Lufthansa

Mit dem Airbus A350 "Dortmund" zum Abnahmeflug auf 43.000 Fuß

Toulouse - Wenn die Lufthansa ein Flugzeug kauft, prüft sie die Millionen-Euro-Investition genau. So wird auch der neue Airbus A350, für den die Stadt Dortmund Patin steht, an seine Grenzen gebracht.

Seriennummer MSN 202 glänzt im ersten Sonnenlicht des Tages auf dem Gelände von Airbus nahe dem Flughafen Blagnac in Toulouse. Bald wird MSN 202 der Lufthansa gehören, als neunter von 25 bestellten Airbus A350-900. Das Flugzeug bekommt dann die Kennung D-AIXI und den Taufnamen "Dortmund".

Bevor die "Dortmund" offiziell in den Besitz der Lufthansa übergeht, kommen Ingenieure und Piloten in Toulouse zusammen, um das Flugzeug zu überprüfen. Zwei Tage dauert die Abnahme im Auslieferungszentrum von Airbus in Toulouse. Systeme, Triebwerke und Verarbeitung werden am Boden geprüft. Am zweiten Tag führen erfahrene Piloten das Flugzeug kontrolliert an seine technischen Grenzen.

Grünes Klebeband auf weißem Lack

Unter, neben und auf der "Dortmund" arbeiten Menschen in Warnwesten. Sie fühlen dem Flugzeug auf den noch ganz neuen weißen Lack, schauen ihm ins Fahrwerk. Dabei werden auch die Dimensionen des Flugzeuges klar: Mehr als 17 Meter ist die A350 hoch, wie ein mehrgeschossiges Haus.

Erwin Hattensperger ist einer der Inspektoren von Lufthansa Technik, die die A350 abnehmen. Sein Finger fährt über den weißen Lack der Außenhülle. Gelegentlich wischt er mit einem Tuch nach. Wenn er dann immer noch einen Makel bemerkt, greift er zum grünen Klebeband und markiert die Stelle. Einem Laien würden die millimetergroßen Fehler im Lack vermutlich nicht auffallen.

Noch an einer weiteren Stelle wird Erwin Hattensperger fündig: Die Dichtung eines Fensters steht minimal hervor. "Die ist nicht schön verbaut worden", sagt er trocken und platziert einen grünen Klebestreifen. "Kann sein, dass das Fenster noch mal neu eingebaut wird. Ist aber keine große Sache." Bei einem Preis von rund 260 Millionen Euro für die A350 - so genau weiß das niemand, ist ein Geheimnis - ist der Austausch eines Flugzeugfensters vermutlich wirklich keine große Sache.

Im Wettstreit um Qualität

Thomas Wagner, A350-Flottenmanager der Lufthansa, erklärt, warum die Inspektoren so genau prüfen: "Wenn es Fehler im Lacksystem gibt, wirkt sich das aus über die Zeit. Das merken Sie nicht heute und nicht morgen, das merken Sie in einem halben Jahr, wenn es dann Lackablösungen gibt. Diese Situation wollen wir vermeiden." Neben dem Lack werden natürlich auch das Fahrwerk, der Frachtraum und die Triebwerke bereits am Boden überprüft.

Es sei aber nicht nur wichtig, ein technisch einwandfreies Flugzeug zu übernehmen, ergänzt Wagner. Auch die Erfahrung des Kunden, manifestiert vor allem in der Ausstattung der Kabine, dürfe man nicht unterschätzen. Dahinter steht wohl auch das Selbstverständnis von Lufthansa als Premium-Airline. Der Konkurrenzdruck in der Luftfahrtbranche ist hoch und das Traditionsunternehmen Lufthansa steht in Wettbewerb mit jüngeren Fluggesellschaften wie zum Beispiel der staatlichen Emirates Airline um das bessere Flugerlebnis.

Am Ende finden sich an einigen Stellen außen und innen an der "Dortmund" grüne Klebestreifen. Thomas Wagner ist allerdings zufrieden: "Wir sind bei Seriennummer 202. Es fliegen also schon viele A350. Das merkt man auch daran, dass die Qualität von Airbus inzwischen sehr gut ist." Sechs bis sieben Tage werde es dauern, bis Airbus die Beanstandungen behoben hat. Am 3. Mai soll der Airbus A350 dann an die Lufthansa übergehen.

Ein erster 360-Grad-Rundgang durch den neuen Airbus A350 zum Durchklicken:

So funktioniert der virtuelle Rundgang: Durch Klicken auf die im Bild eingeblendeten Pfeile gelangen Sie in die verschiedenen Bereiche des Airbus. Durch einen Klick auf die Info-i-Symbole können Sie mehr Details über das Flugzeug erfahren (Smartphone-Nutzer: Halten Sie Ihr Handy quer, um den Rundgang besser zu sehen).

Auf 43.000 Fuß wird der Ernstfall erprobt

Am nächsten Tag schlägt schließlich die Stunde von Ulrich Neumann. Als technischer Pilot wird er beim Abnahmeflug der "Dortmund" den Pilotensitz einnehmen. Mehrerer solcher Flüge hat Neumann im Jahr. "Das ist schon eines der Highlights meines Jobs", sagt er.

Was er damit meint, wird klar, wenn man sich den Ablauf des Fluges anschaut: In verschiedenen Stufen geht es bis auf Flightlevel 430 hoch: Das sind 43.000 Fuß oder rund 12 Kilometer - die Grenze dessen, was für den Airbus A350 vorgesehen ist. Reisegeschwidigkeit ist dort 0,85-fache Schallgeschwindigkeit, rund 1000 km/h. Auf dem Plan für den Abnahmeflug ist dann vermerkt: "AUTO EMER DESC". Das steht für das Auslösen eines automatischen Notfall-Sinkflugs

Neumann fliegt an diesem Dienstag einige Manöver, die sich für einen normalen Reisenden, gelinde gesagt, beunruhigend anfühlen würden. Für die kleine Crew des Abnahmeflugs scheint das aber normal zu sein. Einige von ihnen waren schon bei den vorherig acht A350 der Lufthansa mit an Bord. Nach den Manövern kommentiert Ulrich Neumann das so: "Lief gut. Hat Spaß gemacht." Routine seien solche Flüge aber nie, betont Neumann. Nur wenige Piloten der Lufthansa führen überhaupt Abnahmeflüge durch.

Rund zwei Stunden dauert der Flug. Er führt von Toulouse entlang der Pyrenäen und über das Mittelmeer nach - Toulouse.

Ein alter Name für ein neues Flugzeug

D-AIXI ist nicht das erste Flugzeug der Lufthansa, dass den Taufnamen "Dortmund" trägt. Am 8. Mai 1992 wurde bereits eine andere "Dortmund" in Dienst gestellt: Eine Boeing 747-430. Am 21. Oktober 2015 wurde das Flugzeug stillgelegt. Welche Stadt für ein neues Flugzeug Patin wird, ist am Ende eine Entscheidung des Lufthansa-Vorstands. Nun wird es also eine neue "Dortmund" geben.

Heimatflughafen der A350 wird ab dem 5. Mai der Flughafen München sein. Am 11. Mai soll D-AIXI dort in Dienst gestellt werden. "Die Plätze für den ersten Flug sind schon verkauft", sagt Thomas Wagner. Mit ihren A350 fliegt Lufthansa unter anderem nach Boston, Hongkong und Singapur. In Dortmund wird die "Dortmund" aber vermutlich nie abheben. Die Start- und Landebahn ist zu schmal.

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