Landgericht Essen

Halterner Bauarbeiter gesteht kiloschwere Drogengeschäfte

Haltern - Konspirative Treffen und kiloschwere Taschen voller Drogen: Ein Bauarbeiter aus Haltern hat jahrelang ein heimliches Doppelleben geführt. Seit Donnerstag steht er in Essen vor Gericht.

Alles begann mit einem "Turnschuh-Geschäft". Im Sommer 2015 hat der 29-jährige Angeklagte einem Schwergewicht aus der Drogenszene ein paar Sportschuhe verkauft. So kam man ins Gespräch. Kurze Zeit später waren beide dann auch schon Kompagnons.

"Er hat mich gefragt, ob ich mir etwas dazu verdienen will", sagte der Mann aus Haltern zum Prozessauftakt vor dem Essener Landgericht. Da habe er nicht lange überlegt. Schließlich war er nach einer Bandscheiben-OP gerade ohne Arbeit, was ihn offenbar ärgerte. "Ich wollte nicht als der Arbeitslose dastehen, der kein Geld nach Hause bringt."

Rauschgift-Pakete gingen auch an die Schwester

Und so hat er sich bereit erklärt, als eine Art Zwischenhändler zu fungieren. In der Folgezeit lieferte ihm ein Drogenkurier ein bis drei Mal pro Woche ein Kilo Marihuana, das er anschließend weiterverteilte. Hauptabnehmerin war ausgerechnet seine Schwester, die bei den holländischen Lieferanten und den anderen Hintermännern wegen ihrer Unzuverlässigkeit in Verruf geraten war. Den eigenen Bruder, so dachte man, werde sie schon pünktlich bezahlen.

Was mit einem Kilo begann, nahm in den folgenden Monaten immer größere Dimensionen an. Am Ende wurden in der Halterner Wohnung des Angeklagten teilweise sieben Kilo schwere Pakete zwischengelagert. Nun auch mit Amphetamin und Kokain.

Halbbruder ebenfalls mitangeklagt

Es dauerte dann auch nicht lange, bis der 29-Jährige auch seinen zehn Jahre älteren Bruder mit in die Geschäfte einbezog, der nun ebenfalls angeklagte ist. In dessen Wohnung in Marl wurde ebenfalls Rauschgift versteckt.

Dass die Geschäfte immer größer geworden sind, hat nach Angaben des Halterners vor allem mit einem bereits im Sommer 2018 zu neun Jahren Haft verurteilten Mannes aus Marl zu tun. Als der nach einer früheren Verurteilung wieder auf freien Fuß kam, soll er seine alten Drogengeschäfte sofort wieder angekurbelt haben. Diesmal aber so, dass richtig Schwung in die Sache kam.

"Habe nur das Geld gesehen"

Auch zwischenzeitliche Festnahmen im Umkreis des Angeklagten ließen keine Ruhe einkehren. "Ich habe nur das Geld gesehen", sagte der 29-Jährige den Richtern. Außerdem habe er einen seiner bereits inhaftierten Komplizen unterstützen wollen. "Ich habe ihm einen Fernseher und ein Radio gekauft - fürs Gefängnis."

Reich geworden sei er durch die Drogengeschäfte allerdings nicht. "Ich habe ja nicht richtig mitverdient, sondern immer nur eine Provision für das Weiterleiten der Drogen erhalten." Und auch ein bisschen Rauschgift für den Eigenkonsum, der sich allerdings im Kleinst-Bereich gehalten haben soll.

Urteil voraussichtlich im Dezember

Am 4. Januar 2018 war dann jedoch endgültig Schluss. Nach einer groß angelegten Razzia wurde der Drogenring gesprengt, die Halbbrüder wurden festgenommen. Beide erwartet eine mehrjährige Haftstrafe. Mit einem Urteil ist im Dezember zu rechnen.

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