An Narkolepsie erkrankt

Vierbeiner Nikko hilft bei Paulinas Schlafkrankheit

Dortmund - Paulina Rebbe hat eine Schlafkrankheit. Nachts schläft sie wenige Stunden am Stück, das Aufstehen fällt schwer, tagsüber ist sie müde, verbringt manchen Tag im Bett. Ihr neuer Begleiter soll das ändern.

Als Paulina Rebbe die E-Mail-Anfrage einer SAT.1-Produktionsfirma las, sei sie sowieso schon dabei gewesen, ihre Eltern wegen eines Hundes weichzuklopfen, erzählt sie. Die 18-jährige Dortmunderin ist an der Schlafkrankheit Narkolepsie erkrankt.

Ein Hund, das war die Hoffnung, könnte ihr durch den Tag helfen, sie im Alltag antreiben, ihr helfen, sich zu konzentrieren, auf sie aufpassen und sie am Morgen wecken - denn das sei immer wieder eine schwierige Aufgabe. "Aber wir wussten ja nicht, welcher Hund der richtige für sie wäre und wie man mit ihm umgehen müsste", erzählt Vater Sascha Rebbe.

Seit dem Sommer wohnt der zwei Jahre alte Mischlingshund Nikko nun bei Rebbes in Dortmund. Und er passt perfekt zu Paulina, die beiden haben eine starke Bindung. Hundeverhaltenstherapeut Masih Samin hat Nikko speziell für Paulina ausgesucht. Denn Familie Rebbe hatte sich bereit erklärt, bei der neuen SAT.1-Sendung "Projekt Superhund" mitzumachen. Paulina ist mit ihrer Narkolepsie eine von mehreren Protagonisten, für die die Tiertrainer Hunde suchen, die ihnen im Alltag helfen.

Mit elf Jahren erkrankte Paulina

Die Symptome von Paulinas Schlafkrankheit traten zum ersten Mal auf, als sie elf Jahre alt war und in die fünfte Klasse am Gymnasium ging. "Ich weiß noch genau, wie ich nach der Schule nach Hause gekommen bin und noch in Klamotten - ich glaube, ich hatte auch die Schuhe noch an - auf meiner Schlafcouch eingeschlafen bin", erzählt sie. Und zwar bis abends um 20 Uhr. Ihre Mutter habe gedacht, sie sei krank, eine Grippe oder Erkältung. Aber dem war nicht so.

Die Tagesmüdigkeit begleitete Paulina Rebbe fortan. In der Schule, auf Familienfeiern. Nachts hingegen lag sie oft wach.

Leidet auch an Schlaflähmung

Hinzu kamen plötzliche, kurze Anfälle, die Paulina und der Familie anfangs Angst machten. Inzwischen nennt die Berufsschülerin sie liebevoll Katas. Für Kataplexie. "Man fällt in eine Schlaflähmung, obwohl man nicht schläft. Man hört alles, fühlt alles und, wenn man die Augen auf hat, sieht man auch alles", erklärt Paulina.

Eine Untersuchung im Schlaflabor ergab die Diagnose Narkolepsie. Bei Patienten der Narkolepsie ist der Schlaf-Wach-Rhythmus gestört. Zwei Symptome sind klassisch für die Krankheit: eine ausgeprägte Tagesmüdigkeit und die Kataplexien, die Schlaflähmungen.

Der Tiefschlaf fehlt bei Narkolepsie

Die Tagesmüdigkeit kommt daher, dass sie selbst in der Nacht nicht tief schläft", erklärt Vater Sascha Rebbe. "Meist nicht länger als vier Stunden am Stück", sagt Paulina. Bei den Kataplexien verlieren die Betroffenen die Kontrolle über ihre Skelettmuskulatur, sie erschlafft - immer ausgelöst durch eine bestimmte Emotion. Diese kann von Patient zu Patient unterschiedlich sein: Freude, Ärger, Erschrecken oder Scham.

Bei Paulina sind es schöne Momente, die das auslösen. Wenn sie sich über etwas freue, etwas richtig witzig finde oder sich sehr wohl fühle. Selbst Hund Nikko könne das dann nicht verhindern. Das müsse er aber auch gar nicht. "Wichtig ist, dass er dann ganz ruhig ist, bei ihr bleibt und sich von nichts anderem ablenken lässt", erklärt Sascha Rebbe. Durch die richtigen Medikamente kommen die Schlaflähmungen bei Paulina nicht mehr so häufig vor wie noch am Anfang.

Nikko gibt Paulina den nötigen Antrieb

Doch die Tagesmüdigkeit ist nach wie vor da. Nikko gibt ihr nun den nötigen Antrieb, um durch den Tag zu kommen. Sobald ihr Handywecker ertönt, weckt der Hund sie, stellt sich ans Bett, berührt sie mit seinen Pfoten, bis sie wach wird. Sie raffe sich täglich auf, um mit ihm spazieren zu gehen, früher habe sie sonst auch mal 24 Stunden im Bett verbracht hat. "Im schlimmsten Fall übernehme ich jetzt wenigstens eine Runde am Tag", sagt Paulina.

Und nachts, wenn sie nicht schlafen könne, leiste Nikko ihr Gesellschaft. Nur in die Berufsschule darf sie ihn nicht mitnehmen. Jetzt ist der Tenor in Sachen Haustier ein anderer bei Familie Rebbe: Wie konnten wir bisher keinen Hund haben?!

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