Mahnmal für Zwangsarbeiter

Wann kommt die Skulptur an den Phoenix-See?

HÖRDE - Seit einem halben Jahr ist das Mahnmal für ehemalige Zwangsarbeiter am Phoenix-See politisch beschlossen. Zu sehen ist noch nichts. Die Gedenkstätte kommt - allerdings später als anvisiert.

Die Frage nach der Zukunft der Gedenkstätte kam zuletzt am Dienstag in der Bezirksvertretung Hörde wieder auf. "Es darf nicht in Vergessenheit geraten. Der Grundsatzbeschluss stammt noch aus der letzten Legislaturperiode", sagte der Linke-Bezirksvertreter Hans-Otto Wolf.

Tatsächlich gehen die ersten politischen Beratungen bis ins Jahr 2013 zurück, die ersten Gespräche über das Thema sogar noch weiter. Im September 2017 hat der Rat der Stadt Dortmund den entscheidenden Ausführungsbeschluss gefasst. "Um das Mahnmal noch im Jahre 2017 fertigstellen zu können" sei die Abstimmung in den politischen Gremien dringlich, lautete die Argumentation im vergangenen Sommer.

Skulptur am Südufer des Phoenix-Sees

Was ist aus diesen Plänen geworden? Dr. Stefan Mühlhofer, Direktor des Stadtarchivs und Koordinator des Projekts, antwortet darauf: "Es ist absolut nicht in Vergessenheit geraten, sondern es wird gerade daran gearbeitet." Auf jeden Fall "in diesem Jahr" werde die Skulptur am Südufer des Phoenix-Sees errichtet. "Papier und Stahl sind unterschiedlich", sagt er über die Gründe dafür, dass es 2017 nicht mehr geklappt hat. Ein Architekturbüro sei gerade dabei, den Entwurf der Fachhochschul-Studentin Pia Emde umzusetzen.

Ihre Idee hatte sich 2014 in einem Wettbewerb unter Architekturstudenten der FH durchgesetzt. Entstehen soll eine 4,50 Meter hohe, aus geschichteten Stahlblechen zusammengesetzte, begehbare Skulptur. Beleuchtete Boxen enthalten Texte und Bilder zur Zwangsarbeit in Dortmund. Vertiefende Informationen gibt es im Innern des Stahlblocks, der auf einer neun Quadratmeter großen Fläche installiert werden soll ."Wir möchten erinnern und informieren", sagt Stefan Mühlhofer.

Der Standort Phoenix-See ist bewusst gewählt

Als Standort ist eine Grünfläche am Südufer des Phoenix-Sees ausgewählt worden, unterhalb eines Fußwegs, der von der Hermannstraße über Schilfweg und Phoenixseestraße ans Wasser führt. Auf dieser Höhe befand sich einst ein Eingangstor zum Stahlwerk. "Wir machen es bewusst am Phoenix-See, weil es als Ort wichtig ist", sagt Stefan Mühlhofer. Denn in dem ehemaligen Stahlwerk waren in der Zeit des Zweiten Weltkriegs Tausende Zwangsarbeiter eingesetzt.

13 Millionen ausländische Zwangsarbeiter gab es im Deutschen Reich. In Dortmund waren es rund 80.000 Zwangsarbeiter. Fast ein Viertel dieser Arbeitskräfte, so die Historiker der der Mahn- und Gedenkstätte Steinwache, musste allein für den "Dortmund Hörder Hüttenverein" arbeiten, der das Werk betrieb.

Am ehemaligen Emschertor des Werks an der Hermannstraße gab es dazu ein Lager der Geheimen Staatspolizei (Gestapo). Hier wurden Zwangsarbeiter "diszipliniert". Einige der dort untergebrachten Häftlinge gehörten zu den Opfern der Gestapo-Morde im März und April 1945 im Rombergpark und in der Bittermark.

Für dieses Jahr kündigt Stefan Mühlhofer eine neue Publikation zur Zwangsarbeit in Dortmund an. "Wir sind auf dem richtigen Weg. Dieses wichtige Thema wird noch einmal eine neue Aufmerksamkeit bekommen", sagt er.

Weiterer Beitrag zur See-Geschichte

Mahnmale, die an das Schicksal von Zwangsarbeitern in der Zeit des Nationalsozialismus erinnern, gibt es in mehreren deutschen Städten, etwa in München, Nürnberg oder Wuppertal. Eine begehbare Skulptur in dieser Größe wäre allerdings deutschlandweit außergewöhnlich.

Das Mahnmal für ehemalige Zwangsarbeiter wäre ein weiterer Beitrag zur Dokumentation der Vorgeschichte des Phoenix-Sees. An die Vergangenheit erinnern bisher eine Schrift-Skulptur an der Hörder Burg, die Thomasbirne auf der Kulturinsel und seit Kurzem drei Stahlriegel (Brammen), die im Stahlwerk produziert wurden.

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