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6000 Landwirte demonstrierten in Münster für die Zukunft ihres Berufsstandes.

Landwirtschaft

Bauern demonstrieren in Münster – das ist der Grund

Münster - Seit Jahren sind die Nitratwerte im Grundwasser oft zu hoch. Doch Pläne für ein strengeres Düngerecht bringen die Landwirte in Rage.

Was an Frühlingstagen als „frische Landluft“ so manchen die Nase rümpfen lässt, ist in der Agrarpolitik derzeit ein heiß diskutiertes Thema: Gülle – und die Frage der Belastung des Grundwassers erhitzt die Gemüter. Der Streit um eine Verschärfung der Düngerechts hat die Bauern am Donnerstag auf die Straße getrieben. Etwa 6000 Landwirte setzten sich bei einer Demo in Münster gegen eine von der EU-Kommission geforderte Verschärfung der Auflagen zur Wehr. Das steckt hinter dem Streit:

Das Problem mit dem Nitrat:

In Deutschland ist das Grundwasser an zu vielen Stellen mit Nitrat belastet. Etwa 28 Prozent der Messstellen weisen Nitratgehalte über dem Grenzwert von 50 mg je Liter auf. Als eine Ursache gilt der übermäßige Einsatz von Dünger. Gülle fällt bei der Tierhaltung an und soll auf den Feldern durch ihren Stickstoffgehalt den Pflanzen beim Wachsen helfen. Laut Statistischem Bundesamt landen in Deutschland jährlich 200 Millionen Kubikmeter flüssiger Wirtschaftsdünger – nicht nur Gülle, sondern auch Gärreste aus Biogasanlagen auf dem Feldern. Doch zu viel Stickstoff im Boden kann als schädliches Nitrat ins Grundwasser durchsickern. Auch die Wasserwirtschaft schlägt Alarm, weil sie fürchtet, der wachsende Aufwand bei der Trinkwasseraufbereitung könne die Wasserpreise nach oben treiben.

Drohende Konsequenzen:

Brüssel macht Druck auf Deutschland, das Düngerecht abermals zu verschärfen. Schon seit Sommer 2017 gelten für die Landwirte strengere Regeln, etwa Obergrenzen für Stickstoff und längere Düngeverbote. Schon im Juni 2018 hatte der Europäische Gerichtshof bemängelt, dass Deutschland jahrelang zu wenig gegen überhöhte Nitratwerte getan habe. Auch die jüngsten Anpassungen sind dem Umweltkommissar „nicht ehrgeizig“ genug. Es drohen saftige Strafzahlungen. Nun diskutieren die Verantwortlichen in Berlin über weitere Verschärfungen. Im Gespräch ist etwa, dass Landwirte in belasteten Gebieten 20 Prozent Dünger weniger ausbringen sollen, als es dem errechneten Bedarf entspräche. Auch eine Ausweitung der Zeiten, in denen gar nicht gedüngt werden darf, ist vorgesehen. Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) kritisierte bei der Kundgebung in Münster, dass die Forderung nach einer pauschalen Reduzierung um 20 Prozent fachlich nicht vertretbar sei und kündigte Gespräche in Brüssel an.

Das treibt die Bauern auf die Straße:

Die Bauern sind aufgebracht, weil sie Ernteeinbußen und Kostensteigerungen auf sich zukommen sehen. „Für viele geht es um ihre Existenz“, sagt Hans-Heinrich Berghorn, Sprecher des Westfälisch-Lippischen Landwirtschaftsverbandes (WLV). Klöckner betonte, dass sie die Ängste nachvollziehe könne. Die Landwirte fühlen sich nicht nur von der EU überrumpelt und von der Gesellschaft an den Pranger gestellt, sondern halten die Pläne inhaltlich für schlecht. „Die Gleichung „weniger Dünger – weniger Belastung“ stimmt nicht“, erklärt Berghorn. So führe eine Unterdüngung zu weniger Wachstum, „und mickrige Pflanzen entziehen dem Boden weniger Stickstoff“. Schweinehalter befürchteten, den überschüssigen Mist nicht mehr loszuwerden: Ihn dorthin zu bringen, wo er als Dünger verwertet werden kann, koste die Bauern Geld, was sie nicht hätten. Es sei außerdem fraglich, ob bei einer Düngung unter Bedarf die Qualität erreicht werde, die nötig sei, um auf dem Markt bestehen zu können.

Mögliche Lösungsansätze:

Die Bauern unterstreichen, dass auch ihnen der Grundwasserschutz am Herzen liege. Sie wollten bei der Lösung des Problems jedoch nicht allein gelassen werden, sagt Berghorn. Denkbar sei etwa eine Ausweitung bereits regional bestehender Kooperationen mit der Wasserwirtschaft. Zwei dieser Kooperationen gibt es auch im Kreis Recklinghausen – mit RWW im Raum Dorsten (Üfter Mark) und mit der Gelsenwasser AG im Einzugsgebiet der Halterner Stauseen. „Die Beratung der Betriebe und die Optimierung der Düngung haben in diesen Gebieten zu einer erheblichen Verbesserung der Werte geführt“, erklärte Friedrich Steinmann, Vorsitzender des Landwirtschaftlichen Kreisverbandes Recklinghausen.

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