Mordprozess

66-Jährigen erstochen: Angeklagter spricht nach Messerattacke von Notwehr

Vor knapp sechs Monaten wurde ein 66-jähriger Mann aus Dortmund erstochen. Der Täter war ein Nachbar. Seit Donnerstag steht er wegen Mordes vor Gericht. Die Hintergründe sind rätselhaft.

Es war der 4. Juni 2018, als der Angeklagte mittags gegen zwölf bei seinem Nachbarn in Bövinghausenaufgetaucht ist. Kurz darauf wurde es auch schon turbulent. Am Ende war der 66-Jährige tot, der Angeklagte auf der Flucht. Was zuvor passiert ist, ist umstritten.

Staatsanwalt Henner Kruse geht davon aus, dass der Angeklagte, der damals in der Provinzialstraße in Bövinghausen wohnte, das Auto seines Nachbarn rauben wollte. Als der 66-Jährige sich jedoch geweigert habe, ihm die Schlüssel zu geben, habe er mit einem Messer zugestochen. Zweimal. Einmal in den Schulterbereich, einmal in den Bauch. Das Opfer hatte keine Chance - trotz Not-Operation. In der Anklage ist von einem "Massenbluten" und von einem "Multiorganversagen" die Rede. Die Klinge hatte Leber, Zwerchfell und Lunge getroffen.

Blutverschmierte Kleidung

Der 40-Jährige Angeklagte war damals tatsächlich mit dem Auto seines Nachbarn weggefahren. Erst zu einer Bekannten, die ihm seine blutverschmierte Kleidung waschen sollte, dann zu einem Kollegen. Seine Flucht war allerdings nicht von langer Dauer. Die Polizei hatte ihn noch am selben Tag festnehmen können.

Zum Prozessauftakt vor dem Dortmunder Schwurgericht hat der Angeklagte den Messerangriff zwar gestanden. Seine Version lautet allerdings auf Notwehr. In einer von seiner Verteidigerin Ina Klimpke verlesenen Erklärung heißt es, dass er damals nur deshalb bei seinem Nachbarn aufgetaucht ist, um sich nach dessen Bruder zu erkundigen. Dabei sei er jedoch wie aus heiterem Himmel bedroht und angegriffen worden. Erst mit einem Gewehr - das wohl ein Deko-Gewehr war -, dann mit einem Messer.

"Dachte, dass er mich umbringen will"

"Er ging auf mich los", heißt es in seiner Erklärung. "Ich dachte, dass er mich umbringen will." Daraufhin habe es einen wilden Kampf gegeben, bei dem er auch selbst verletzt worden sei. Schließlich sei es ihm jedoch gelungen, seinem Nachbarn das Messer abzunehmen.

"Ich wollte ihn auf Abstand halten und mich wehren", ließ er die Richter wissen. "Ich war mit der Situation total überfordert." Irgendwann habe er dann zugestochen. Und danach nur noch weggewollt. Nur deshalb habe er das Auto des 66-Jährigen genommen.

Angeklagtem droht Sicherungsverwahrung

Fakt ist allerdings: Gewalt spielte im Leben des 40-jährigen Dortmunders offenbar schon häufiger eine große Rolle. Im Prozess geht es zum Beispiel auch noch um einen Angriff auf seine damalige Lebenspartnerin. Sie hatte er Anfang des Jahres mit einem Stuhlbein aus Aluminium verprügelt, als sie gerade in der Badewanne lag. Das hat er auch schon gestanden. Die Frau hatte mehrere Platzwunden am Kopf und Brüche im Gesicht erlitten.

Im Falle einer Verurteilung wegen Mordes droht dem Angeklagten nicht nur lebenslange Haft, sondern wegen seiner angeblich extremen Gefährlichkeit auch die anschließende, unbefristete Sicherungsverwahrung.

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