Messerstecherei in Dortmund-Mengede

Angeklagte bitten ihre Opfer vor Gericht um Verzeihung

Dortmund/Castrop-Rauxel - Mit den Aussagen der Opfer ist am Mittwoch am Dortmunder Landgericht der Prozess um die lebensgefährliche Messerstecherei am Bahnhof Dortmund-Mengede fortgesetzt worden. Doch es gibt Probleme mit den Aussagen.

Während weiterhin fraglich ist, wie hoch die Mitschuld der späteren Opfer an der Eskalation der Gewalt ist, haben die fünf Angeklagten - darunter ein heute 18 Jahre alter Castrop-Rauxeler - inzwischen offenbar die Zeichen der Zeit erkannt. Alle ergriffen am zweiten Verhandlungstag die Gelegenheit, bei den Verletzten um Verzeihung zu bitten. Und dabei überboten sie sich förmlich in der Art und Weise, ihre Entschuldigung vorzutragen.

Einer der jungen Männer stand sogar auf, ging um den Tisch der Angeklagten herum und baute sich schließlich vor dem Zeugen auf. Dann schüttelte er dem jungen Mann die Hand und sagte: "Es tut mir auf jeden Fall leid, was passiert ist. Ich weiß auch nicht, was da in meinem Kopf vorgegangen ist."

Opfer leiden noch heute

Schließlich ging der Mann noch auf den Umstand ein, dass der Zeuge nach der Messerattacke zwar seine Ausbildung unterbrechen musste, die Abschlussprüfung inzwischen aber erfolgreich absolviert hat. "Davor habe ich echt Respekt", sagte der Angeklagte.

Einer seiner neben ihm sitzenden Kumpel bezog in seine Entschuldigung sogar die Eltern des Zeugen ein. "Es tut mir weh, wenn ich mir vorstelle, dass Sie Ihr Kind in so einem Zustand sehen mussten", sagte der Angeklagte. Und auch er äußerte seine Freude darüber, dass es dem jungen Mann heute zumindest körperlich wieder gut geht.

Emotional haben die verletzten Jugendlichen die Tat von Ende Februar 2017 offenbar noch lange nicht verkraftet. Viele Fragen musste eines der Messer-Opfer am Mittwoch so beantworten: "Tut mir leid, das weiß ich echt nicht mehr." Er habe versucht, das Erlebte "irgendwie zu verdrängen" und sei dabei offensichtlich auch erfolgreich gewesen.

Weite Teile jenes Abends, an dem zwei Jugendgruppen in Streit gerieten und am Ende zwei junge Männer mit lebensgefährlichen Stichverletzungen am Boden lagen, sind offenbar aus dem Gedächtnis gestrichen. Für die Richter bedeutet das: Sie werden viel Geduld und Einfühlungsvermögen benötigen, um die Wahrheit herauszufinden.

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