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So war es 2018: Eine riesige Staubwolke wirbelt dieser Trecker bei der Einsaat in Haltern auf. Die Dürre im vergangenen Jahr hat zu Ernteausfällen geführt – und zu Einkommensverlusten bei den Bauern.

Landwirtschaft

Dürrebeihilfe kommt bei Bauern nicht gut an

Kreis RE - Der trockene Sommer 2018 sorgte für eine miserable Ernte. Doch nur wenige Landwirte im Kreis RE haben die Dürrebeihilfen beantragt.

Die Dürre 2018 hat vielen Landwirten Einkommensverluste gebracht. Dennoch haben nur 21 Bauern im Kreis Recklinghausen Beihilfen zum Ausgleich der Verluste beantragt. Der Aufwand ist vielen zu groß und die Erfolgsaussichten sind zweifelhaft. Bis März hatte außerdem noch keiner der 637 Landwirte in Nordrhein-Westfalen, die einen Antrag auf Dürrehilfe gestellt hatten, Geld erhalten. Das bestätigte auch Bernhard Rüb für die Landwirtschaftskammer NRW auf Anfrage: „Es hat noch keine Auszahlung gegeben. Mag sein, dass schon der eine oder andere Antrag abgelehnt wurde, das geht schneller.“ Erst Ende April werde man eine Zwischenbilanz ziehen können.

Dass die Bearbeitung so lange dauere, liege nicht an der Landwirtschaftskammer, sagt Rüb: „Es ist sehr kompliziert. Das haben wir uns ja nicht ausgedacht. Es gibt dafür kein Gesetz, sondern man hat sich auf Bundes- und Länderebene entschieden, bestehende Gesetze zu nutzen. Da muss natürlich das Bundes- und das EU-Recht beachtet werden.“ Das brauche Zeit: „Ich kann nur sagen: Zu Risiken und Nebenwirkungen fragen Sie Ihren Abgeordneten. Wir machen doch keine Gesetze, sondern wenden sie als Obere Landesbehörde nur an.“

Im Kreis gibt es rund 360 landwirtschaftliche Betrieb

Es sei nun einmal so, dass in jedem Einzelfall die Bedürftigkeit nachgewiesen werden und der Ernteausfall mindestens 30 Prozent der Durchschnittsernte der vergangenen drei Jahre betragen müsse. Dann gebe es – auch für den Zukauf von Futter – einen Zuschuss bis zu 50 Prozent.

Es gibt im Kreis Recklinghausen rund 360 landwirtschaftliche Betriebe, die im Haupterwerb geführt werden. Aber nur 21 Landwirte haben Beihilfen beantragt. „Das Verfahren ist kompliziert und die Richtlinien wurden auch nachträglich noch verändert, sodass einige Anträge neu gestellt werden mussten“, sagt Kreislandwirt Georg Schulte Althoff, stellvertretender Vorsitzender des landwirtschaftlichen Kreisverbandes Recklinghausen. „Wir waren als Landwirte mehrheitlich von Anfang an gegen die Dürrebeihilfe. Sie kommt sehr spät und es müssen sehr viele Angaben gemacht werden.“

Was kann ich angeben und was nicht?

Letztlich müsse jeder Landwirt eine Existenzgefährdung nachweisen. „Dafür werden alle finanziellen Rahmenbedingungen durchleuchtet. Man muss quasi offenlegen, ob man noch ein Sparbuch oder irgendwo eine Aktie hat“, sagt der Kreislandwirt. „Das ganze Verfahren wollten nicht viele auf sich nehmen und niemand möchte das gern offenlegen, schon gar nicht in der Öffentlichkeit.“

Außerdem, so Georg Schulte-Althoff, seien alle Betriebe unterschiedlich gelagert. „Nachzuweisen, dass man 30 Prozent Einbußen gegenüber dem Durchschnitt der letzten drei Jahre eingefahren hat, ist bei den heterogenen Betriebsstrukturen äußerst schwierig. Was kann ich angeben und was nicht? Das ist nur schwer zu beantworten.“

Nur wenige Kollegen haben einen Antrag gestellt

Kritik, dass es sich angesichts des bürokratischen Aufwands nicht lohne, einen Förderantrag zu stellen, lässt Bernhard Rüb von der Landwirtschaftskammer NRW allerdings nicht gelten: „Durchschnittlich wurden 24.330 Euro beantragt. Wenn man sieht, dass der durchschnittliche Gewinn eines Haupterwerbsbetriebes bei 40.000 Euro liegt, sind 24.330 Euro schon eine Menge.“

„Ich halte diese Dürrebeihilfen für wenig zielführend“, sagt allerdings auch Friedrich Steinmann, der Vorsitzende des Landwirtschaftlichen Kreisverbandes Recklinghausen. „Wetterbedingte Einnahmeausfälle gehören zum Betriebsrisiko eines jeden Landwirts. Natürlich will ich keinem Kollegen absprechen, einen Antrag zu stellen und Mittel zu erhalten, wenn er das für möglich hält. Aber er muss erheblichen Aufwand betreiben und viel Arbeit investieren, um einen Antrag zu stellen, bei dem nicht sicher ist, ob er genehmigt wird. Deshalb haben das nur sehr wenige Kollegen getan. Die Dürrebeihilfe spielt für die Landwirte im Kreis eine absolut untergeordnete Rolle“, sagt Steinmann.

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