IG Metall erhöht den Druck

Warnstreiks der Metaller in Dortmund laufen

DORTMUND - In der Metall- und Elektroindustrie laufen Tarifverhandlungen - die IG Metall ist mit dem bisherigen Angebot der Arbeitgeber aber nicht zufrieden. Am Dienstag und Mittwoch gibt es in Dortmund erste Warnstreiks, etwa bei Thyssenkrupp Rothe Erde. Dafür banden sich die Mitarbeiter ausnahmsweise sogar rot-weiße Schals um.

"Hömma", wo is' der Stand mit dem Glühwein", rief am Dienstagmorgen ein Mitarbeiter von Thyssenkrupp Rothe Erde in Richtung der IG-Metall-Vertreter vor dem Werkstor an der Tremoniastraße. Die Gewerkschaft hatte zu einer ersten Warnstreik-Aktion während der Frühstückspause aufgerufen - einige Dutzend Mitarbeiter der Frühschicht folgten dem. Aber Glühwein gab's eben nicht, dafür Kaffee und Brötchen. Und Schals im Rot-weiß der IG Metall - die sich auch die BVB-Fans unter den Mitarbeitern ausnahmsweise umbanden, zumal es recht kalt war.

2100 Mitarbeiter in Dortmund an Warnstreiks beteiligt

Soviel zum Szenario. Zum Inhaltlichen: Seit Dienstagmorgen laufen in ganz Deutschland und auch vielerorts in NRW Warnstreiks in Betrieben der Metall- und Elektroindustrie, zu denen die IG Metall aufruft. In Dortmund gibt es am Dienstag und Mittwoch stundenweise Warnstreikaktionen etwa bei Conti, ABP, KHS und Wilo. Und eben bei Thyssenkrupp Rothe Erde. Nach Angaben der IG Metall beteiligen sich 2100 Mitarbeiter.

Hintergrund sind die laufenden Tarifverhandlungen in der Branche. Die Arbeitgeber boten den Beschäftigten zuletzt an, für die ersten drei Monate des Jahres 2018 einmalig 200 Euro zu zahlen, ab 1. April sollen sich die Löhne um zwei Prozent für ein Jahr erhöhen.

Die IG Metall fordert dagegen sechs Prozent mehr Entgelt rückwirkend vom 1. Januar an für ein Jahr. Auch die Auszubildenden sollen sechs Prozent mehr erhalten.

IG Metall fordert Recht auf Arbeitszeitverkürzung

Vor allem aber fordert die IG Metall für die Beschäftigten das Recht, bis zu zwei Jahre lang ihre Arbeitszeit von 35 auf bis zu 28 Stunden pro Woche verkürzen können.

Mitarbeiter, die das machen, um kranke Angehörige zu pflegen oder sich um ihre Kinder zu kümmern, sollen als Entgeltausgleich für die reduzierten Stunden bis zu 200 Euro pro Monat erhalten. Für Mitarbeiter im Schichtdienst, die reduzieren, fordert die IG Metall 750 Euro im Jahr.

Zwar kann schon jetzt jeder Mitarbeiter seine Arbeitszeit reduzieren, aber ohne Entgeltausgleich - und ohne Recht, anschließend wieder in Vollzeit zu arbeiten. "Wir nennen das die Teilzeitfalle", sagt Ulrike Kletezka von der IG Metall.

Das sagen die Mitarbeiter von Thyssenkrupp Rothe Erde

Viele Mitarbeiter vor dem Werkstor von Thyssenkrupp Rothe Erde haben eine klare Meinung zum bisherigen Angebot der Arbeitgeber: "Zwei Prozent ist ein bisschen wenig", sagt Uwe Kirchhoff, 54. Was er davon hält, wenn man die Arbeitszeit bis zu zwei Jahre reduzieren könnte? "Es wäre nicht schlecht, wenn man das machen könnte."

Ein Kollege, wie Kirchhoff seit über 30 Jahren im Konzern, sieht es genauso. Seine Mutter sei über 80 Jahre - es könnte einmal dazu kommen, dass er mehr Zeit brauche, um sich um sie zu kümmern.

Auch zwei 19-jährige Mitarbeiter fänden es gut, wenn man für bis zu zwei Jahre die Arbeitszeit reduzieren könnte. "Wenn man zum Beispiel die Abendschule besucht, würde einem das sehr entgegenkommen", sagt einer von ihnen.

Arbeitgeber fordern die Ausweitung der Arbeitszeit

Die Sicht der Arbeitgeber ist - wenig überraschend - eine andere. Was die Engeltforderung der Arbeitnehmer, plus sechs Prozent, angeht, warnt Ernst-Peter Brasse, Geschäftsführer des Unternehmensverbandes der Metallindustrie für Dortmund und Umgebung. In Dortmund und der Region gebe es einige Unternehmen, "denen geht es gar nicht gut". Wenn die IG Metall zu große Forderungen stelle, habe er die Sorge, "dass diese Unternehmen dem Flächentarifvertrag den Rücken kehren".

Beim Thema Arbeitszeit haben die Arbeitgeber eine Gegenforderung, sagt Brasse: "Wir brauchen eigentlich die Ausweitung der Arbeitszeit." Bislang dürfen in den Betrieben nur 18 Prozent der Belegschaft 40 Stunden pro Woche arbeiten. Diese Beschränkung müsse aufgehoben werden.

Die Forderung nach Arbeitszeitreduzierung und den gleichzeitigen Entgeltausgleich halten die Arbeitgeber für unverantwortlich. Für Brasse ist die Forderung zudem nicht durchdacht: "Wenn fünf Fachkräfte um sieben Stunden pro Woche reduzieren wollen, kann ein Unternehmen einen neuen Mitarbeiter einstellen. Und dann kommen die fünf Mitarbeiter nach zwei Jahren wieder zurück - was macht man dann mit dem Neuen?"

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Meistgelesen

Demonstranten fordern "Moralische Unterstützung für das türkische Volk"
Demonstranten fordern "Moralische Unterstützung für das türkische Volk"
Nach schwerem Autounfall: Was wir wirklich wissen, was Spekulationen sind
Nach schwerem Autounfall: Was wir wirklich wissen, was Spekulationen sind
Metro verkauft Real: Wohin die Reise für den Supermarkt in Herten geht, ist offen
Metro verkauft Real: Wohin die Reise für den Supermarkt in Herten geht, ist offen
Darum macht das Shoppingcenter Marler Stern vielen Besuchern wieder Spaß
Darum macht das Shoppingcenter Marler Stern vielen Besuchern wieder Spaß
Jugendliche bedrohen Kioskbetreiber mit Schusswaffe und Schlagring
Jugendliche bedrohen Kioskbetreiber mit Schusswaffe und Schlagring

Kommentare