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Mit Kopfhörern im Ohr lassen sich zwar prima Geschichten hören, aber nicht sehr gut Gespräche führen.

BLOG VON MAREIKE GRAEPEL

Mitten im Corona-Chaos: Das tägliche Tagebuch zum Ausnahme-Zustand - Teil 28

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Unsere Familien-Kolumnistin Mareike Graepel schreibt ein tägliches Tagebuch – mit Tipps und Anregungen für Eltern und für Home Office-Neulinge.

Die Ferien sind fast vorbei, die Wochen um Ostern haben wir mit Warten verbracht. Niemand hat Urlaub gemacht, oder sagen wir mal, höchstens Urlaub auf Balkonien, in Sankt Garten oder an der Costa del Wohnzimmer. Wie in einem Stück von Samuel Beckett haben wir mal unterbewusst und doch immer erwartungsvoll gewartet. Als würde das Ende der Ferien bedeuten können, dass unser Leben wieder in normale Bahnen zurückgeführt werden kann, nur, weil ein Datum und ein Beschluss der Kultusministerkonferenz vor Jahren das hätte bedeuten können. 

Noch mindestens zwei Wochen zu Hause

Seit gestern ist klar, Alva und Orla werden wie Millionen anderer Kinder in Deutschland mindestens noch zwei Wochen komplett zu Hause bleiben. Weil beide nicht in Abschlussjahrgängen sind, kein Schulwechsel ansteht. Was dann passiert, bleibt nach wie vor abzuwarten. Unsere Erwachsenen-(An)Spannung in Sachen Corona-Krise haben die Kinder im Übrigen abgelegt. Kinder sind ja erstaunlich anpassungsfähig – und gewöhnen sich an neues Verhalten relativ schnell. Als wir gestern – wir waren nachmittags im Wald spazieren und hatten oft keinen Empfang – immer wieder auf unsere Handys und die Nachrichtenseiten starrten, als die ersten Informationen aus der Telefonschalte von Bundeskanzlerin und Ministerpräsident*innen durchsickerten, waren die Mädels in ihrer eigenen Welt unterwegs, ohne ein Interesse an noch mehr komplizierten Details.

Im Wald taugt das Handy nur zum Geocaching

 Handys im Wald in der Hand zu haben ist sonst ja höchstens beim Geocaching (siehe Info) empfehlenswert, oder vielleicht, um Musik zu hören. Als Alva ein Baby war, bin ich manchmal mit ihr im Kinderwagen in den gleichen Waldgebieten unterwegs gewesen wie jetzt, verrückterweise. Wir haben damals in der Nähe gewohnt und ich hatte den Wald vor der Haustür. Derzeit ist genau dieser Teil des Stadtrandes am wenigsten frequentiert und deswegen ein gutes Spazierziel. Manchmal habe ich damals – wenn sie ihren Vormittagsschlaf gehalten hat – Musik über einen MP3-Player gehört. „He, da verpassen Sie aber was!“ hat einer unserer damaligen Nachbarn mir mal gesagt. „Sie hören doch die ganzen schönen Geräusche gar nicht, in der Natur. Sie verpassen die singenden Vögel und den Specht.“ Das stimmte. Ich verpasste das. Aber ich hatte auch ein bisschen eine Auszeit vom Alltag und konnte endlich das neue Album meiner Lieblingsband am Stück hören, ohne gleichzeitig Babybrei machen zu müssen oder zu wickeln. Das war auch sehr schön. 

Und plötzlich begannen die Mädels zusammen zu spielen

Seit die Kinder beim Spaziergang wach sind, kommen die Kopfhörer auch nicht mehr in die Ohren. Übrigens auch nicht bei den ja jetzt schon selbst mit ebensolchen ausgestatteten Kindern – gestern wollte Alva eigentlich lieber ihr Hörspiel weiterhören, sich in die Tiefen der griechischen Mythologie versenken als mit uns zu reden, oder den Geräuschen des Waldes zu lauschen. Manchmal sieht man ja Leute auf der Straße, die Kopfhörer tragen und sich dabei mit anderen unterhalten – wie machen die das? Ich glaube nicht, dass man multitasking-mäßig beidem gerecht werden kann – weder der Musik/dem Hörspiel noch dem Gegenüber (oder dem Nebendran). Also musste Alva die Kopfhörer im Auto lassen. Die ersten Schritte über den Feldweg bis in den Wald kickte sie noch die staubigen Kiesel vor sich her und war knatschig. Aber dann bogen wir auf einen dieser ganz weichen Waldbodenwege ab und gingen durch einen kühlen hochgewachsenen Teil des Waldes, um eine echte Lichtung herum, auf die wie magisch das abendliche Sonnenlicht fiel. Und plötzlich begannen die Mädels zusammen zu spielen, sich in eine magische Welt zu denken und völlig virenfrei zu phantasieren. Eine Freundin von Orla hat übrigens ihre nach der Kindergartenzeit vergessenen unsichtbaren Freunde neu belebt – „hoffentlich gehen die hinterher auch wieder“, meinte ihre Mutter. Aber ach, vielleicht ist das ganz gut, wenn man imaginäre Freund*innen hat in Zeiten, in denen man die echten nicht sehen kann…

Weitere Tipps für alle Familien:

  • Geocaching: Mit dem Handy auf Schatzsuche, wie cool! Geocaching versüßt langweilige Wandertouren für Kids, füllt Lücken und Wartezeiten in Städten, führt zu abenteuerlichen, geheimnisvollen oder einfach nur spannenden neuen Plätzen, die man ohne die moderne Schatzsuche niemals entdeckt hättet. Flächendeckend gibt es in Deutschland Millionen von Caches und täglich werden es mehr. Meist ist der nächste Cache nur 1,2 Kilometer entfernt.
  • Die aktuell größte Geocaching-Datenbank ist geocaching.com <http://geocaching.com> , aber auch auf opencaching.de wird man fündig. Unter https://outdoorkid.de/geocaching-mit-kindern/ <https://outdoorkid.de/geocaching-mit-kindern/> gibt es die schönsten Caches für Kinder in einer Karte sowie Tipps und Tricks für einen perfekten Schatzsuchen-Tag!

Alle Tagebuch-Einträge auf einen Blick:

Hier geht es zu den bisherigen Blogeinträgen von Mareike Graepel.

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