Mann niedergestochen

Tödliche Menschenjagd: Polizei sichert Prozess

Münster - Unter Polizeischutz für die Angeklagten hat in Münster am Freitag der zweite Prozess um eine tödliche Menschenjagd begonnen. Angeklagt sind fünf Mitglieder einer kurdisch-yezidischen Familie.

Die 23 bis 55 Jahre alten Männer aus Ibbenbüren waren in einem ersten Prozess bereits wegen Totschlags zu sieben bis zwölf Jahren Haft verurteilt worden. Sie hatten im August 2008 im münsterländischen Lotte einen 31-jährigen Bekannten zusammengeschlagen und niedergestochen. Sie verdächtigten das Opfer, ein Verhältnis mit der Ehefrau eines der Angeklagten zu haben. Im neuen Prozess geht es nun nur noch um die Höhe der Strafen.

Der älteste der fünf Angeklagten nutzte den Prozessauftakt zu einer fast schon überschwänglichen Entschuldigung. „Für das Opfer, das ich wie einen Sohn geliebt habe, bitte ich um Gottes Segen“, sagte der 55-Jährige vor der 3. Strafkammer des Landgerichts Münster. Er habe den Tod nicht gewollt, ihn aber auch nicht verhindern können.

Gleichzeitig setzte der Familienvater alles daran, eine weitere Eskalation der Gewalt zu verhindern. „Blutrache führt zu nichts“, sagte er, an die Familie des Opfers gewandt. Der 31-Jährige werde nicht wieder zum Leben erweckt, wenn nun einer seiner eigenen Söhne getötet werde.

Tat glich Hinrichtung

Die Angeklagten hatten das Opfer am 5. August 2008 auf einem Parkplatz in Lotte verfolgt, gestellt und aus dem Auto gezogen. Die Tat glich einer Hinrichtung. Das Opfer wurde festgehalten und mit gezielten Stichen getötet. Die Rechtsmediziner zählten später elf Einstiche. Die 18,5 Zentimeter lange Klinge war bis zum Anschlag in den Körper des 31-Jährigen gestoßen worden. Dabei wurden unter anderem das Herz und die Lunge getroffen. Das Opfer starb noch am Tatort.

Der neue Prozess war nach einer teilweise erfolgreichen Revision der Angeklagten erforderlich geworden. Nach Ansicht des Bundesgerichtshof hätten die Richter während der ersten Verhandlung auch zwei yezidische Geistliche anhören müssen, die vor der Bluttat an einem angeblichen Versöhnungsgespräch teilgenommen hatten.

Im neuen Prozess soll das nun nachgeholt werden. Im Mittelpunkt steht dabei vor allem die Frage, ob bei den Gesprächen wirklich das Thema Versöhnung oder vielleicht doch Rache im Mittelpunkt gestanden haben könnte. An der Verurteilung wegen gemeinschaftlichen Totschlags ändert sich nichts. Mit den Urteilen ist erst im Dezember zu rechnen.

Rubriklistenbild: © Foto: Jean-Marie Tronquet

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