Kunst fürs Brückstraßenviertel

Spannende Hingucker in Schaukästen und eine Hebe-Bühne

DORTMUND - Konzerte auf einer Hebebühne, klingende Bänke und eine Ein-Quadratmeter-Disco: Das Brückstraßenviertel bekommt spannende Hingucker - die Resultate eines Wettbewerbs von Stadt und FH.

In der Mitte des Glaskastens steht eine Lautsprecherbox. Darauf eine Fläche, auf der kleine Figuren an dünnen Fäden knapp über dem Boden schweben. Wenn per Bluetooth über das Handy ein Lied an die Box gesendet wird, vibriert diese vom Klang und die Figuren scheinen zu tanzen.

Licht und Rauch im Schaukasten

Über Knöpfe außen am Kasten können dann noch Licht- und Raucheffekte gesteuert werden. So funktioniert die Installation "Brückfestival", die Student Juri Schäffer in mindestens einen der Schaukästen an der Hansastraße bauen will. Mit dem Entwurf hat er einen von zwei zweiten Plätzen beim Gestaltungs-Wettbewerb "Klang.Raum.Stadt" gemacht und dafür 1000 Euro Preisgeld bekommen.

Christian Weyers ist für die Stadt der Quartiersmanager im Brückstraßenviertel. Er hatte sich mit der Idee eines Wettbewerbs für Stadtrauminszenierungen an Prof. Oliver Langbein von der FH gewandt. Preisgelder und Mittel für die Umsetzung der Gewinner-Projekte stellte die Stadt in Aussicht. Langbein organisierte daraufhin ein dreisemestriges Seminar, dessen Ergebnisse dem Wettbewerb zuflossen.

Fast 24 Stunden am Stück gespürt

"Wir hatten einen Seminarraum im Brückviertel, um ganz nah dran zu sein." Sogar eine fast 24-stündige Einheit haben die Studierenden und drei Seminarleiter gemacht, um ein genaues Gespür für das Viertel zu bekommen. Um zu ermitteln, welche Inszenierungen zugeschnitten auf Stadtraum und Bevölkerung hier fruchten könnten.

Sie analysierten, welche Menschen welchen Alters sich wann und wo aufhalten, und erstellten Karten von Mobiliar wie zum Beispiel ungenutzten Schaukästen. Sie gingen also sehr städteplanerisch vor.

Die Musik bildet den Schwerpunkt

Herausgekommen sind beeindruckende Ideen für eine Aufwertung des Viertels. Thematisch im Zentrum: Musik. "Mit Orchesterzentrum, Chorakademie und Konzerthaus hat das Viertel ja einen klaren Schwerpunkt", sagt Langbein.

Neben "Brückfestival" hat das mit dem ersten Platz prämierte "Rising Stage" (zu deutsch: steigende Bühne) das Thema aufgegriffen. Alina Saltheim, Lara König und Olga Grenz haben für die Idee einer Konzert-Hebebühne 3000 Euro Preisgeld bekommen.

Bühne in bis zu elf Metern Höhe

Den Bühnenwagen, der tageweise mietbar ist, wollen sie an Samstagabenden auf die Kreuzung zwischen der Boutique Schwarze und dem Konzerthaus fahren und dann in die Höhe steigen lassen. "Sie kann auf elf Meter hochfahren", sagt Langbein. Als Ritual solle sich das etablieren. Einen Countdown aus LED-Lampen wollen sie zusätzlich anbringen. Gut sichtbar soll er, möglicherweise am Schwarze-Gebäude, die Zeit bis zum nächsten Konzert herunterzählen.

Die Idee zu den Installationen ist, sie viral werden zulassen. Bedeutet: die Ereignisse zu filmen und sie über Soziale Medien bekannt zu machen. So sollen die partizipativen Installationen zur Marke fürs Viertel werden. So auch bei "Apollon": Vor dem Konzerthaus sollen klaviertasten-förmige Bänke aufgestellt werden. Sitzt darauf jemand, senkt sich die Bank langsam und fast unmerklich ab, bis sie nach zwei bis vier Minuten auf dem Sockel ankommt und einen Ton erzeugt.

Pentatonisch gestimmte Sitzbänke

Student Artem Neklesa (dritter Platz) hat sich hier eines Tricks bedient: der Pentatonik, auch bekannt als Fünfton-Musik. Die erzeugten Töne bilden in jeder Kombination eine Harmonie, sodass immer ein Wohlklang entsteht. Auch hier sollen Videos von Passanten entstehen, die durch ihr Platznehmen ein Musikstück erzeugen.

Doch keine Angst: "Wir nehmen mit Langzeitbelichtung auf, Gesichter sind dadurch nicht mehr erkennbar", sagt Artem Neklesa. Eine weitere Idee sind Telefonzellen (ebenfalls zweiter Platz), die mit Licht und Musik zu Ein-Quadratmeter-Discos werden. In einer Telefonzelle soll eine kleine Jukebox entstehen, die auf Knopfdruck Ausschnitte von Liedern von Dortmunder Bands abspielt.

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