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Im Stutthof Museum im polnischen Sztutowo wird an die Verbrechen im ehemaligen KZ Stutthof erinnert.

KZ-Wachmann vor Gericht

Prozess in Münster beleuchtet Massenmord von Stutthof

MÜNSTER - Mord und Mordbeihilfe verjähren nicht. Und so gibt es auch mehr als 70 Jahre nach Kriegsende noch Ermittlungen gegen mutmaßliche NS-Verbrecher. Einige wegweisende Gerichtsurteile haben der Strafverfolgung mutmaßlicher Nazi-Schergen in den letzten Jahren sogar einen Schub versetzt – und die Zeit drängt.

Nach aufsehenerregenden Prozessen gegen Wachpersonal von Auschwitz und Sobibor sind die Ermittler nun vorgedrungen zu den weniger bekannten Kapiteln der nationalsozialistischen Vernichtungsmaschinerie: Heute beginnt vor dem Landgericht Münster ein Prozess gegen einen 94 Jahre alten SS-Wachmann des Konzentrationslagers Stutthof bei Danzig – und so ein weiteres Stück späte juristische Aufarbeitung.

Andreas Brendel ist gemeinsam mit einem Team beim Landeskriminalamt in NRW zuständig für die Verfolgung von Nazi-Kriegsverbrechen. Er führt die Anklage gegen den Angeklagten aus dem Kreis Borken, der von Juni 1942 bis September 1944 in Stutthof als Wachmann tätig war. Brendel wirft ihm hundertfache Mordbeihilfe vor.

Insgesamt starben bis Kriegsende mindestens 27.000 Häftlinge in Stutthof. Sie wurden in einer Gaskammer ermordet, mit Genickschüssen getötet oder vergiftet. Sie erfroren oder starben durch Mangelernährung, erschöpft durch die Zwangsarbeit oder miserable medizinische Versorgung. Der Angeklagte soll als 18-Jähriger seinen Dienst als SS-Wachmann in dem KZ angetreten haben. Dass in Stutthof Häftlinge brutal ums Leben kamen, sei ihm nicht entgangen. Als Wachmann soll er vielmehr das grausame Morden mit ermöglicht haben.

Beihilfe zum Mord schon durch bloßes Mitwirken

Dass ein Einzelner allein durch Mitarbeit in einem Vernichtungslager auch strafrechtliche Verantwortung für das Morden trägt, ist erst in jüngerer Vergangenheit in Prozessen festgestellt worden: 2011 war Sobibor-Wachmann John Demjanjuk wegen Beihilfe zum Mord an 28.000 Juden zu einer fünfjährigen Haftstrafe verurteilt worden. Es folgten die Verurteilungen von Oskar Gröning, dem sogenannten „Buchhalter von Auschwitz“, und Reinhold Hanning, SS-Wachmann in Auschwitz. Alle drei sind inzwischen verstorben.

Nicht mehr die konkrete Beteiligung an einzelnen Morden muss nachgewiesen werden, wie dies zuvor gängige Praxis war. „Die Gerichte erkannten es als ausreichend für eine Verurteilung wegen Beihilfe zum Mord an, wenn man durch seinen allgemeinen Dienst in dem Lager die Mordmaschinerie am Laufen gehalten hat“, sagt Jens Rommel, Leiter der Zentralen Stelle zur Aufklärung von Nazi-Verbrechen in Ludwigsburg.

Rund 30 Verfahren gibt die Zentrale Stelle pro Jahr an die Staatsanwaltschaften weiter. Es ist auch eine Arbeit gegen die Zeit: „Keiner unserer Beschuldigten ist jünger als 91 Jahre“, sagt Rommel. Die Chance, auf Lebende und Verhandlungsfähige zu stoßen, werde immer geringer.

Ursprünglich sollte auch in Münster ein zweiter Mann auf der Anklagebank sitzen: Doch weil die Verhandlungsfähigkeit des Mannes aus Wuppertal weiter strittig ist, wurden die Verfahren nun doch voneinander getrennt. Auch der Gebrechlichkeit des Borkener Angeklagten wird das Gericht Rechnung tragen: Verhandelt wird pro Prozesstag nur zwei Stunden.

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