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Kellner Ullas Rencber sieht Shisha-Bars als Treffpunkt junger Menschen.

Nach Razzien im Vest

Betreiber von Shisha-Bars fühlen sich kriminalisiert

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KREIS RE - Seit Juli gab es im Vest sieben Großrazzien in Shisha-Bars und Cafés. Die Gastronomen kritisieren die Kontrollaktionen scharf. Polizei und Innenministerium verteidigen das Vorgehen.

Es sind Szenen, die an einen Actionfilm erinnern: „Mehrere Mannschaftswagen haben mit Blaulicht vor unserem Geschäft angehalten. Vermummte Polizisten sind in unsere Bar gelaufen. Sie haben sofort alle Gäste angewiesen, ihre Handys auf den Tisch zu legen, und Personalien kontrolliert“, erinnert sich ein Shisha-Bar-Betreiber aus dem Kreis Recklinghausen, der seinen Namen lieber nicht in der Zeitung lesen möchte, an eine zurückliegende Razzia in seiner Shisha-Bar. Nur so viel möchte er sagen: In seinem Lokal seien keine groben Verstöße festgestellt worden – „und mit Clans habe ich sowieso nichts am Hut“.

Wie ihm geht es aktuell vielen Shisha-Bar-Betreibern im Vest. Seit Juli 2018 haben hier sieben Großkontrollen von Polizei, Zoll, Ordnungsamt und Steuerfahndung stattgefunden. Im Mittelpunkt steht der Vorwurf, dass kriminelle Clan-Mitglieder die Betriebe nutzen könnten, um „krumme Geschäfte“ – so sagte es NRW-Innenminister Herbert Reul – durchzuführen.

Durch die wiederkehrenden Kontrollen fühlen sich die Betreiber an den Pranger gestellt. Polizei-Pressesprecher Andreas Wilming-Weber beschwichtigt: „Wir gehen nicht davon aus, dass die Bar-Betreiber als kriminelle Clan-Mitglieder fungieren. Vielmehr gibt es landesweite Erkenntnisse, dass Personen, die aufgefallen sind, Bars als Rückzugsort nutzen.“ Zu den Ermittlungsergebnissen in diesem Bereich möchte die Polizei sich nicht äußern – es handle sich um Erkenntnisse, die nicht in der Öffentlichkeit kommuniziert werden sollen.

"Treffpunkt junger Menschen"

Bestätigt sind dagegen mehrere Verstöße gegen das Nichtraucherschutzgesetz oder die Funde von unversteuertem Tabak. Die Befunde werden von den Wirten auch nicht infrage gestellt. Was die Bar-Betreiber in Gesprächen mit dieser Redaktion vielmehr kritisieren, sind die Großaufgebote der ermittelnden Behörden. Auch Ulas Rencber, der bereits in mehreren Shisha-Bars tätig war und aktuell in einem Hertener Betrieb als Kellner arbeitet, kritisiert das Vorgehen der Behörden: „Es gab schon immer diskrete und freundliche Kontrollen durch den Zoll und das Ordnungsamt. Wenn heute aber vermummte Polizisten in die Bar kommen, haben die Gäste sofort Angst. Die denken doch im ersten Moment, dass das SEK den Laden stürmt.“

Der gelernte Schneider aus Recklinghausen, der in sozialen Netzwerken unter dem Pseudonym „Hookah_36“ Tabak-Rezensionen veröffentlicht und nach eigenen Angaben einen Namen in der Szene hat, möchte auch nicht ausschließen, dass es Clan-Kriminalität in Shisha-Bars gibt: „In Großstädten gibt es bestimmt Clan-Strukturen. Ich habe das hier persönlich aber noch nicht erlebt.“ Gerade die regionalen Shisha-Bars sieht er „als Treffpunkt junger Menschen aller Nationen. Durch wiederkehrende Großkontrollen zieht sich das Publikum aber immer mehr zurück.“

Polizei setzt Nadelstiche

Die Polizei rechtfertigt das Auftreten der Beamten: „Das Tragen einer Sturmhaube ist absolut nicht die Regel. Es hat aber Fälle gegeben, in denen Kollegen in ihrer Freizeit angesprochen wurden, weil sie bei einer Razzia gesehen worden sind. Die Sturmhaube dient dann zum Schutz der Identität“, sagt Andreas Wilming-Weber. Auch zukünftig wird es Kontrollen geben, wie der Polizei-Sprecher bestätigt: „Wir brauchen einen langen Atem und müssen auch in Zusammenarbeit mit den anderen Behörden immer wieder Nadelstiche setzen.“

Das Innenministerium rechtfertigt die Razzien ebenfalls: „Viele Shisha-Bars können nur durch Gesetzesverstöße, insbesondere durch den Verkauf von unversteuertem Wasserpfeifentabak, Gewinne erlangen. Das Ziel der Polizei in Zusammenarbeit mit Finanz-, Steuer- und Ordnungsbehörden ist es, diese illegalen Geschäfte zu stören und gesetzwidrige Einnahmequellen für kriminelle Gruppierungen stillzulegen“, teilt Leoni Möllmann, Sprecherin des Innenministeriums auf Anfrage mit.

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