Machbarkeitsstudie zum HSP-Gelände

Investor braucht mehr Zeit für Kostenrechnung

Dortmund - Für Hobby-Fotografen ist das stillgelegte Werksgelände von Hoesch Spundwand und Profil (HSP) ein Paradies. Die Stadt Dortmund hat Wünsche, was mit der Fläche geschehen soll. Doch die Machbarkeitsstudie lässt länger auf sich warten als geplant.

Thomas Hermany (50) ist entzückt. Er steht vor dem "Emscherschlösschen", einer alten Werkstatthalle im Stil der Rohrmeisterei in Schwerte. Er fotografiert, was das Zeug hält. "Früher gab es wirklich noch Sinn für Industriearchitektur", sagt er.

Hermany, Elektrotechniker von Beruf, gefallen aufgelassene Industriegelände, diese ehemaligen Stätten der Arbeit. Er möchte sie bewahren, auf Fotos, privat und nur für sich. Demnächst will er über den Skywalk auf dem Hochofen von Phoenix-West gehen, sagt er.

HSP-Gelände nur auf Einladung zu besichtigen

Hermany gehört zu Gruppe von rund 30 Bürgern, die einem Angebot des städtischen "Nordwärts-Projektes" gefolgt sind und per Rundgang übers ehemalige HSP-Gelände an der Rheinischen Straße streifen. Es ist privates Gelände, das nur auf Einladung besichtigt werden kann.

An der Spitze marschiert Stefan Christochowitz: Warnweste, Jeans, Bergsteigerschuhe. Er steht in Diensten der Essener Thelen-Gruppe, Spezialist für die Entwicklung von Immobilien. Sie hat das Gelände nach dem Aus von Hoesch Spundwand und Profil (HSP) Ende 2015 vom Eigentümer Thyssen Krupp gekauft. Und Christochwitz, bis dato bei Thyssen Krupp beschäftigt, sozusagen gleich mit. Nun ist er Projektmanager und in dieser Funktion zuständig für die Entwicklung der Industriebrache.

Er kennt die Wunschvorstellung der Stadt: Wohnviertel sollen entstehen, Arbeitsplätze im Grünen, Freizeitmöglichkeiten und Industrie im Norden, Richtung Hafen. Die alten Industriebauten sollen neu belebt werden. Zumindest ein Teil von ihnen. Ende 2017 sollte zu allen diesen Plänen eine "Machbarkeitsstudie" vorliegen. Jetzt aber steht Christochowitz vor der zu einem Halbkreis formierten Besuchergruppe und erklärt, dass es deutlich später wird. "Bis Mitte 2019" könnte es dauern.

Wie hoch ist die Schadstoffbelastung im Boden? Wie steht es um den Artenschutz? Wie soll das Gelände erschlossen werden? Was ist mit der Baubustanz der alten Walzendreherei oder der Feldherrenhalle mit ihrem eingestürzten Dach? Sicher, Kultur-Veranstaltungen im "Emscherschlösschen" oder den Einbau kleiner Gewerbeeinheiten, ein Restaurant vielleicht - das kann sich auch Manager Christochowitz gut vorstellen.

"In fünf Jahren sollen die ersten Gebäude zu sehen sein"

Nur: Wie teuer werden solche Pläne? Und sind sie wirtschaftlich für den Investor? All das sei in der Machbarkeitsstudie zu beantworten, erzählt Christochowitz seinen Zuhörern. Der Zeitplan sei angesichts der zahlreichen Untersuchungen doch "zu ehrgeizig" gewesen. Naja, merkt jemand aus der Gruppe an, dann werde es wohl zehn Jahre dauern, bis gebaut wird. "Nein, solange nun auch wieder nicht", entgegnet Christochowitz, "in fünf Jahren sollen die ersten Gebäude zu sehen sein." Schließlich wolle Thelen bereits in der zweiten Hälfte des laufenden Jahres 2018 mit dem Abbruch der nicht mehr erhaltenswerten Anlagen starten.

"Also, mich begeistert das hier", sagt Peter Haase (79). Die alten Werkshallen. Das Geflecht aus Baumstamm dicken Röhren und Leitungen. Eisenbahngleise, die ins Nichts führen. Haase liebt dieses Malocher-Aroma. Er saß hier schon in den 60ern auf dem Kran, damals, als Hoesch noch produzierte. Er zeigt nach vorn. "Da standen früher mal drei Hochöfen." Könne sich doch heute niemand mehr vorstellen.

Stefan Werner ("Fototechnisch ist das ein Traum") findet, die Pläne der Stadt hören sich "ganz vernünftig an." Wohnungen und Arbeitsplätze, beides werde ja gebraucht. In der alten Walzendreherei steht die Gruppe vor einem fleckigen, geblümten Sofa. Davor liegt ein kleiner Haufen Koks. Christochowitz sagt, dass sich häufig Fremde auf dem Gelände aufhielten. Auch, um ihren Müll abzukippen. "Wir stellen eine Strafanzeige nach der nächsten."

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