Nach Ärger über Graffiti-Schmierereien an B54

Kunst schmückt bald die Gabionenwand

Dortmund - Mit gleich mehreren Kunstwerken lässt die Stadt Dortmund die Gabionenwand an der B54 gestalten. Und das ist nicht die einzige Maßnahme, um künftig Graffiti-Schmierereien zu verhindern. Die Stadt fährt dazu schweres Geschütz auf.

Die ersten Konturen sind schon zu erahnen. Eine Bachforelle, die nach einem Insekt schnappt, grüßt bald die Autofahrer, die über die B54 aus der Innenstadt in Richtung Süden fahren. Sie wird eingerahmt von eher abstrakten Tier- und Pflanzenbildern.

Natur, Gewässer, Popart und Stadtleben sind generell die Leitmotive für die Gestaltung der Gabionenwände und der Brücke über die Bundesstraße in der Nähe des Rombergparks. Die Kunst am Bau soll die bisherigen illegalen Graffiti-Schriftzüge ersetzen und verhindern, dass neue unschöne Schmierereien dazu kommen.

Lange politische Diskussion im Vorfeld

Damit hofft der städtische Eigenbetrieb Stadtentwässerung, zuständig für die 2014 abgeschlossene Neugestaltung des Schondelle-Bachtals, einen Schlussstrich unter eine lange Diskussion zu ziehen. Denn die Graffiti-Schmierereien an der Einfahrt nach Dortmund brachten die Politiker fast aller Fraktionen regelrecht auf die Palme - erst recht, nachdem die Stadt im Vorfeld der Eröffnung des Fußballmuseums im Oktober 2015 die Gabionenwand aufwendig reinigen und sogar für 14 Tage bewachen ließ.

Der Erfolg war nur von kurzer Dauer. Denn nur wenige Wochen später sprossen wieder die Graffiti an der Gabionenwand - ganz im Gegenteil zu dem wilden Wein, den die Stadt als Schutz gegen Unbefugte anpflanzen ließ. Teilweise wurden die Pflanzen sogar herausgerissen, berichtete Dr. Christian Falk als Chef der Stadtentwässerung in den Ausschüssen für Bau und öffentliche Ordnung.

Im Dezember 2017 präsentierte Falk den Politikern drei Varianten für eine dauerhafte Lösung: eine Neubepflanzung mit robusteren Pflanzen, eine künstlerische Gestaltung oder den Bau einer Sichtschutzwand an der B54. Die Politik favorisierte die Pflanzenvariante.

Zwei Meter hoher Zaun mit Übersteigschutz

Jetzt fährt die Verwaltung allerdings ganz schweres Geschütz auf: Sie lässt auf beiden Seiten vor der Gabionenwand einen zwei Meter hohen Zaun mit Übersteigschutz und abschließbaren Toren bauen - eingerahmt von frisch gesetzten Brombeer-Pflanzen (botanisch: Rubus fruticosus). "Wenn sie hoch genug gewachsen sind, kann der Zaun auch wieder abgebaut werden", erklärt Christian Falk.

Alles dient als Schutz für die Gabionenwand, die erneut von Graffiti befreit wurde und nun zum Kunstwerk werden soll. Im Rahmen eines Gestaltungswettbewerbs wurde ein ganzes Künstlerkollektiv ausgewählt. Das soll die Wand nach dem Vorbild des Nordstadt-Projekts "Street-Art-Gallery Weißenburger Straße" gestalten.

"Wichtig ist uns, möglichst viele Beteiligten zu haben und unterschiedliche Stile zu zeigen", erklärt die Dortmunder Künstlerin Almut Rybarsch-Tarry, die die Gesamtleitung des Projekts hat. So gibt es denn neben Naturmotiven an der südlichen Gabionenwand auch Pop-Art- und Cartoon-Elemente. Die Brücke über die B54 sollen bald Zoo-Motive zieren. "Affen und Zebras", kündigt Almut Rybarsch-Tarry an.

Gabionenwand ist kein einfacher Untergrund

Die Arbeiten vor Ort haben am Montag begonnen. Möglichst bis Ende der Woche sollen die Werke vollendet sein. Ob es klappt, bleibt abzuwarten. Denn die aus Tausenden Steinen bestehende Gabionenwand ist kein einfacher Untergrund, stellt Almut Rybarsch-Tarry fest. "Die Oberfläche und die vielen verschiedenen Terrassen sind künstlerisch und handwerklich eine besondere Herausforderung."

Die Kosten für die Umgestaltung inklusive vorübergehendem Wachdienst kann Falk noch nicht genau beziffern. Es gehe um einen niedrigen sechsstelligen Betrag, erklärt er. Also mehr als 100.000 Euro.

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