Lieferdienst

Deliveroo zieht sich aus Dortmund zurück

Dortmund - Deliveroo zieht sich aus Dortmund und zehn weiteren deutschen Städten zurück. Gewerkschaften vermuten, dass dem Lieferdienst die Kuriere ausgingen.

Aus und vorbei für zehn Standorte in Deutschland: Der Lieferdienst Deliveroo beendet sein Geschäft in zehn deutschen Städten, darunter auch in Dortmund. "Deliveroo konzentriert sich auf die Städte, in denen wir schnell expandieren", heißt es in einer Pressemitteilung des Unternehmens.

Demnach will der Lieferdienst seinen Service - die Bestellung und Lieferung von Speisen und Getränken übers Internet - auf die größten Städte in Deutschland konzentrieren und dort auch ausbauen. Genannt werden in der Mitteilung Berlin, München, Köln, Hamburg und Frankfurt. "Dort arbeiten wir mit mehr Fahrern und Restaurants zusammen."

136 Fahrer an allen Standorten betroffen

Betroffen vom Rückzug sind in NRW auch Essen, Düsseldorf und Bonn, an allen zehn Standorten insgesamt 136 Kuriere. Eine von ihnen ist Hannah Bauer (Name von der Redaktion geändert). Sie hat im Dezember angefangen, für Deliveroo zu arbeiten, als Freiberuflerin. Freiberufler, die bei Deliveroo als Kuriere tätig sind, verdienen ihr Geld pro gelieferter Bestellung, macht laut Lieferdienst durchschnittlich 16 Euro in der Stunde.

"Im Winter lief noch alles gut. Da haben die Leute viel bestellt", sagt Bauer gegenüber der Redaktion. "Ab April wurde es immer weniger und das Geld dann eben auch." Zeitweise sei sie zwei Wochen am Stück ohne Auftrag gewesen. Wo sie ab Mitte September arbeiten wird, sobald Deliveroo seinen Dienst in Dortmund eingestellt hat, konnte Bauer noch nicht sagen.

Sie vermutet, dass in Dortmund nicht ausreichend Restaurants mit Deliveroo kooperieren, um den Lieferdienst dauerhaft in der Stadt halten zu können. Die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) und die Initiative "Liefern am Limit", die Kuriere verschiedener Dienste wie Deliveroo, Lieferando und Foodora unter ihrem Dach vereint, sagen hingegen, die Arbeitsbedingungen seien Grund für den Rückzug des Unternehmens.

Gewerkschaften kritisieren Arbeitsbedingungen für Kuriere

Die meisten Kuriere arbeiten wie Hannah Bauer freiberuflich für Deliveroo, müssen die Kosten von Berufsgenossenschaft, Kranken- und Unfallversicherung also selbst tragen, auch für ihre Ausrüstung - Fahrrad, Trikot, Jacken und Mobiltelefon - müssen sie selbst aufkommen. Und all das bei geringer Bezahlung.

Zwar bietet Deliveroo seinen Fahrern laut eigener Auskunft immerhin Rabatte bei Telekommunikationsunternehmen und Fahrradhändlern, um das Transportmittel im Schadensfall reparieren zu können. Karin Vladimirov, Sprecherin der NGG, bezeichnet die Arbeit für Deliveroo aber trotzdem als prekär. "Die Freiberufler müssen alles selbst stemmen und können sich so keine Existenz aufbauen."

Hoffnung auf Rückkehr

Sie vermutet, dass der Lieferdienst nicht ausreichend Kuriere gefunden hat und sich deshalb aus Dortmund und anderen Städten in Deutschland zurückzieht. Die Konkurrenz mit Lieferheld, Foodora, Lieferando sei groß. Bei Foodora sind die Mitarbeiter beispielsweise grundsätzlich festangestellt.

Seinen Mitarbeiterin habe Deliveroo finanzielle Unterstützung angeboten, heißt es in der Pressemitteilung des Unternehmens. Auch habe der Lieferdienst die Hoffnung, "in naher Zukunft in die Städte zurückzukehren."

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