Moderne Technologie

Wo Augmented Reality heute schon die Welt verändert

DORTMUND - Ob Arbeitswelt, Autofahren, Medizin, Museumsbesuch oder Einkaufen - mehr zeigen, weniger erklären, lautet die Devise von Augmented Reality. Das Dortmunder Start-up "Viality" mischt bei dieser universell einsetzbaren Technologie kräftig mit. Wir zeigen, wo diese Technologie heute schon die Sicht auf die Welt verändert.

Das Prinzip von Augmented Reality, kurz AR, ist es, virtuelle Objekte in der echten Welt so erscheinen zu lassen, als wären sie Teil eben dieser. Die Umgebung wird zur Projektionsfläche, auf der virtuelle Objekte und Informationen eingeblendet werden.

Bekanntes Beispiel: Abseitslinie im Fernsehen

Bekannte Beispiele sind die Abseitslinie und die Taktikerklärungen bei Fußballübertragungen im Fernsehen. Dabei werden digitale Linien und Kreise auf das Bild projiziert.

Dieses Video zeigt, wie Augmented Reality zukünftig im Alltag aussehen könnte. Auch wenn der hier gezeigte Umfang für viele wohl zu weit geht, veranschaulicht es die Möglichkeiten der Technologie.

Displays mit hoher Rechenleistung machen es möglich, dass die Benutzer nicht nur in die virtuelle Welt eintauchen können, sondern mit ihr verschmelzen. Das funktioniert mit Smartphones, Tablets und Datenbrillen.

Wie in die echte Welt gemalt

Die Kameras in den Geräten zeichnen den Raum auf, bilden ihn auf dem Display ab und platzieren die gewünschten Gegenstände in diese Abbildung.

Auf dem Bildschirm beziehungsweise durch die Brillengläser wirken die digitalen Ergänzungen dann wie in die echte Welt projiziert.

Millionen spielten "Pokémon Go"

Augmented Reality wurde spätestens mit dem Pokémon-Hype im Sommer 2016 wieder ein Thema. Millionen Menschen auf der ganzen Welt jagten mit dem Smartphone nach virtuellen Monstern und verhalfen der erweiterten Realität zu weltweiter Bekanntheit.

Seit Pokémon Go können sich viele etwas unter der AR-Technologie vorstellen. Sie wurde in die alltägliche Umgebung der Menschen integriert, ohne dass man einen Monitor brauchte.

"Jetzt brauchen wir die guten, harten Anwendungen"

"Pokémon war eine technische Spielerei, simpel, um große Massen zu erreichen", sagt Markus Rall, Chef der Dortmunder Firma Viality. "Das wird nach und nach durchbrechen. Jetzt brauchen wir die guten, harten Anwendungen. Alles giert danach. AR ist reif, wir müssen es auf die Straße bringen und für Unternehmen nutzbar machen."

Und auf diesem Gebiet zählt Viality zu den digitalen Pionieren, ist der Platzhirsch im Ruhrgebiet, inzwischen mehrfach preisgekrönt, unter anderem beim bundesweiten Gründungswettbewerb Start2grow.

Vialitys Kerngeschäft: Industrielle Anwendungen

Industrielle AR-Anwendungen auf Smartphones, Tablets und Datenbrillen sind heute Vialitys Kerngeschäft.

Am Martin-Schmeißer-Weg 10 im Technologiepark arbeitet man unter anderem an AR-Anleitungen für wartungsintensive technische Geräte, um Produktion, Wartung, Training, Instandhaltung und Reparatur zu vereinfachen.

Schnittstelle zwischen Internet und greifbarer Welt

Wer eine AR-Brille trägt, sieht mehr und hat die Hände zum Arbeiten frei. Die neuen Sehhilfen blenden computergestützte, passgenaue Informationen in die Umgebung und damit direkt ins Sichtfeld des Betrachters ein.

Das Internet und die greifbare Welt rücken zusammen, überschneiden sich. Im Gegensatz zur Virtual Reality (VR), bei der der Nutzer mithilfe einer Datenbrille ganz in die künstliche Welt abtaucht und sich dort live bewegt, sei man mit AR nicht völlig abgeschottet, könne die wirkliche Umgebung noch wahrnehmen, so Rall. In der Arbeitswelt lassen sich mit AR Fehlerquellen minimieren und Abläufe beschleunigen.

Die Datenbrille gebe Sicherheit

Eine Datenbrille gebe Sicherheit und sei mobil. Ein Hilfswerkszeug zum Beispiel beim Verlegen von Fliesen. "Ich kann mir ein Fugenraster aufblenden und dann die Fugen und den Wasseranschluss ohne Bleistift-Markierungen einsetzen", erklärt der IT-Pionier.

Weil die Anleitung nicht mehr so kompliziert sei, ließen sich auch Produkte anders gestalten: "Augmented Reality ertüchtigt auch den Verbraucher." Am Ende könne der seine Küche selbst aufbauen - die Königsdisziplin.

Weitere Beispiele für AR im Alltag

1. Das Head-Up-Display im Auto:

Augmented Reality wird zunehmend auf die Straße gebracht mit dem sogenannten Head-Up-Display, wörtlich der Kopf-hoch-Anzeige, in der Windschutzscheibe. Nicht nur eine schöne Darstellung, sondern ein echter Mehrwert.

Navigationshinweise, Straßennamen oder Hausnummern können direkt über die Realität überlagert werden. Der Fahrer kann so die Informationen viel leichter erfassen. Häufig ist die Technologie schon in der Rückfahrkamera im Einsatz.

2. Bei der Fahrstuhlwartung

Augmented Reality in der Aufzugs-Wartung: Thyssen-Krupp setzt bei seiner Fahrstuhl-Wartung auf die Hololens-Technologie von Microsoft. Die Servicetechniker sind mit dieser Datenbrille in der Lage, die Kenndaten eines Aufzugs bereits vor einem Einsatz zu visualisieren.

Vor Ort ermöglicht die Hololens jederzeit Zugang zu allen technischen Informationen des Aufzugs und Expertenunterstützung per Bildübertragung. Dabei hat der Techniker beide Hände frei. Bereits bei ersten Feldversuchen hat sich herausgestellt, dass die Arbeiten so bis zu vier Mal schneller erledigt werden als früher.

3. Im Operationssaal

Setzt der Chirurg das Skalpell an, um etwa einen komplizierten Knochenbruch zu operieren, gibt es bisher für ihn nur den Blick von außen. Die Röntgenbilder hängen an der Wand. Mit Augmented Reality überlagert der Computer Röntgen- oder Computertomograf-Aufnahme und Livebild wie zwei Folien, die man millimetergenau übereinanderlegt.

Informatiker der TU München entwickeln zusammen mit Chirurgen der Chirurgischen Uniklinik ein solches computergestütztes Visualisierung- und Navigationssystem, das präziseres Arbeiten bei minimal-invasiven Eingriffen ermöglichen soll. Der Kliniktest steht bevor.

4. Pokémon Go: AR-Monsterjagd

Das Smartphone-Spiel "Pokémon Go" hat im Jahr 2016 der erweiterten Realität zu weltweiter Bekanntheit verholfen. Seitdem können sich viele etwas unter "Augmented Reality" vorstellen. Die Technologie wurde in die alltägliche Umgebung der Menschen integriert. Die Spieler bewegen sich dabei in der echten Welt, zum Beispiel in einem Park. Schauen sie dabei auf ihr Mobiltelefon, sehen sie nicht nur ihre echte Umgebung.

Ab und zu erscheinen auf dem Smartphone-Display auch kleine digitale Monster, die den Eindruck erwecken, sie seien tatsächlich wie auf diesem Foto im Park. Für die Spieler gilt es, diese Monster per GPS-Ortung einzufangen. In Dortmund war vor allem der Phoenix-See beliebter Treffpunkt für die Monsterjagd.

5. Als Reiseführer

Auf Reisen hilft Augmented Reality mit einer entsprechenden App bei der Suche nach Sehenswürdigkeiten, zeigt Entfernungen und Richtungen dorthin an. Die Technik hilft aber auch bei der Suche nach Geschäften, Restaurants, Geldautomaten und U-Bahn-Stationen sowie bei der Orientierung in unübersichtlichen Gebäuden wie Flughäfen oder Messehallen.

In Berlin zum Beispiel kann man mit Augmented Reality sehen, was dort vor dem Mauerfall passierte, und im Gebirge kann man sich Namen und Höhe aller Berge der Umgebung anzeigen lassen (peakfinder). Auch in Rom lassen sich reale Ruinen per Smartphone oder Datenbrille mit digitalen Grafiken überlagern. Das fühlt sich an, als wäre man tatsächlich im historischen Rom.

6. Für Umzugsplaner und Innenarchitekten

Auch Möbelhäuser und Online-Möbelshops nutzen die AR-Technologie. Mit der Ikea-App und der Smartphone-Kamera zum Beispiel kann der Nutzer einen Raum fotografieren und verschiedene Möbelstücke aus dem Katalog hineinprojizieren.

So zaubert man vor dem Kauf Sessel, Sofas oder Tische in die eigene Wohnung und kann feststellen, ob die Wahl seinen Vorstellungen entspricht und wie Design und Farbe im Raum wirken. Ein weiterer Schritt könnten digitale Anleitungen beim Aufbau der Möbel sein. Das würde es manchem Kunden leichter machen.

7. Digitale Umkleidekabine

Kleideranprobe überlässt man einfach seinem Spiegelbild. Das lästige An- und Ausziehen entfällt. Mit der Technologie können die Konsumenten Kleidungsstücke am eigenen Körper begutachten, bevor sie Bestellungen aufgeben.

So können sie umgehend entscheiden, ob die Produkte gefallen oder nicht, und müssen nicht mehr so oft gekaufte, unpassende Ware zurückschicken. Ob ein Pullover kratzt oder eine Hose kneift, kann die Technologie aber nicht darstellen.

8. Passt der Treppenlift ins Haus?

Der Industriekonzern Thyssen-Krupp antwortet seinen Kunden auf diese Frage künftig mit einer Datenbrille. Die Hololens von Microsoft kommt ohne angeschlossenen PC oder ein Smartphone aus, weil Hard- und Software bereits mit an Bord sind. Mit der Brille lässt sich ein Treppenlift in die reale Wohnumgebung des Kunden projizieren.

Die vorhandene Treppe wird dabei samt Hürden und Hindernissen wie Lichtschalter oder Heizungen vermessen. Der Kunde kann sich in den eigenen vier Wänden unterschiedliche Modelle vorführen lassen, auf einem Tablet das fertige Produkt anschauen. Gleichzeitig kann der Techniker mit der Brille die nötigen Dimensionen für den Treppenlift schneller ausmessen.

Fotos: DMD HUD, Thyssen-Krupp (2), Screenshot Youtube (2), Picture Alliance / dpa, Picture Alliance / Marijan Murat, Ikea.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Meistgelesen

Brexit: Entscheidung vertagt! Johnson beantragt wieder einen Aufschub
Brexit: Entscheidung vertagt! Johnson beantragt wieder einen Aufschub
Metro verkauft Real: Wohin die Reise für den Supermarkt in Herten geht, ist offen
Metro verkauft Real: Wohin die Reise für den Supermarkt in Herten geht, ist offen
Wie viele Einwohner hat Waltrop? Eine Frage, bei der sich die Statistiken widersprechen
Wie viele Einwohner hat Waltrop? Eine Frage, bei der sich die Statistiken widersprechen
Rückruf: Salami kann Kunststoffstückchen enthalten - Worauf Käufer jetzt achten sollten
Rückruf: Salami kann Kunststoffstückchen enthalten - Worauf Käufer jetzt achten sollten
130 Filialen in Deutschland: Bekannte Möbelhauskette vor dem Aus? 
130 Filialen in Deutschland: Bekannte Möbelhauskette vor dem Aus? 

Kommentare