Landgericht Bochum

Überfälle auf Tabaklieferanten: Bandenchef ließ sich nach dem ersten Coup krankschreiben

Im Prozess um eine Überfallserie auf mehrere Fahrer des Tabaklieferanten "Tobaccoland" ist bekannt geworden, dass sich der Hauptangeklagte für die Coups extra krankschreiben lassen hat.

Ein Vorgesetzter des Hauptangeklagten erinnerte sich am Dienstag vor dem Bochumer Landgericht an ein zuletzt sehr auffälliges Verhalten des 27-Jährigen. Dieser war zum Zeitpunkt der Überfall-Serie beim Tabaklieferanten "Tobaccoland" als Tourenleiter angestellt. "Anfangs war er ein sehr, sehr fleißiger Mitarbeiter, doch im August 2017 ließ er immer mehr nach", sagte der Logistiker im Zeugenstand vor der 8. Strafkammer.

Nachdem am 16. Dezember 2017 in der Wohnung eines ersten "Tobaccoland"-Fahrers eine so genannte Homejacking-Tat verübt worden war, sei der Hauptangeklagte tags darauf völlig aufgelöst bei ihm zu Hause aufgetaucht, so der Vorgesetzte. Bei dem "Homejacking" waren in dem außen eingerüsteten Wohnhaus des Fahrers in Huckarde aus der Wophnung erst Fahrzeug- und Tresorschlüssel - und dann auch das voll beladene "Tobaccoland"-Fahrzeug selbst gestohlen worden. Beute hier: knapp 10.000 Euro Bargeld.

"Mir geht es total schlecht"

"Mir geht es total schlecht. Die Geschichte mit dem Überfall auf den Kollegen geht mir unglaublich nahe." So oder so ähnlich soll sich der Hauptangeklagte damals bei seinem Vorgesetzen gejammert haben. Er selbst - so der Zeuge - habe dem 27-Jährigen damals sogar noch geraten, zu einem Arzt zu gehen. Tags darauf habe sich der Hauptangeklagte dann auch tatsächlich krankschreiben lassen.

In der Folgezeit, als die vier weiteren bewaffneten Raubüberfälle auf Tobaccolandfahrer (unter anderem in Bodelschwingh) verübt worden sind, habe sich der 27-Jährige nicht einmal mehr selbst bei ihm gemeldet, sondern nur seine Mutter vorgeschickt. "Heute weiß ich ja, warum", sagte der Zeuge mit Blick auf die Überfallserie.

Mehr als 100.000 Euro Gesamtschaden

Bei den weiteren Überfällen auf mehrere "Tobaccoland"-Fahrer waren vom 2. Januar bis zum 8. Februar insgesamt 46.000 Euro Bargeld erbeutet worden. Als weiteren Schaden führt die Firma fast 50.000 Euro auf, weil bei zwei Coups auch jeweils das Lieferfahrzeug selbst gestohlen beziehungsweise geraubt worden ist. Insgesamt beklagt "Tobaccoland" somit einen Gesamtschaden von mehr als 100.000 Euro.

Vor dem Bochumer Landgericht sind sechs Dortmunder im Alter von 19 bis 27 angeklagt. Alle sind weitgehend geständig. Der mutmaßliche Bandenchef verfügte als Angestellter laut Anklage über Insiderwissen, wusste genau, an welchen Orten die "Tobaccoland"-Fahrer wohnten, dass sie dort den mit Geld und Zigaretten beladenen Lieferwagen abgestellt hatten und auch wann genau ihre jeweiligen Schichten beginnen.

Überfälle in Dortmund, Waltrop und Dorsten

Bei den Überfällen in Dortmund, Waltrop und Dorsten war den Fahrern jeweils bei Schichtbeginn vor der Haustür aufgelauert worden - dann hatte die sechsköpfige"Tobaccoland-Bande" ganz groß abgeräumt.

Kurz vor einem geplanten Überfall im März 2018 waren die jetzt Angeklagten (allesamt aus Dortmund) von Spezialkräften der Polizei festgenommen worden.

Die Anklage lautet auf schweren Raub, Einbruchdiebstahl und Verabredung zu einem Verbrechen. Der Prozess wird fortgesetzt.

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