Nach Recherche-Anfrage

LKA entschärft die Vermisstensuche

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DÜSSELDORF / MARL - Auf dem Internetportal des NRW-Landeskriminalamtes wurden bislang bei Vermisstensuchen zahlreiche persönliche Details mit veröffentlicht - bis wir nachgefragt haben, warum das so ist.

Jetzt ist der Korken aus der Flasche: Seit Freitag – zugegebenermaßen erst ab mittags – ringt diese Zeitung um Auskunft von der Datenschutzbeauftragten des Landes NRW, ob und auf welcher gesetzlichen Grundlage es zulässig sein könnte, dass das NRW-Landeskriminalamt (LKA) bei Vermisstensuchen auf einem neuen Internet-Fahndungsportal im Klartext Vor- und Nachnamen auch von Minderjährigen nennt. Und Mädchennamen verheirateter Frauen, Geburtsorte und Geburtsdaten mit Tag, Monat und Jahr im Klartext veröffentlicht. Nun – seit gestern gibt es eine Antwort. „Zumindest auf Anhieb ist nicht zu erkennen, warum jeweils die Nennung des vollen Geburtsdatums für die Fahndung erforderlich sein sollte“, schreiben die Datenschützer.

Weiter heißt es von der Pressestelle, dass eine adhoc-Beurteilung von Einzelfällen nicht möglich sei: „Zuvor müssten wir insbesondere den Verantwortlichen die Gelegenheit zur Stellungnahme einräumen.“ Zwar sitzt die Aufsichtsbehörde der NRW-Datenschutzbeauftragten Helga Block in Düsseldorf an der Kavalleriestraße – mit ihrer Stellungnahme kommt sie allerdings etwas spät. Das Landeskriminalamt hat nach der Konfrontation mit Recherchen dieser Zeitung bereits von sich aus begonnen, die offenkundig mit heißer Nadel gestrickte Vermisstensuche auf dem Internet-Portal der NRW-Polizei (s. Auf ein Wort) zu entschärfen – ein Vorgang, der für sich spricht.

Und so sind nun Nachnamen abgekürzt, Geburtsdaten und -orte entfernt. So wie das jede kleine Polizeidienststelle vor Ort aus gutem Grund seit ewigen Zeiten bei „analogen Suche“ in Städten und Dörfern hält.

Bisher hat diese Zeitung im Zusammenhang mit dem Persönlichkeitsschutz von Vermissten darauf verzichtet, das erst im November von NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU) als Verbrechensbekämpfung-Baustein angepriesene Portal zu nennen.

Welche Such-Freigabe lag für Minderjährige vor?

Das könnte man nun fast uneingeschränkt tun – aber eben nur fast. Denn das Landeskriminalamt liefert auch weiterhin noch fragwürdigen Lesestoff in Vermisstensuchen: Hat den potenziell hinweiswilligen Bürger tatsächlich die Angabe zu interessieren, dass die vermisste Frau K. vor ihrem Verschwinden einen „psychotischen Schub“ erlitten und den von ihrer Tochter angebotenen Transport in eine Klinik abgelehnt habe? Dazu sagt die Datenschutzbeauftragte jetzt: „Auch warum die Zusatzinformation über einen psychotischen Schub angegeben wird, bedarf einer weiteren Prüfung.“ Und: „Wir beabsichtigen daher, die Praxis der Öffentlichkeitsfahndungen gegenüber dem Landeskriminalamt Nordrhein-Westfalen aufzugreifen.“

Da bietet es sich an, gleich noch die umfangreich beschriebene Krankengeschichte in der Vermisstensuche des womöglich suizidgefährdeten Herrn K. aufzuarbeiten – der vor dem Verschwinden, so lässt die NRW-Polizei jeden mitlesen, „seinem Vater seinen Glücksbringer tags zuvor geschenkt“ habe.

Die Recherche dieser Zeitung ausgelöst hatte der Fall von zwei verschwundenen 13-jährigen Mädchen aus Marl und Dorsten, nach denen Ende der vergangenen Woche auch auf dem LKA-Portal („Top-Fahndung!“) gesucht wurde. Dass die Kinder nun nicht mehr auf der Internetseite der NRW-Polizei stehen, hat einen buchstäblich schönen Grund: Sie sind gefunden worden. Zuvor aber konnte jeder auf der LKA-Internetseite alles über sie lesen: Vor- und Zunamen, Geburtsorte und -daten und Details, die Rückschlüsse auf eine Erkrankung zuließen.

Doch lag dem LKA tatsächlich eine Freigabe der Erziehungsberechtigten dafür vor, über die anonymisierte Vor-Ort-Vermisstensuche im Lebensumfeld der Minderjährigen hinaus eine „Top-Fahndung!“ im weltweiten Netz mit allen Klar-Daten zu initiieren? Könnte eine Fragestellung für Datenschützer sein – die von der Kavalleriestraße.

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