Kurse für gesundes und nachhaltiges Kochen

"Butter ist der Klimakiller Nr.1"

Dortmund - Über 34 Tonnen Lebensmittel landen jede Minute in deutschen Mülleimern. Ein Dortmunder hat sich zur Aufgabe gemacht, das zu verhindern. Hermann Woelke bietet Kurse für nachhaltiges Kochen an und schützt damit das Klima.

Eine Packung Reis, ein Rindersteak und Käse von der Frischetheke. Was für viele ein normaler Einkauf ist, verursacht bei Hermann Woelke Kopfschütteln. Der schlanke Mann kauft in einem Bioladen im Kreuzviertel nur vegane Produkte - im Idealfall aus der Region. Ihn treibt dabei vor allem der Klimaschutz an. Denn der Anbau, die Verarbeitung und der Transport von Lebensmitteln verursachen Treibhausgase, die zur Erderwärmung beitragen.

"Der Klimakiller Nummer eins ist die Butter", sagt Woelke. "Man braucht über 20 Liter Milch, um ein Kilo Butter daraus zu machen." Zahlen, die zunächst erschrecken, im Alltag aber weniger dramatisch sind. "Man isst ja nicht am Tag ein Kilo Butter."

Woelke ist 61 Jahre alt und isst seit 35 Jahren keine Butter mehr. Der Liebe wegen. "Ich hatte damals eine Freundin, die kein Fleisch mehr essen wollte. Ich habe mich für verschiedene Ernährungsformen interessiert, mich eingelesen und das ausprobiert", sagt der Veganer. Er beschränkt sich auf "klimafreundliche" Lebensmittel. Das heißt: Regional und saisonal. "Bloß nichts aus dem beheizten Treibhaus", sagt Woelke.

Ökologische Ernährung

Seit sechs Jahren gibt er den Kochkurs "Klimaschutz in Topf und Pfanne". "Ich zeige den Teilnehmern, wie man möglichst klimaschonend Lebensmittel aussucht." Streng nachhaltig koche er mit den Teilnehmern aber nicht. "Dann dürften wir nicht mit Pfeffer kochen, denn er wächst hier nicht", sagt Woelke. Er macht Abstriche.

Sein eigener Start mit der ökologischen Ernährung sei schwierig gewesen. "Für mich war das größte Problem, dass ich mich sozial isoliert habe. Ich wurde für einen Spinner gehalten", sagt Woelke. Restaurants boten damals noch keine vegetarischen Gerichte an, er war gezwungen, selbst zu kochen.

Diese Erfahrung nutzt er nun, um Rezepte für seinen Kochkurs zu entwickeln. "Ich weiß dann ja schon, wie das schmeckt. Das ist auch der Vorteil." Nur einmal habe er sich bei den Zutaten vergriffen. Eine besondere Art Bohnen schmeckte einem Teilnehmer nicht. "Das klingt komisch - aber das war das einzige Mal", so Woelke.

Regionalität und biologischer Anbau

Im Biomarkt sucht er die Produkte gezielt aus. Woelke zeigt auf ein Schild am Feldsalat und sagt: "Der kommt vom Schultenhof hier in Dortmund. Da lange ich besonders gerne zu." Ihm ist neben Regionalität auch der biologische Anbau wichtig. Fleisch kommt bei ihm aber auch in biologisch nicht auf den Tisch. "Es ist ein Klimakiller. Allein wenn man Fleisch weglässt, hat man eine Menge gewonnen", sagt der Hobbykoch. "Angesichts der Fakten finde ich es unverständlich, wie jeder so viel Fleisch essen kann."

Seine Hand greift seine Stirn. Er schüttelt den Kopf. "Wie die Viecher gehalten werden, wie sie geschlachtet werden, was das mit dem Planeten macht und was das mit der eigenen Gesundheit macht." Woelke gestikuliert. Es ist das erste Mal, dass er so emotional wird. "Mittlerweile hat sich das Missionarische gelegt", sagt Woelke und scheint seine Worte selbst nicht zu glauben. "Vielleicht kann ich das durch den Kochkurs kompensieren."

Er könnte mit dem Kurs aber auch sein schlechtes Gewissen beruhigen. Woelke arbeitet in Essen als Pflegedienstleiter im ambulanten Pflegedienst. Jahrelang ist er Zug gefahren.

Seit ein paar Jahren fährt er Dienstwagen. "Ich finde das eigentlich unmöglich. Aber wenn man in meinem Alter ist, hat man das Gefühl, die Zeit wird knapper", sagt er. "Eigentlich müsste ich in der Beziehung die Klappe halten, denn was ich da auf der Autobahn verbrate, kriege ich durch meine Ernährung gerade so wieder rein." Woelke ist ehrlich. "Wenn das Wetter besser wird, werde ich vielleicht sogar mit dem Fahrrad fahren." Ein gutes Training, denn der Klimaschützer hat sich dieses Jahr für den Triathlon in Dortmund angemeldet.

Seine Frau konnte er vom nachhaltigen Veganismus bisher nicht ganz überzeugen. Und auch seine drei Töchter habe er nicht vegan erzogen. "Aus meiner Sicht kann man das bei Kindern nicht machen. Das halte ich für fatal."

15-jährige Tochter verzichtet auch auf Fleisch

Nur Zucker war verboten. Dieser habe ihn selbst krank gemacht - körperlich und psychisch. "Da müsste man mir schon eine Pistole auf die Brust setzen, ansonsten esse ich keinen Zucker." Stattdessen verwende er Malz oder Sirup zum Süßen. "Mein Organismus unterscheidet sich nicht von dem anderer Leute: Ich glaube, auch für sie ist Zucker nicht gut. Aber das ist deren Sache." Der erhobene Zeigefinger kommt in seiner Sprache durch. "Wenn man mit einer neuen Richtung anfängt, neigt man dazu, ein Missionar zu werden", sagt er und schaut über den Brillenrand.

Seine jüngste Tochter ist 15 Jahre alt und verzichtet wie ihr Vater auf Fleisch. "Bei ihr sind es aber Tierschutzgründe." Woelke muss neben Familie und Freunden auch von Arbeitskollegen einstecken. "Wenn ich für mich koche, habe ich teilweise so ein Pamp aus Gemüse und Seitan. Das sieht teilweise sehr unansehnlich aus."

Er weiß, dass das nicht jedermanns Vorstellung von einem leckeren Mittagessen ist - und provoziert. "Wenn der Pamp besonders unansehnlich aussieht, halte ich das meinen Kollegen unter die Nase, damit sie lästern können", sagt Woelke mit einem verstohlenen Lächeln.

Einen "Pamp" kriegen seine Kochkursteilnehmer nicht zu essen. "Bei dem Kochkurs versuche ich, es auch optisch schön zu gestalten", sagt der Kochlehrer. Fleisch und andere Klimakiller kommen aber nicht in die Pfanne.

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