Landgericht Essen

Misshandlungs-Prozess: Der Druck auf die Angeklagten wächst

Dorsten - Im Prozess um die mutmaßliche Misshandlung eines zweijährigen Jungen aus Dorsten hat ein Radiologe ausgesagt. Die bisherigen "Harmlos-Erklärungen" der Angeklagten sind ins Wanken geraten.

Der kleine Junge war im Oktober 2016 mit schwersten Verletzungen in die Gelsenkirchener Kinderklinik gebracht worden. Die Ärzte hatten bei den anschließenden Röntgen- und Kernspin-Untersuchungen unter anderem Blutungsreste im Gehirn und einen mehrfachen Bruch im rechten Sprunggelenk festgestellt. Außerdem waren am ganzen Körper des Kleinkindes zahlreiche Hämatome zu sehen gewesen.

Wurde der Zweijährige zu heftig geschüttelt?

Der 50-jährige Radiologe, der am Freitag am Essener Landgericht als Sachverständiger ausgesagt hat, hatte die Röntgen- und MRT-Bilder zuvor noch einmal ganz genau unter die Lupe genommen. Insbesondere was die Hirnblutung angeht, legte sich der Sachverständige auf eigentlich nur zwei mögliche Entstehungs-Szenarien fest: heftiges Schütteln oder Hinwerfen des Jungen.

"Bei einer solchen Blutung unterhalb der harten Hirnhaut ist entweder denkbar, dass das Kind geschüttelt worden ist", sagte der Radiologe. Die zweite Variante sei ein heftiges Schleudern des Kindes auf "einen weichen Untergrund". Beispielsweise also ein Sofa, ein Bett oder einen Teppich. Ein solches Ablaufszenario, so der Radiologe, erkläre dann auch, dass am Kopf des Jungen äußerlich keine Prellmarken zu sehen gewesen sind.

"Nicht denkbar, dass man das nicht bemerkt hat"

Und auch mit der Einstufung der Sprunggelenksverletzung des Zweijährigen (Bruch von Schien- und Wadenbein) legte sich der Radiologe fest: "Die Verletzung war noch recht frisch. Das muss sehr auffällig gewesen sein. Der Junge ist entweder gar nicht mehr gelaufen oder hat ganz stark gehumpelt." Und mit Blick auf die angeklagte Mutter und den Stiefvater: "Es ist nicht denkbar, dass man das nicht bemerkt hat."

Beide Angeklagten wollen von Misshandlungen nichts wissen. "Ich würde niemals ein Kind hinschmeißen, es schlagen oder ihm wehtun", hatte der 25-jährige Stiefvater zum Prozessauftakt erklärt. Allenfalls habe er den Jungen mal spielerisch ein bisschen hochgeschmissen und wieder aufgefangen.

Mutter soll Kind auf das Bett geschmissen haben

Mit Blick auf seine Noch-Ehefrau hatte der 25-jährige Angeklagte, der nach einer Brandstiftung bereits zu sieben Jahren Haft verurteilt worden ist, zuletzt über einen im Prozess verlesenen Brief behauptet, dass diese den Jungen einmal "von einem Meter Entfernung ins Bett geschmissen" habe.

Die Mutter will dagegen gesehen haben, dass der Stiefvater den Jungen mal in eine enge Helm-Transportbox eingesperrt hat. Konfrontiert mit diesem möglichen Szenario, sagte der Radiologe am Freitag: "Wenn man ein Kleinkind mit Gewalt da reinstopft, kann ich mir die Beinbrüche schon vorstellen."

Der Prozess wird fortgesetzt. Urteil: voraussichtlich am 12. Dezember.

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