+
Gruppenbild mit Hightech: Ruhrbotics-Gründer Daniel Bunse (4.v.l.) und Entwicklungschef Hannes Gruschinski (5.v.l.) beeindrucken mit ihrem Team bei der Firmenpräsentation (v.l.) Unternehmenspreis-Förderer Guido Otterbein (sec-com Sicherheits- und Kommunikationstechnik), Michael Böhm (Wirtschaftsvereinigung Vest), Prof. Dr. Thomas Heide und Recklinghausens Bürgermeister Christoph Tesche (r.).

Künstliche Intelligenz

Maschinen "lernen" von Ruhrbotics

  • schließen

RECKLINGHAUSEN - Zukunftstechnologie Künstliche Intelligenz: Team junger Spezialisten mischt weltweit mit seinen Software-Entwicklungen für Automatisierungssysteme und Roboter mit.

Ein bisschen Garagenmythos gehört wie bei der Gründung der Kultmarke Apple wohl dazu. Nur dass Daniel Bunses Zukunftstechnologie-Garage ein 14-Quadratmeter-Raum in der Fachhochschule Bochum war. Damals, 2008, gründete der heute 35-Jährige Diplom-Ingenieur dort Ruhrbotics – 2019 ist er für den Vestischen Unternehmenspreis nominiert, mischt in der Weltspitze mit.

Ortstermin in Recklinghausen, Maria-von-Linden-Straße 27: Bürgermeister Christoph Tesche weiß aus diversen Firmenbesuchen, welches Potenzial in Unternehmen steckt, von denen es landläufig heißt, dass sie „irgendwas mit Digitalisierung“ machen. Mit dem, was ihn bei Ruhrbotics erwartet, hat Tesche nicht gerechnet: In einer unscheinbaren Halle tun sich neue Welten auf. Während Tesche und das Studenten-Projektteam um Prof. Dr. Thomas Heide von der Westfälischen Hochschule über die Firmenpräsentation von Geschäftsführer Bunse und Entwicklungschef Hannes Gruschinski staunen, läuft im Hintergrund das nimmermüde Ballett eines Roboterarms: Greifen, heben, schwenken, senken, greifen … „Bisweilen geht es um 0,1 Millimeter“, umreißt Bunse, worüber sich Ruhrbotics-Ingenieure weltweit mit Automobilherstellern und -zulieferern unterhalten, mit Maschinen- und Anlagenbauern, der Halbleiter-Industrie.

Industrieroboter-Verkaufszahlen steigen stetig

Die Industrieroboter-Verkaufszahlen steigen stetig, sie schweißen, lackieren, montieren. Ohne sich in Details zu verlieren, geht es bei Ruhrbotics um dies: Das zwölf Köpfe zählende Unternehmen entwickelt Software und Softwarestandards für Roboter, programmiert sie, sorgt dafür, dass sie „lernen“ – etwa mithilfe hochpräziser Kameras und Bildbearbeitungssystemen. In der Qualitätsprüfung erkennen Maschinen Mini-Lackschäden, künstliche Intelligenz macht nuancierte „Entscheidungen“ möglich: Produkt in Ordnung, geht gerade noch so – oder sofort zurück. Mit jedem Griff wird der Roboter „schlauer“. Ruhrbotics ist in Brasilien, Mexiko oder in Russland aktiv, gründet in Kürze in China eine Niederlassung. Was Deep Learning („tiefes Lernen“ auf der Basis riesiger Datensätze), künstliche Intelligenz und Automation angeht, kommt man daran nicht vorbei.

Hier schließt sich ein Kreis: Die Firmenvita ist ein Parforceritt durch viele Jahre struktureller Zähigkeit, die hierzulande Innovationen bremst. Wenn man wie Daniel Bunse im 7. Semester eine Firma gründet, sind 50.000 Euro Startkapital eine Hausnummer. Ein Bild in seiner Präsentation trägt den Titel: „Das wird nix, sagte die Bank“ – Anspielung auf die Erfahrungen eines Start-ups mit der öffentlichen KfW-Förderbank im Jahr 2008. „Schon damals hatte die Robotik-Branche eine Wachstumsrate von zwölf Prozent“, erinnert sich Bunse. „Das hat aber nicht interessiert.“ Heute schreibt Ruhrbotics einen Millionenumsatz.

2012 verlegte das Unternehmen sein „Global Headquarter“ aus dem FH-Kämmerchen nach Recklinghausen, 2017 schließlich an die Maria-von-Linden-Straße. Wer, wenn nicht Ruhrbotics, benötigt schnelles Internet? Doch da wird hierzulande die Luft schnell dünn. „Glasfaserkabel haben wir auf eigene Kosten legen lassen, davon war weit und breit nichts zu sehen“, berichtet Bunse. Gleichwohl stimmt heute der Standort in Recklinghausen. „Die Nähe zu den Unis im Umkreis ist ideal, um Leute zu finden, die etwas können“, sagt Daniel Bunse, von Haus aus Mechatroniker. Im jungen Team arbeiten Ingenieure, die Elektrotechnik, Mechatronik oder Informatik studiert haben. Das sichert das technische Know-how, um von Ruhrbotics programmierte Automatisierungssysteme auch in Betrieb zu nehmen, Auftraggeber in Zukunftsthemen zu beraten und mit komplexen Simulationen die Stärken oder Schwächen konkreter Automatisierungsprojekte schon vor dem Bau zu demonstrieren.

Der Vestische Unternehmenspreis

Zur Teilnahme am nicht dotierten Preis aufgerufen hat die Wirtschaftsvereinigung Vest, die bei der Durchführung von der Westfälischen Hochschule, der Sparkasse Vest und der kommunalen Wirtschaftsförderung unterstützt wird.

Ein studentisches Projektteam der Westfälischen Hochschule unter Leitung von Prof. Dr. Thomas Heide hat die Aufgabe, die Unternehmen zu bewerten – und mit ihren Infos die Jury zu „füttern“.

Von den elf Unternehmen, die sich aktuell unter dem Motto „Digitalisierung“ beworben haben, wurden sechs mithilfe des Scoringmodells der Westfälischen Hochschule ermittelt und vom Lenkungsausschuss nominiert. Diese stellen wir in loser Folge vor.

Verliehen wird der 2004 ins Leben gerufene Preis am Mittwoch, 27. März, in Recklinghausen.

Alle Serienteile finden Sie .

Was für das Projektteam der Westfälischen Hochschule immer wichtig ist: Welche „weichen Faktoren“ bedient ein nominiertes Unternehmen? Der Krankenstand ist bei Ruhrbotics gleich null, die Fluktuation nicht messbar. Um für die Digitalisierung zu begeistern, spricht Daniel Bunse über Robotik und künstliche Intelligenz an Unis. Überhaupt: Die Beschäftigung mit der Wirtschaft der Region soll ein neuer Schwerpunkt werden. „Wir sind in der ganzen Welt unterwegs“, sagt Entwicklungschef Hannes Gruschinski, „aber quasi vor der Haustür sehen wir Firmen, die mit Blick auf Automatisierung und Robotik auf dem Stand von Industrie 2.0 sind. Sie haben elektrifizierte Maschinen, das war‘s schon. Hier werden wir verstärkt aktiv.“

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Meistgelesen

Nach dem Feuer in der Kinderwelt: Jetzt steht die Brandursache fest
Nach dem Feuer in der Kinderwelt: Jetzt steht die Brandursache fest
Riesen-Schaden nach Kinderwelt-Brand, Waltroper Parkfest startet, keine Spur vom Bochumer Ausbrecher
Riesen-Schaden nach Kinderwelt-Brand, Waltroper Parkfest startet, keine Spur vom Bochumer Ausbrecher
Umweltamt warnt vor Rußpartikeln in Oer-Erkenschwick - so sollen sich die Bürger verhalten
Umweltamt warnt vor Rußpartikeln in Oer-Erkenschwick - so sollen sich die Bürger verhalten
Emotionaler Ausnahmezustand: Säugling musste am offenen Kopf operiert werden 
Emotionaler Ausnahmezustand: Säugling musste am offenen Kopf operiert werden 
Schneller zu den Stars - das Stoffbändchen gibt es bereits jetzt
Schneller zu den Stars - das Stoffbändchen gibt es bereits jetzt

Kommentare