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Sie setzen auf Präventionsteams für mehr Sicherheit: Cay Süberkrüb, Mohammed Dahchour, Martin Schmidt, Thomas Krämer und David Borek (v.l.).

Nahverkehr

Vestische setzt Präventionsteams für mehr Sicherheit ein

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Kreis RE - Die Vestische reagiert auf die steigende Zahl von Übergriffen auf Busfahrer. Das kommt auch bei Opfern wie Stefan Broihan gut an.

Die Zahl der Übergriffe auf Busfahrer steigt. „Es waren eigentlich immer nur ein, zwei, drei pro Jahr – und 2017 dann auf einmal 15“, sagt der Geschäftsführer der Vestischen Straßenbahnen GmbH, Martin Schmidt.

Diese Entwicklung setze sich in diesem Jahr so fort. Und genau darauf reagiere das Nahverkehrsunternehmen jetzt: mit dem Einsatz von Präventionsteams. Diese Teams werden am Samstag, 1. Dezember, ihre Arbeit aufnehmen. Sie sollen einerseits die Busfahrer unterstützen – und andererseits das Sicherheitsgefühl der Kunden verbessern. „Wir haben drei Sicherheitsteams, die jeweils aus drei Leuten bestehen“, erläutert Betriebsleiter Thomas Krämer: nämlich aus zwei Sicherheitsexperten der Wittener Gülich-Gruppe und einem Fahrer der Vestischen, der mit seinen detaillierten Orts- und Linienkenntnissen ein Begleitfahrzeug steuert.

Diese Präventionsteams werden nun an den Wochenenden und vor Feiertagen ab 19 Uhr ganz normal in den Bussen mitfahren, um Präsenz zu zeigen. „Das ist gewissermaßen die Basisleistung“, so Krämer. Die Spezialleistung sei dann folgende: „Sobald ein Busfahrer ein Problem hat, kann er das Präventionsteam über die Leitstelle anfordern“ – und das sollte dann mithilfe des Begleitfahrzeugs rasch am Einsatzort sein.

„Der Alkohol spielt oft eine große Rolle“

Es geht dabei um kritische Situationen, in denen sich der Fahrer unwohl fühlt – die aber einen Anruf bei der Polizei noch nicht notwendig erscheinen lassen: „Hierzu zählen verbale Beleidigungen, Pöbeleien und Verstöße gegen die Beförderungsbedingungen“, führt Krämer aus.

Dennis Niewa (31) und Mohammed Dahchour (46) gehören zu den drei Präventionsteams, die jetzt an den Busbahnhöfen in Recklinghausen, Gelsenkirchen-Buer und Bottrop stationiert werden. Beide haben auch schon in anderen Regionen für Sicherheit im Öffentlichen Personenverkehr gesorgt. Von daher kennen sie es, dass jemand den Bus verdreckt, dort besoffen „Turnübungen“ macht oder andere Fahrgäste belästigt.

„Der Alkohol spielt oft eine große Rolle, gerade am Wochenende“, sagt Mohammed Dahchour. Seine Aufgabe sei es dann, deeskalierend zu wirken, den Störer zu beruhigen. Und wenn dieser nicht mitspiele, ihn des Busses zu verweisen. „So weit kann es gehen. Denn wir übertragen der Firma Gülich für diese Fälle das Hausrecht“, erläutert Schmidt.

Im Notfall rufen sie natürlich die Polizei

„Die Präventionsteams sind keine Strafverfolger“, sagt der Aufsichtsratsvorsitzende der Vestischen, Landrat Cay Süberkrüb. Das heißt: Im Notfall rufen sie natürlich die Polizei. Andererseits: Wenn ein Busfahrer oder Kunde angegriffen werde, dürfe ja sowieso jeder helfen. Stichwort: Jedermannsrecht.

Stefan Broihan hat genau das schon erlebt: Der Busfahrer wurde von einem betrunkenen Fahrgast verfolgt und vor dem Pausenraum der Vestischen am Recklinghäuser Bahnhof geschlagen. Der 51-Jährige ging damals mit einer blutenden Kopfwunde zu Boden (wir berichteten). Die Präventionsteams findet er jetzt „richtig gut, weil sie einem das Gefühl der Sicherheit geben“.

Das sieht auch sein Kollege Daniel Pospiech so. Den 32-Jährigen beschleicht schon manchmal ein ungutes Gefühl am Steuer. Am Wochenende, in den Abendstunden, gerade wenn größere Gruppen im Umfeld von Fußball-Bundesliga-Spielen oder Konzerten einsteigen. Da kann er dann in Zukunft das Präventionsteam hinzuziehen – noch bevor etwas passiert ist.

-Die Präventionsteams werden zunächst zwei Jahre lang in den Bussen der Vestischen und in denen der Fremdunternehmer eingesetzt. -Pro Jahr kostet das Projekt 320.000 Euro. Die Hälfte der Summe kommt vom Land NRW. -Der Erfolg des Projekts wird überprüft. Fahrgäste können der Vestischen mithilfe eines Online-Fragebogens auf der Homepage mitteilen, wie ihre Erfahrungen sind. Die wissenschaftliche Auswertung führt das Europäische Zentrum für Kriminalprävention durch.

Für Betriebsratschef David Borek ist die Einrichtung der Präventionsteams auch ein wichtiges Signal: „Das Problem der Übergriffe wird nicht kleingeredet, sondern angegangen. Das sorgt bei den Kollegen und den Fahrgästen für ein gutes Gefühl.“

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