Markus Mielek fotografiert Paare in Dunkelheit

Blind Love: Die vielleicht ehrlichste Art der Fotografie

DORTMUND - Für das Projekt "Blind Love" hat der Dortmunder Markus Mielek neun Paare in völliger Dunkelheit fotografiert. Es gab kein Licht - und keine Vorgaben. Das Ergebnis war für alle überraschend.

Wie verhalten sich Paare, wenn sie in einem komplett dunklen Raum eingeschlossen und dann auf einem kleinen Sofa fotografiert werden? Was machen sie? Wie kommen sie sich näher? Und kommen sie sich näher als sie das im Hellen tun würden?

Diese Fragen, diese Idee davon, jemanden in völliger Dunkelheit zu fotografieren, geisterten Markus Mielek lange im Kopf herum. Er wollte unbedingt eine Antwort darauf haben - und hat deshalb sein Fotoprojekt "Blind Love" gestartet.

Suche über Facebook

Über Facebook hat er im Januar nach Menschen gesucht, die sich vorstellen könnten, bei diesem Experiment mitzumachen. Einzige Voraussetzung: Die Teilnehmer sollten Liebespaare sein, Alter, Aussehen und Sexualität waren ganz egal. Neun Paare sagten zu.

Fotografiert hat Markus Mielek sie alle innerhalb von zehn Tagen Anfang Februar in seinem Fotostudio im Union Gewerbehof an der Huckarder Straße.

Niemand konnte etwas sehen

Das Set war für alle dasselbe: eine graue Wand, davor ein kleines, braunes Vintage-Sofa, auf dem die Pärchen Platz nehmen konnten. Die Kamera platzierte der 40-Jährige auf einem Stativ auf der anderen Seite des Raumes in etwas Abstand, jegliche Lichtquellen dunkelte er ab.

Wenn das Paar Platz genommen hatte, machte er das Licht aus und platzierte sich hinter der Kamera. Niemand konnte etwas sehen. Die Paare nicht, er nicht.

Keine Anweisungen

Anweisungen gab er keine. Die Pärchen konnten in den etwa zehn Minuten tun und lassen, was sie wollten. Manche Paare hätten gekuschelt, manche geknutscht, manche hätten sich hingestellt, hingehockt oder hinter dem Sofa versteckt, sagt Mielek. Manche seien hibbelig gewesen, manche ruhig und völlig in sich versunken. "Und sie haben sich natürlich auch alle ein bisschen inszeniert."

In dieser Zeit drückte er hin und wieder auf den Auslöser - er vertraute dabei auf das, was er hörte. "Da konnte ich zumindest erahnen, was passiert", sagt er. Etwa 20 bis 30 Bilder entstanden pro Paar.

"Die ehrlichste Art der Fotografie"

Damit auf den Bildern auch etwas zu sehen ist, arbeitete er mit einem Blitz als einzige Lichtquelle. Wenn er also auslöste, blitzte es kurz hell auf, dann war es wieder stockdunkel.

"Als Fotograf gebe ich sonst viel vor", sagt Markus Mielek. Wie Menschen sich bewegen oder gucken sollen, was sie am besten anziehen, wie sie am besten aussehen. "Durch die Dunkelheit habe ich mir diese Möglichkeit genommen", sagt er. "Vielleicht ist das die ehrlichste Art der Fotografie."

Überraschte Paare

Die Ergebnisse jeder Session hat auch er selbst immer erst hinterher gesehen. Gemeinsam mit den Paaren schaute er sich die Bilder an und ließ sich überraschen. "Die Ergebnisse sind sehr intensiv und intim", sagt er. "Die Paaren waren sehr überrascht, dass sie so cool auf den Fotos ausgesehen haben." Bei jedem Paar sei mindestens ein aussagekräftiges Foto dabei gewesen. Bei vielen auch mehrere.

Durch das Blitzen seien die meisten Bilder trotz des abgedunkelten Raums sehr hell gewesen. Um auch auf den Bildern das Gefühl der Dunkelheit zu vermitteln, hat er sie nachträglich alle verdunkelt. Das sei aber alles an Bildbearbeitung gewesen, sagt er.

Bilder, die rausmüssen

Das Projekt, das er "Blind Love" genannt hat, war eine freie Arbeit - also kein Auftrag. Solche Projekte setzt Mielek, der als selbstständiger Fotograf arbeitet, immer mal wieder um, wenn es seine Zeit zulässt. "Dann habe ich völlige Freiheit", sagt Mielek. "Ich habe Bilder im Kopf und die will ich rauslassen."

Aufgewachsen ist er in Recklinghausen. Sein Vater habe ihm schon als Kind eine Kamera in die Hand gedrückt - und so fand er Spaß an diesem Beruf. In Münster machte er seine Ausbildung zum Werbefotografen. Für sein Fotodesign-Studium an der FH zog er nach Dortmund - und blieb hier. Seit gut neun Jahren ist er selbstständig.

"Ich inszeniere Menschen"

Als Fotograf ist er in ganz Deutschland unterwegs, er arbeitet unter anderem für Google, Youtube, Runners Point, Signal Iduna und die Dortmunder Volksbank. Produktfotografie sei dabei nicht sein Ding, sagt er. "Ich inszeniere Menschen."

Besonders gern mag er Porträt-Serien. Für seine freien Arbeiten hat er zum Beispiel noch vor der Flüchtlingskrise Flüchtlinge porträtiert, in Russland fotografierte er Don-Kosaken. Die Recherche für das nächste Projekt hat er schon begonnen: Er möchte religiöse Gelehrte fotografieren. "Priester zum Beispiel strahlen etwas ganz Besonderes aus", sagt er. "Das würde ich gerne einfangen."

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