Besuchern, selbst darüber nachzudenken und uns das allgegenwärtige Plastik zumindest bewusst zu machen. Eine Welt, in der Bio-Salatgurken vor dem Verkauf in Plastik eingeschweißt werden, scheint ja geradezu danach zu schreien.

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