Landgericht Essen

Arzt nach Sex mit 14-Jährigem zu Bewährungsstrafe verurteilt

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KREIS RE - Ein Dorstener Arzt (48) ist von seiner Vergangenheit eingeholt worden – nach mehreren Sex-Treffen mit einem 14-jährigen Jungen.

Dreieinhalb Jahre nach mehreren Sex-Treffen mit einem Jugendlichen ist der Mediziner am Montag zu elf Monaten Haft auf Bewährung verurteilt worden. Außerdem muss er 10.000 Euro an die Hilfsorganisation „Ärzte ohne Grenzen“ zahlen. Der 48-jährige Angeklagte hatte sich im Sommer 2015 mehrfach mit dem Sohn eines Freundes getroffen. Der Junge war gerade erst 14 geworden. Dreimal wurde sich in einer Umkleidekabine des Gladbecker Hallenbades getroffen, einmal auf einem Parkplatz. Der Schüler kam jedes Mal mit dem Fahrrad.

Im Prozess vor dem Essener Landgericht hatte der Arzt die Sex-Treffen auch gar nicht bestritten. Von einer Ausnutzung der sexuellen Unerfahrenheit – und nur das ist bei Jugendlichen ab 14 strafbar – wollte er jedoch nichts wissen. Der Schüler habe schließlich nicht nur selbst den Kontakt gesucht, ihm seien auch alle Praktiken geläufig gewesen. Von pubertierender Neugier könne deshalb keine Rede sein. Er sei vielmehr dominant und fordernd gewesen, habe sagen und bestimmen können, was er wollte.

Mediziner hätte „Stopp“ sagen müssen

Laut Urteil der 15. Strafkammer am Essener Landgericht hätte der Mediziner trotzdem „Stopp“ sagen müssen. Weil ein Schüler, der gerade erst 14 geworden war, nur dann so viel Erfahrung haben könne, wenn er schon als Kind sexuell missbraucht worden ist. „Hier hat es sich um einen Jugendlichen gehandelt, der besonders schutzwürdig ist“, sagte Richter Markus Dörlemann bei der Urteilsbegründung. Der Mediziner habe jedoch seine eigenen sexuellen Interessen über die Frage gestellt, woher der Junge all das, was passiert ist, schon wissen konnte.

Anwalt Andreas Kabut, der im Prozess den heute 17-Jährigen vertreten hat, formulierte es sogar noch drastischer. „Der Junge war für den gestandenen Arzt ein gefundenes Fressen.“ Er nehme ihm auch nicht ab, dass er anfangs gezögert habe. Wenn, dann nur, weil er die eigene Entdeckung gefürchtet habe. Der 48-Jährige habe im Prozess auch keinerlei Unrechtseinsicht gezeigt und auch keine klaren Worte des Bedauerns gegenüber den Eltern gefunden.

Zusätzlich zu den Treffen im Schwimmbad und auf dem Parkplatz eines Tennisplatzes hatte der Arzt dem Schüler auch noch Pornovideos geschickt, auf denen er selbst zu sehen ist. Auch das ist mit in die Strafe eingeflossen.

Der Angeklagte selbst hatte bis zuletzt auf einen Freispruch gehofft, in seinem sogenannten letzten Wort kurz vor der Urteilsverkündung aber auch noch gesagt: „Es tut mir furchtbar leid, dass das so passiert ist.“ Die Staatsanwaltschaft hatte sogar 15 Monate Haft auf Bewährung beantragt.

Ob auf den Arzt nun auch berufsrechtliche Konsequenzen zukommen, ist unklar. Noch ist das Urteil, das auf sexuellen Missbrauch von Jugendlichen lautet, aber auch noch nicht rechtskräftig. Innerhalb einer Woche kann der Mediziner Revision einlegen. Dann müsste der Bundesgerichtshof in Karlsruhe das Essener Urteil auf Rechtsfehler überprüfen.

Zwei Frauen aus Bochum sollen im großen Umfang mit sogenannten Schönheitskorrekturen illegal Kasse gemacht haben. Eine Beschuldigte sei in 35 Fällen, die andere in 33 Fällen angeklagt, sagte eine Sprecherin des Bochumer Landgerichts.

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