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Das Auto von Silke Duis ist ein Totalschaden.

Nach schwerem Unfall

Viele haben lieber gegafft statt zu helfen

Waltrop - Die Waltroperin Silke Duis und ihre Tochter (12) waren am Montagabend in einen schweren Verkehrsunfall verwickelt. Gaffer und Menschen, die einfach vorbeifuhren, spielten eine Hauptrolle. Es sind Schilderungen, die sprachlos machen.

Beim Anblick der Bilder des Auto-Wracks ist Silke Duis einfach nur dankbar, dass sie und ihre Tochter den Beinahe-Frontalzusammenstoß mit vergleichsweise harmlosen Verletzungen überstanden haben: Eine angebrochene Rippe, ein paar Prellungen, Schleudertrauma. Wunden, die verheilen werden.

Was bei Silke Duis längst nicht so schnell zu kitten ist: Der Glaube daran, dass ihre Mitmenschen bedingungslos helfen, wenn Hilfe dringend nötig ist. Es geht um Gaffer und um unterlassene Hilfeleistung. Um diejenigen, die langsam an der Unfallstelle auf der Elsa-Brandström-Straße in Lünen vorbeigerollt sind, nur um einen besseren Blick auf die zerstörten Fahrzeuge und verletzten Menschen zu haben. „Ein Autofahrer hat es sogar fertig gebracht, das Warndreieck umzufahren, nur um näher ran zu kommen und besser sehen zu können“, erzählt die bekannte Waltroper Immobilienmaklerin. Auch am Tag nach dem Unfall steht sie noch unter Schock.

Junger Mann setzte zum Überholmanöver an

Es war das missglückte Überholmanöver eines entgegenkommenden Fahrzeuges, das Silke Duis und ihre Tochter beinahe mit dem Leben bezahlt hätten. Laut Polizei hatte ein 20-jähriger Dortmunder versucht, seinen Vordermann zu überholen und dabei aus unbekannter Ursache das entgegenkommende Fahrzeug auf der Gegenfahrbahn übersehen. In ihm saßen Silke Duis und ihre Tochter. „Ich darf gar nicht daran denken, was passiert wäre, wenn ich nicht nach rechts ausgewichen und die Böschung hoch gefahren wäre“, schildert die Waltroperin. Dass ihr fast neuer Mercedes ein Totalschaden ist, damit kann die 40-Jährige leben. Womit sie nicht leben kann, ist die Einstellung derjenigen, die in den endlos langen Minuten nach dem Unfall nichts unternahmen, um ihr, ihrer Tochter und dem mutmaßlichen Unfallverursacher, der auch verletzt war, zu helfen.

„Jedem, der da vorbei gefahren ist, muss klar gewesen sein, dass hier was wirklich Schlimmes passiert ist“, schildert Duis. Reifen waren abgerissen, das Fahrzeug qualmte, sämtliche Airbags hatten ausgelöst, Scheiben waren zerdeppert. Und trotzdem haben es viele Vorbeifahrende fertig gebracht, nicht anzuhalten, nicht zu helfen. So war es eine Stimme aus dem „Off“, die als erstes fragte: „Wie geht es Ihnen? Sind Sie verletzt? Brauchen Sie Hilfe?“ Es war der automatische Notfall-Assistent von Mercedes, der auch als erster die Rettungskräfte alarmierte.

Nicht jeder ist zum Helden geboren - das ist okay

Nach einigen Minuten gab es dann aber doch noch verantwortungsbewusste Menschen, die angehalten und den Verunglückten geholfen haben. Für diejenigen, und für die Rettungskräfte, ist Silke Duis sehr dankbar. Wenngleich es kurz darauf noch eine weitere Situation gab, die sie nicht fassen konnte. So habe sich ein Mann mit seinem Fahrzeug zwischen die Rettungswagen gequetscht, nur um bei offenem Fenster bessere Sicht zu haben. Das macht sprachlos.

„Dass nicht jeder zum Helden geboren ist, das ist doch klar und auch okay“, sagt Silke Duis. „Aber wenigstens fragen, ob man Hilfe braucht, das kann jeder.“ Weihnachten steht vor der Tür. Für Familie Duis wird dieses Fest ein ganz besonderes.

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