Nach schwerem Herzinfarkt

Kichderner liefert wieder Hilfe nach Russland

KIRCHDERNE - 23 Jahre lang hat Franz Stenzel hinter dem Steuer eines 7,5-Tonners gesessen und Hilfe nach Russland geliefert. Bis ihn vor zwei Jahren ein Herzinfarkt gestoppt hat. Aber nur vorübergehend.Nächsten Monat bricht er wieder auf - um zu helfen, aber auch, um gewonnene Freunde wiederzusehen.,

1992 ist Christan Grusdt, der den Verein im gleichen Jahr mitbegründet hat, an Stenzel herangetreten. "Damals ist ein Fahrer ausgefallen und man hat mich gefragt, ob ich ihn ersetzen kann." Ohne lange zu überlegen hat er zugesagt, sich hinter das Steuer eines 7,5-Tonners gesetzt und sich auf den Weg nach Slawsk an der litauischen Grenze gemacht. Fast 1300 Kilometer. Los ging es am Freitagvormittag, Ankunft am Sonntagnachmittag. Eine Übernachtung in Polen inbegriffen. "Und sieben bis acht Stunden an der russischen Grenze", ergänzt Stenzel.

"Die ersten Begegnungen mit den Menschen vor Ort waren wirklich sehr intensiv", erinnert sich der heute 67-Jährige noch ganz genau. Schockiert hat ihn zum einem das Elend, in dem die Menschen kurze Zeit nach dem Mauerfall gelebt haben. Gerührt hat ihn dagegen die Zuneigung, die ihm und den anderen Helfern entgegengebracht worden ist.

Patenschaft übernommen

Bei einem späteren Besuch in Sowetsk entstand ein enger Kontakt zu den Mitarbeitern und Bewohnern eines Waisenhauses, zu dem heute noch enge Beziehungen bestehen. "Damals habe ich für eine Klasse die Patenschaft übernommen", berichtet Stenzel. "Da waren ein Mädchen und ein Junge, die als verhaltensgestört und faul galten." Die Bindung zu den hilfsbereiten Dortmundern hat bei den Kindern deutliche Spuren hinterlassen. "Beide haben später ihren Abschluss als Klassenbeste gemacht."

Plötzlich der Schock

Im März 2015 dann der Schock: ein schwerer Herzinfarkt, Reanimation, drei Wochen Koma. Nach mehreren Ohnmachtsanfällen im Jahr 2016 erhielt Franz Stenzel einen Herzschrittmacher. Doch aufgegeben hat er nicht. Und Anfang Oktober geht es wieder Richtung Sowetsk. "Der Arzt hat keine Einwände", erzählt er. "Und meine Frau fährt als Beobachterin mit." Da lacht Barbara Stenzel. Tatsächlich ist sie erstmals seit 1994 wieder mit von der Partie. Vor allem geht es ihr aber darum, gewonnene Freunde endlich mal wieder zu sehen und nicht nur mit ihnen zu telefonieren. Zum Beispiel mit Nina Schachko, die einst das Waisenhaus leitete - und dann für die Besucher dolmetschte.

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