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Spargel, Erdbeeren, Himbeeren, Brombeeren, Zwetschgen und Äpfel sind das Geschäft von Landwirt Jörg Umberg.

Landwirtschaftsserie

Einkaufen mit Wohlfühlfaktor

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Kreis RE - Der Betrieb von Landwirt Jörg Umberg ist einer der größten Direktvermarkter im Vest. Mit Ackerbau und Viehzucht hat der Hof Umberg schon lange nichts mehr am Hut.

Wenn Schüler in der Pause herzhaft in einen Apfel beißen, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass dieser vom Bauernhof Umberg aus Bottrop-Kirchhellen stammt. „Wir versorgen im Kreis Recklinghausen rund 8000 Schüler mit Schulobst“, sagt Landwirt Jörg Umberg (47). Sein Betrieb ist einer der größten Direktvermarkter im Vest. Spargel, Erdbeeren, Himbeeren, Brombeeren, Zwetschgen und Äpfel sind sein Geschäft. Mit Ackerbau und Viehzucht hat der Hof Umberg schon lange nichts mehr am Hut.

Der Betrieb in Kirchhellen ist deshalb ein schöner Beleg dafür, wie sich Landwirtschaft im Laufe der Zeit gewandelt hat. Aus Anlass des 150-jährigen Bestehens des Landwirtschaftlichen Kreisverbandes Recklinghausen zeichnen wir diese Entwicklung im Rahmen einer Serie an beispielhaften Bauernhöfen nach.

Der Hof Umberg ist im Jahr 1163 erstmals urkundlich erwähnt worden und seitdem immer in Familienbesitz geblieben. Johann-Alexander Umberg (1833 - 1888) gehörte 1868 zu den Gründern des „Kreisbauernvereins Recklinghausen“, aus dem später der Landwirtschaftliche Kreisverband hervorgegangen ist. „Damals waren wir ein klassischer Gemischtbetrieb mit Weidewirtschaft und Ackerbau“, berichtet Jörg Umberg, der den elterlichen Betrieb nach Ausbildung und Studium im Jahr 2000 übernommen hat und diesen heute gemeinsam mit seiner Ehefrau Susanne (46) führt.

Die Zucht von Kaltpferden im letzten Jahrhundert kann man als erste Spezialisierung auf dem Hof Umberg betrachten. Doch 1964 war das letzte Pferd verkauft, auch Schweine und Kühe waren längst abgeschafft. Die nächste Generation – das war Jörg Umbergs Vater Hans-Georg – hatte andere Geschäftsideen und bereitete den Einstieg in die Direktvermarktung vor, die 1991 mit der Eröffnung eines Hofladens einen Höhepunkt erlebte.

Auf dem Hofgelände am Overhagener Feld herrscht ein Kommen und Gehen der Kunden. Angeboten werden eigene Produkte – je nach Jahreszeit vom Spargel über Erdbeeren und Himbeeren bis zu Zwetschgen und Äpfel – sowie Käse und Wurstspezialitäten, die von anderen Landwirten bezogen werden. „Unsere Kunden legen Wert auf Frische und wollen wissen, wo die Lebensmittel herkommen“, erzählt Jörg Umberg. „Und viele schätzen einfach auch das Erlebnis des Selbstpflückens.“

Vieles gedeiht in Folientunneln

Einkaufen mit Wohlfühlfaktor – das ist ein bisschen auch die Marketing-Idee der vestischen Direktvermarkter. Doch was Verbraucher nicht sehen, ist der perfekt organisierte Wirtschaftsbetrieb, der das erst ermöglicht. Auf dem Hof Umberg haben 30 Männer und Frauen einen festen Arbeitsplatz, teilweise als Aushilfen. Hinzu kommen, über das Jahr verteilt, rund 400 Saisonarbeitskräfte aus Osteuropa, die überwiegend auf dem Hof untergebracht werden.

Auf 80 Hektar Fläche bauen die Umbergs heute Spargel, Erdbeeren und Obst an. Ein erheblicher Teil davon gedeiht in begehbaren Foliengewächshäusern und -tunneln. „Das sind schon erhebliche Investitionen, hat aber den Vorteil, dass wir von Mai bis Oktober etwas anbieten und auch empfindlichere Sorten anbauen können“, sagt der 47-jährige Landwirt. Die Produkte werden jedoch nicht nur im Hofladen verkauft, sondern auch an Gastronomen, Lebensmittelhändler und Supermarktketten abgegeben.

Im nächsten Teil am 22. November lesen Sie, wie sich ein ehemals landwirtschaftlicher Betrieb auf die Produktion von Rollrasen spezialisiert hat.

Zwischen dem bäuerlichen Tun früherer Generationen und dem heutigen Geschehen auf dem Hof Umberg liegen Welten. Doch vom Wetter ist der moderne Direktvermarkter genauso abhängig wie seine Vorfahren. Im letzten Jahr ist auf den Feldern die Hälfte der Erdbeerernte erfroren, in diesem Jahr setzte die Trockenheit den Umbergs zu. Doch klagen ist nicht die Sache des Kirchhellener Landwirts. „Es gibt in der Landwirtschaft halt gute und schlechte Jahre“, stellt er nüchtern fest.

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