Modellprojekt

Schulministerin Gebauer trifft Vertreter der "Talentschulen"

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Region - Die Landesregierung will vom neuen Schuljahr an Konzepte für mehr Chancengleichheit erproben. Auch im Vest gibt es drei „Talentschulen“.

Joachim Lange klingt begeistert: „Sieben neue Lehrkräfte hat uns die Bezirksregierung gerade zugesagt – und die Kollegen brüten bereits über Ideen für die Neugestaltung von Räumlichkeiten.“ Für den stellvertretenden Schulleiter des Marler Hans-Böckler-Berufskollegs kann das „Modellprojekt Talentschule“ losgehen. „Wir stehen in den Startlöchern“, betont Lange auf Anfrage unserer Zeitung.

Am Mittwoch hat Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP) erstmals Vertreter aller ausgewählten Schulen getroffen. Bei der Auftaktveranstaltung in Bochum sagte Gebauer, die Erfahrungen an den Talentschulen sollten später auch für andere Schulen beispielgebend sein. Sie könnten dazu beitragen, dass NRW dem Ziel näherkomme, die Benachteiligung von Schülern aus benachteiligten Stadtvierteln zu überwinden und faire Aufstiegschancen zu eröffnen.

Mit den „Talentschulen“ setzt das Ministerium eine Vereinbarung aus dem Koalitionsvertrag um. Zwei Drittel der teilnehmenden Schulen stehen im Ruhrgebiet. Neben dem Hans-Böckler-Kolleg wurden aus dem Vest auch das Max-Born-Berufskolleg sowie die Otto-Burrmeister-Realschule in Recklinghausen ausgewählt. Diese Schulen konnten u. a. mit ihren Konzepten zur Sprachförderung und ihrer MINT-Ausrichtung (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften, Technik) überzeugen. Überdies werden Jugendliche mit Anlaufschwierigkeiten speziell betreut, um sie zum Schulabschluss zu führen oder in einen Betrieb zu bringen.

Gewerkschaften sehen falsche Weichenstellung

Insgesamt sollen ab diesem Sommer 35, ab folgendem Schuljahr weitere 25 Schulen von mehr Lehrpersonal und einem Budget von jährlich 150.000 Euro für Fortbildungen profitieren. Auch die Schulträger hatten sich bei ihren Bewerbungen verpflichtet, den Einrichtungen unter die Arme zu greifen. Das reiche von einem Ausbau des Digitalangebots bis hin zu baulichen Sanierungen, sagte ein Ministeriumssprecher.

Die Lehrergewerkschaft VBE äußerte sich skeptisch. „Wir brauchen keinen Schulversuch. Wir wissen, wo der Schuh drückt“, sagte der Landesvorsitzende Stefan Behlau. Vielerorts fehlten ausreichendes Personal für eine individuelle Förderung sowie eine „zeitgemäße“ Ausstattung. Die Förderung einzelner Schulen schaffe keine Chancengleichheit. Auch die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft hatte die Pläne wiederholt als falsche Weichenstellung kritisiert.

Die Schulministerin dagegen will die Investitionen in Höhe von 22 Millionen Euro pro Jahr als Modellprojekt verstanden wissen: Der sechsjährige Schulversuch wird von einer Jury rund um den Münsteraner Erziehungswissenschaftler Prof. Ewald Terhart wissenschaftlich begleitet und bewertet.

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