Marler vor Gericht

Motoren-Ladung ging unterwegs "verloren"

MARL - Die heiße Ware kam direkt aus den Ersatzteillagern. Die Diebe waren offenbar Mitarbeiter oder Lieferanten, die am Telefon nur als „die Freunde“ bezeichnet wurden.

Von April 2017 bis Juni 2018 soll eine Diebes- und Hehlerbande gezielt Kfz-Ersatzteile gestohlen und über Marl in die Türkei geliefert haben. Laut Anklage sind vor allem Opel, MAN und Mercedes betroffen.

Seit Freitag müssen sich vier mutmaßliche Mitglieder der Bande in Essen vor Gericht verantworten. Zwei kommen aus Marl, einer wohnte bis zu seiner Festnahme in Gelsenkirchen, einer kommt aus der Nähe von Hannover. Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass sie der harte Kern der Bande waren, über die die illegalen Geschäfte abgewickelt wurden.

Meist ging es um sogenannte Diesel-Injektoren, die zum Beispiel vom Bochumer Opel-Lager ins Werk nach Rüsselsheim gebracht werden sollten. Was das Unternehmen allerdings nicht wusste und offenbar auch nicht kontrolliert hat: Auf dem Weg in den Süden ging laut Anklage häufig ein Teil der Ladung „verloren“. Und zwar auf einem Parkplatz in Dortmund, wo die Teile in ein Auto der Angeklagten umgeladen worden sein sollen.

Kokain versteckt

Später wurden nach Erkenntnissen der Ermittler auch Lenkräder, fabrikneue Automatikgetriebe sowie ganze Motoren geklaut und illegal weiterverkauft. Außerdem sollen bei einem Transport in die Türkei auch drei Kilo Kokain unter der Ware versteckt gewesen sein. Der Angeklagte, der dafür verantwortlich sein soll, hatte laut Staatsanwaltschaft extra Kontakt zu den Fahrern aufgenommen. „Bestecht die Zöllner.“ So oder so ähnlich soll seine Anweisung kurz vor der Einreise in die Türkei gelautet haben. Die Kontrolle hatte dann aber trotzdem stattgefunden – das Kokain wurde gefunden.

Die Ermittlungen sollen vom Bundeskriminalamt geführt worden sein, die ursprünglich von einem professionellen Drogenschmuggler-Ring ausgingen. Dass es um Hehlerei ging, hatte sich erst später herausgestellt.

Die Angeklagten sind 2018 festgenommen worden. Wie es heißt, gibt es Aufzeichnungen von abgehörten Telefonaten. Außerdem sollen bei verdeckten Ermittlungen auch Filmaufnahmen gemacht worden sein. Der Schaden soll sich auf mehrere Hunderttausend Euro belaufen. Zum Prozessauftakt haben sich die Angeklagten nicht zu den Vorwürfen geäußert.

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