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„Die Entscheidung, auf Rasen zu setzen, war für uns definitiv richtig“: Clemens Bertlich (r.) mit seiner Frau Barbara und seinem Sohn Arndt.

Landwirtschaftsserie

Familie Bertlich hat sich auf Rollrasen spezialisiert

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Herten - Clemens Bertlich holt ein historisches Bild hervor. Es zeigt seinen Hof im Jahre 1879. „Es steht auch für diese landwirtschaftliche Romantik, die alle so gerne sehen“, findet der 61-Jährige. Aber von diesen idyllisch gelegenen Höfen mit 20 Kühen, zehn Schweinen, 30 Hühnern und ein bisschen Ackerbau könne heute keine Familie mehr leben. „Jeder muss sich seine Marktlücke suchen“, sagt der Landwirtschaftsmeister. So steht der Hof Bertlich mittlerweile für Rollrasen. „Das ist eine Sonderkultur“, erläutert Clemens Bertlichs Frau Barbara fröhlich: „Manche machen Spargel oder Erdbeeren – wir machen Rasen.“

Die Geschichte des Hofs kann Clemens Bertlich mehr als 500 Jahre zurückverfolgen. Und vor genau 30 Jahren trafen er und Barbara eine wegweisende Entscheidung: Sie gründeten einen Betrieb für Garten- und Landschaftsbau.

„Bei unserer Arbeit stellten wir dann fest, dass wir ständig Rasen hinzukaufen mussten“, erinnert sich Clemens Bertlich. „Und deshalb haben wir uns gedacht: Den könnten wir doch eigentlich auch selbst produzieren.“ Und genau das machen die Bertlichs jetzt seit 2001. Mittlerweile stellen sie ihren Spiel- und Sport- bzw. ihren Supra-Rasen auf einer Fläche von 27 Hektar her. Produktionsbetrieb beziehungsweise Verkauf sowie Gewerbe existieren nebeneinander, befruchten sich gegenseitig. Es sind die beiden wirtschaftlichen Haupt-Säulen – mit insgesamt 18 Mitarbeitern.

Daneben bauen die Bertlichs noch ein bisschen Mais und Getreide an – und lassen in ihrem Naturschutzgebiet eine Herde mit 27 Charolais-Rindern sowie ein paar Pensions-Pferde grasen. Ob Kartoffeln, Spargel oder Rasen – ein Landwirt ist vom Wetter abhängig. „Jedes Jahr ist anders, das haben wir gerade in diesem Sommer wieder festgestellt“, sagt Clemens Bertlich. Angesichts der Hitze und Trockenheit seien einige Flächen auch auf der Strecke geblieben, aber alles in allem habe man diese Zeit gut überstanden.

„Wir waren ja auch Tag und Nacht zum Bewässern draußen“, sagt Arndt Bertlich (26). Der Sohn der Familie „springt“ zwischen den beiden Säulen des Betriebs hin und her – und hat auch schon in England gearbeitet, um sein Wissen auszubauen. „Aber der berühmte englische Rasen ist auch nicht besser als unser“, sagt er lächelnd.

Über Qualität reden die Bertlichs gerne. Ihr Betrieb ist Gründungsmitglied des Deutschen Rollrasenverbands. Und als solcher lehne man beispielsweise Netze unter dem Rasen ab. Das habe Folgen – etwa eine spätere Ernte: „Wir müssen mit dem Schälen warten, bis das Wurzelwerk so stabil ist, dass der Rasen reißfest ist und gerollt werden kann.“ Wobei „warten“ der falsche Ausdruck ist: Der Rasen muss gedüngt und gemäht werden, bewässert und gewalzt – „und die Wildkräuter dürfen natürlich auch nicht drin bleiben“, so Clemens Bertlich. Im Sommer ist die Familie jeden Tag draußen, um zu schauen, was der Rasen gerade braucht – neben Licht, Wasser und Sauerstoff.

„Die Entscheidung, auf Rasen zu setzen, war für uns definitiv richtig“, resümiert der 61-Jährige. Aus wirtschaftlichen Gründen, aber auch, weil die Arbeit interessant sei, Spaß mache.

„Man muss halt mit der Zeit gehen“

Was seine Vorfahren wohl zu dieser Entwicklung gesagt hätten? „Mein Vater war Neuerungen gegenüber immer sehr aufgeschlossen“, sagt Clemens Bertlich. „Er war auf alles stolz, was wir gemacht haben“, stimmt Barbara zu – auch wenn es ihm sicherlich etwas weh getan habe, dass die einstige Kaltblut- und Traberzucht ausgelaufen sei.

Aber bei der Generation davor vermutet Clemens Bertlich schon, dass der eine oder andere beim Gedanken an eine Rollrasen-Zukunft den Kopf geschüttelt hätte. „Aber man muss halt mit der Zeit gehen und gucken: Was macht mir Spaß – und wovon kann ich leben?“, führt Barbara Bertlich aus.

„Im Prinzip ist es doch so“, sagt ihr Mann: „Wir verwalten unseren Hof für die, die nach uns kommen. Er muss später immer noch funktionieren. Das wird bei Arndt genau so sein.“ Auf dem Weg zur Rasenschälmaschine geht Clemens Bertlich in die Hocke. Kontrollierend lässt er die Hand durchs weiche Grün gleiten – und erspäht ein paar Blätter Laub: „Die müssen runter“, sagt er. „Laub mag der Rasen nicht.“

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