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Mehrere hundert Menschen gedachten am Mahnmal in der Bittermark der Opfer der Gestapo-Morde vor 71 Jahren.

Kundgebung in der Bittermark / Erinnerung an BVB-Platzwart

Gedenken als Bekenntnis gegen Fremdenfeindlichkeit

DORTMUND - Mehrere hundert Menschen haben trotz Kälte und Dauerregen am Karfreitag in der Bittermark der Opfer der Gestapo-Morde in Dortmund kurz vor Ende des Zweiten Weltkriegs vor 71 Jahren gedacht. Dabei wurde der Bogen auch zum Einsatz gegen Rechtsextremismus in unseren Tagen geschlagen.

Die jährliche Gedenkfeier an dem Mahnmal im Dortmunder Süden erinnert an die rund 300 Zwangsarbeiter und Widerstandskämpfer, die in den letzten Kriegstagen von der Gestapo in der Bittermark, im Rombergpark und an anderen Orten erschossen worden waren. Sie wurden nach dem Krieg in der Bittermark beigesetzt, so seit 1960 ein Denkmal an die sogenannten Karfreitagsmorde erinnert.

Höhepunkt der Hinrichtungswelle

"Es gibt jenseits der KZ-Gedenkstätten in Deutschland nur wenige Orte, an denen die Furchtbarkeit und das Ausmaß der nationalsozialistischen Mordexzesse so unmittelbar vor Augen tritt wie hier in der Bittermark und im Rombergpark in Dortmund", sagte der Historiker Prof. Dr. Ulrich Herbert, der die Ereignisse in Dortmund im März und April 1945 in eine lange Reihe von NS-Verbrechen der letzten Kriegsphase einordnete. In Dortmund habe die Hinrichungswelle der letzten Kriegswochen ihre Höhepunkt erreicht, stellte Herbert fest.

Vor diesem Hintergrund bezeichneten es Oberbürgermeister Ullrich Sierau und der Vorsitzende des Fördervereins Gedenkstätte Steinwache - Internationales Rombergpark-Komittee, Ernst Söder, als beschämend und "dunkles Kapitel" der deutschen Justiz-Geschichte, dass die damaligen Täter nach dem Krieg nur milde oder gar nicht bestraft wurden.

Beide schlugen auch den Bogen in die Gegenwart, indem sie einen allgemeinen politischen Rechtsruck in Europa beklagten. Es gelte deshalb, „klare Grenzen gegen Rassismus und Fremdenfeindlichkeit zu setzen“, forderte Sierau. „Wir dürfen nicht wegschauen, wenn in unserem Land vor Flüchtlingsheimen demonstriert wird, Menschen angegriffen werden oder sogar um ihr Leben fürchten müssen.“

Heinrich-Czerkus-Gedächtnislauf zum zwölften Mal

Zu den Zuhörern in der Bittermark gehörten auch Teilnehmer des 12. Heinrich-Czerkus-Gedächtnislaufs. Er erinnert an den früheren BVB-Platzwart Heinrich Czerkus, der ebenfalls zu den Opfern der Karfreitagsmorde gehört. Rund 400 Wanderer, 100 Läufer, sieben Walker und acht Radfahrer hatte BVB-Legende „Siggi“ Held am Mittag an Stadion Rote Erde auf die sieben Kilometer lange Strecke geschickt.

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