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Drei Generationen und 160 Milchkühe: Die Landwirte-Familie Bramert hat sich spezialisiert und setzt außerdem auf Energiegewinnung. Im Bild (v.l.) Andrea und Manuel Unnebrink-Bramert mit Sohn Michel, Maria und Heinrich Bramert. Und Hofhund Greta gehört natürlich auch dazu.

Landwirtschaftsserie

160 Kühe und ganz viel Strom

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Dorsten - Auf dem Hof Bramert in Dorsten-Rhade hat jede der 160 Milchkühe einen eigenen Namen. „Dass es den Tieren gut geht, liegt uns sehr am Herzen“, sagt Maria Bramert (61) und verweist auf die geräumigen Ställe, in denen sich die Tiere bewegen, aber auch weich liegen können.

Tierwohl und wirtschaftliche Notwendigkeiten sind nach ihrer Überzeugung eine Seite derselben Medaille. „Denn nur Kühe, die sich wohlfühlen und gesund sind, geben auch ausreichend Milch“, betont die Landwirtin.

Der Hof Bramert ist ein klassischer Familienbetrieb, der seine Wurzeln bereits im 14. Jahrhundert hat. 1987 hat Heinrich Bramert, staatlich geprüfter Landwirt und heute 63 Jahre alt, den Betrieb von seinem Vater übernommen. Und neben seiner Ehefrau Maria leben auch Tochter Andrea (32) und Schwiegersohn Manuel (29) auf dem Hof – die nächste Generation, die die Tradition fortführen wird.

Der landwirtschaftliche Betrieb im nördlichsten Zipfel des Kreises Recklinghausen ist ein gutes Beispiel dafür, wie sich Landwirtschaft verändert. Die Familie Bramert hat die Herausforderungen des Strukturwandels angenommen. Wo früher Kühe, Bullen, Schweine und Hühner das Bild des klassischen Bauernhofs prägten, gibt es heute eine klare Ausrichtung auf die Milchviehwirtschaft. „Die Schweinemast haben wir vor fünf Jahren aufgegeben“, berichtet Heinrich Bramert. „Mit 400 Schweinen waren wir nicht mehr wettbewerbsfähig.“

Die Botschaft ist klar: Nur in größeren Einheiten kann ein landwirtschaftlicher Betrieb heute am Markt bestehen. 1,6 Millionen Kilo Milch produziert der Hof Bramert im Jahr. Kälber werden aufgezogen, die die ausscheidenden Milchkühe im eigenen Betrieb ersetzen oder über den Zuchtverband vermarktet und weltweit exportiert werden. Bis zu 300 Tiere stehen in den Ställen. Daneben betreiben die Bramerts auf 80 Hektar Fläche Acker- und Weidewirtschaft. Die dient dem Anbau von Futtermitteln für das eigene Vieh.

Die Spezialisierung ist keine Garantie für wirtschaftliches Wohlergehen. Die immer wieder in den Keller rauschenden Milchpreise haben schon manchen Betriebsinhaber in den Ruin getrieben. „Heute gibt es in Rhade noch sieben Milcherzeuger, 1970 waren es allein bei uns im Dorf 30“, erzählt Heinrich Bramert. Das letzte schlechte Jahr für die Milchbauern war erst 2016. „Da waren wir froh, dass wir uns ein zweites Standbein geschaffen haben“, sagt der Landwirt, der sich längst auch „Energiewirt“ nennen darf.

Gülle und Mist für die Biogasanlage

Denn einen wesentlichen Teil ihres Hofeinkommens erwirtschaften die Bramerts mittlerweile durch die Gewinnung von Strom, der ins öffentliche Netz eingespeist oder im eigenen Betrieb verbraucht wird. Geeignete Stalldächer wurden seit 2006 nach und nach mit Solarpaneelen ausgestattet. Heute kann die Fotovoltaik-Anlage bei guten Bedingungen bis zu 120.000 Kilowattstunden im Jahr liefern. 2015 ist auf dem Hofgelände zudem eine kleine Biogasanlage (75 kW) in Betrieb gegangen, die nicht nur 600.000 Kilowattstunden Strom im Jahr produziert, sondern auch Wärme zum Heizen des eigenen Wohnhauses liefert. Die Biogasanlage werde ausschließlich mit Gülle, Mist und Futterresten aus dem eigenen Betrieb gefahren und nicht mit Mais oder Getreide, betont Landwirt Heinrich Bramert.

Die Menge der auf dem Hof in Rhade produzierten Energie würde ausreichen, um 180 bis 200 Vier-Personen-Haushalte ganzjährig mit Strom zu versorgen. Im Vergleich zum schwankenden Milchpreis ist die Einspeisevergütung für den Strom eine garantierte und kalkulierbare Einnahmequelle für die Familie. Doch die Milchwirtschaft werde immer das Kerngeschäft des Betriebs bleiben, glaubt der 63-Jährige, der auch eine Expansion und eine Vergrößerung des Viehbestandes nicht ausschließt.

Schon in den zurückliegenden Jahren haben die Bramerts viel Geld investiert. Nicht nur in die Stromproduktion, sondern auch in Boxenlaufställe, Maschinen und eine Maschinenhalle. „Ein Betrieb muss sich immer weiterentwickeln“, lautet die Überzeugung von Heinrich Bramert.

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