Kundgebung

Mahnwache vor St. Reinoldi erinnerte an Widerstand gegen Rechtsextremismus

Der Arbeitskreis "Christen gegen Rechtsextremismus" erinnerte mit einer Mahnwache vor St. Reinoldi an den Widerstand gegen Rechtsextremismus im Jahr 1934 und heute.

Es war ein wegweisendes Zerwürfnis: Am 16. März 1934, an diesem Samstag vor 85 Jahren, kam es bei der 33. Synode der westfälischen Provinzialkirche in St. Reinoldi zum Eklat. Nach heftigen Auseinandersetzungen zwischen den nationalsozialistischen Deutschen Christen und den Bekennenden Christen um den westfälischen Präses Karl Koch ließ der vom Reichskirchenminister eingesetzte westfälische Bischof Bruno Adler die Synode im Reinoldinum von der Geheimen Staatspolizei, der Gestapo, auflösen.

Doch die kritischen Christen gaben nicht klein bei: Die Mehrheit der Synodalen versammelte sich unter Präses Koch im Reinoldinum in einem evangelischen Gemeindehaus an der Kielstraße in der Nordstadt und konstituierte sich neu - als 1. Westfälische Bekenntnissynode. Sie wurde gewissermaßen zum Vorläufer und Vorbild für die spätere Barmer Bekenntnissynode, die vom 29. bis 31. Mai 1934 in Barmen tagte und die bis heute bedeutsame Barmer Theologische Erklärung verabschiedete. Mit ihr ging man auf kritische Distanz zum NS-Staat.

Gedenken an Anschlag in Neuseeland

An das besondere Ereignis erinnerte der Arbeitskreis Christen gegen Rechtsextremismus am Freitagnachmittag mit einer Mahnwache vor der Reinoldikirche - und schlug dabei unter dem Motto "Widerstehen 1934 bis 2019" zugleich den Bogen in die Gegenwart, zum Kampf gegen aktuellen Rechtsextremismus und Rechtspopulismus.

Und aus aktuellem Anlass begann die Kundgebung mit rund 120 Teilnehmern, die trotz strömenden Regens ausharrten, mit einer Schweigeminute. "Wir wollen ein Zeichen setzen, weil der Rechtsextremismus eine anhaltende Gefahr ist", erklärte Pfarrer Friedrich Stiller mit Hinweis auf den Anschlag auf zwei Moscheen in Neuseeland.

Kirche will sich einmischen

"Wir mischen uns ein, wenn anderen Gefahr droht", begründete die evangelische Superintendentin Heike Proske das Engagement der Kirchen gegen Rechts. "Die Menschenwürde gilt für alle", stellte sie fest. Weil der christliche Glaube menschenfreundlich sei, könne die Kirche deshalb nicht neutral bleiben, wenn Menschen aus unterschiedlichen Gründen diskriminiert würden.

Nachdem der Journalist Rainer Zunder bei der vom Gospelchor "ad hoc" begleiteten Mahnwache an die Westfälische Bekenntnissynode von 1934 erinnert hatte, berichtete der Martener Pfarrer Christian Höfener-Wolf über das wachsende Engagement gegen Rechts nach dem Aufmarsch von Rechtsextremisten mit antisemitischen Parolen in dem Stadtteil im September 2018.

Stadtrundgänge zum Kirchentag

Pfarrerin Sabine Fleiter kündigte an, dass die Auseinandersetzung mit dem Rechtspopulismus auch ein Thema für den Evangelischen Kirchentag im Juni sein wird. Der Arbeitskreis Christen gegen Rechtsextremismus wird dann Stadtrundgänge anbieten, bei denen über den Einsatz gegen Rechts in Dortmund informiert wird.

Auch die bevorstehende Europawahl am 26. Mai ist ein Grund für die Kirche gegen Rechts Flagge zu zeigen. Denn die aktuelle Entwicklung zeige, dass ein friedliches und demokratisches Europa keine Selbstverständlichkeit sei, stellte Friedrich Stiller fest.

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