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Farbenfrohe Motive von Patienten haben Kunsttherapeutin Brid Selting (l.) und Dr. Iris Borchmeyer in einer Mappe gesammelt.

Im Marien-Hospital

Das Leiden der Patienten lindern

MARL - Es geht nicht nur um den Tod, sondern um das Leben: Ein Besuch auf der Palliativstation.

Oft hört Brid Selting dieselbe Antwort, wenn sie zum Mitmachen einlädt: „Malen? Das konnte ich noch nie!“ Die Psycho-Onkologin bietet auf der Palliativstation im Marien-Hospital Kunst-Therapie in der Gruppe an. Mit einfachsten Techniken, Tusche und Wollfaden oder einer Scheckkarte, um die Farben zu verteilen, entstehen abstrakte Bilder – die meisten in leuchtend-bunten Farben. Gemalt wird donnerstags am großen Tisch, an dem sich die Patienten auch zum Frühstück Mittagessen oder zum Kaffee mit Angehörigen und Freunden treffen können, sofern sie nicht bettlägerig sind. „Auf Wunsch schieben wir Patienten aber auch im Bett mit an den Tisch“, erzählt Brid Selting.

Diese Station unterscheidet sich von anderen Krankenhausabteilungen. Sie ist hell und wohnlich eingerichtet. Es gibt eine Küche – wer Appetit auf Spiegeleier mit Speck verspürt, bekommt sie. Hier wird mit oder für Patienten gebacken. Angehörige oder Freunde sind jederzeit willkommen, bei allen Aktivitäten dabei zu sein. Die Prüfung der Deutschen Gesellschaft für Palliativmedizin war Anlass, alle Arbeitsbereiche auf der Station ausführlich zu dokumentieren, erklärt Dr. Iris Borchmeyer, Oberärztin im Marien-Hospital und leitende Ärztin im Palliativbereich des Krankenhauses. Sie erlebt oft, wie positiv sich Aktivität auf ihre Patienten auswirkt, zum Beispiel in der Kunsttherapie. „Sie erfahren, dass sie trotz ihrer Krankheit noch etwas schaffen können. Viele wollen ihre Bilder später verschenken, als Andenken für ihre Angehörigen.“

Auf die Palliativstation kommen Menschen, für die es keine Heilung mehr gibt. „Aber wir können ihnen zu Besserung verhelfen“, sagt die Palliativärztin. Gegen Schmerzen, Übelkeit, Luftnot gibt es medizinische Möglichkeiten. Auch Physiotherapie kann das körperliche Befinden verbessern. Seelsorger, Psychologen, Sozialarbeiter und das Pflegeteam stehen den Menschen zur Seite.

Jeder soll von hier aus wieder nach Hause

Natürlich ist der Tod hier ein alltäglicher Begleiter. Es gibt auch Patienten, die auf der Station sterben. Aber das Ziel für jeden, der hier aufgenommen wird, lautet: Nach der stationären Behandlung geht es zurück – nach Hause oder in ein Hospiz. „Wenn jemand vor Schmerzen gekrümmt zu uns kommt und aufrecht auf zwei Beinen geht, sind wir froh“, so Iris Borchmeyer. Nicht wenige Patienten werden mehrfach überwiesen. Sie kommen, wenn es ihnen schlecht geht, und kehren wieder heim in ihre gewohnte Umgebung, wenn die schlimmsten Beschwerden gelindert sind.

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