Neubau mit guten Aussichten

In Kirchlinde entsteht eine Wohngemeinschaft für Senioren

Kirchlinde - Mit dem "Kirchlinder Wohnpark" entsteht an der Bockenfelder Straße in Kirchlinde ein Wohnkonzept für ältere Menschen, das es laut Initiator Jörg Wunsch bislang in Dortmund noch nicht gab: eine Wohngemeinschaft für Senioren.

Im Kirchlinder Wortschatz gibt es ein paar Begriffe, die außerhalb des Ortteils nur wenige Menschen verstehen. Wenn ein Kirchlinder vor hat, im Ort einzukaufen, dann geht er ins "Dorf". Will er die dauer-provisorische Autobahnauffahrt am Bärenbruch nutzen, fährt er auf den "Fleischerhaken". Und wenn Kirchlinder über die hässlichste Ecke ihres Vorortes reden, sprechen sie von der "Aldi-Ruine". Dieser Begriff hat die Chance, in ein paar Jahren in Vergessenheit zu geraten.

Denn der zum Schandfleck gewordene ehemalige Aldi-Markt an der Bockenfelder Straße ist nicht nur weg, an seine Stelle ist auch ein repräsentativer Neubau getreten, der den Straßenabschnitt deutlich aufwertet. Die Köpfe hinter dieser Entwicklung sind Wolfgang Erbach, Investor aus Welver im Kreis Soest, und Jörg Wunsch, Chef des Pflegedienstes "Wunsch-Pflege" sowie Pächter und Ideengeber des Gebäudes.

Wohnhaus mit besonderen Leistungen

Der Bau liegt im Plan. Ab dem 1. Juni können die ersten Mieter einziehen. Mieter nennt Jörg Wunsch die zukünftigen Bewohner des Kirchlinder Wohnparks, in Ermangelung eines anderen Begriffs. Denn der Kirchlinder Wohnpark ist kein Seniorenheim und auch kein betreutes Wohnen. Man könnte es als Senioren-Wohnhaus mit "besonderen Leistungen" bezeichnen. Unter einem Dach befinden sich 37 Wohnungen für Singles und Paare in Größen von 35 bis 59 Quadratmetern und eine Senioren-Wohngemeinschaft mit zwölf Plätzen.

Eine Musterwohnung, möbliert vom Kooperations-Partner Möbel Tegro an der Bövinghauser Grenze zu Castrop-Rauxel, ist bereits fertig und muss nur noch durchgefegt werden. Denn am Samstag (3.2.) von 11 bis 15 Uhr begrüßen Jörg Wunsch und sein Team die rund 300 geladenen Interessenten und alle, die spontan vorbeischauen wollen, zum Tag der offenen Tür. Abgesehen von der Musterwohnung ist der Bauzustand noch recht roh, doch der Zeitpunkt ist bewusst gewählt. "Wer sich entschließt, bei uns einzuziehen, muss ja die Kündigungsfrist seiner alten Wohnung berücksichtigen", sagt Jörg Wunsch.

Auf die Mieter wartet ein Konzept, dass Jörg Wunsch ein "Dorf im Dorf" nennt: "Jeder lebt in seiner eigenen Wohnung, aber alle zusammen bilden eine Gemeinschaft, eine Nachbarschaft, passen aufeinander auf." Mittelpunkt des "Dorfes" ist das großzügige Wohnzimmer und die Wohnküche der Senioren-Wohngemeinschaft im Erdgeschoss. Es gibt nur diesen Mittelpunkt, auch aus dem Grund, dass sich keine Cliquen bilden sollen. Im Erdgeschoss gibt es des Weiteren ein Mehrzweckraum, der von Gymnastik-Angeboten bis Geburtstagsfeiern vielfältig genutzt werden kann.

Senioren führen selbstbestimmtes Leben

Die Mieter können sich in ihren Wohnungen selbst versorgen, sie haben eine Küche, um ein völlig selbstbestimmtes Leben zu führen. Gleichzeitig steht ihnen für jeden Aspekt ihres Lebens Hilfe bereit. Sie können an den Mahlzeiten der Wohngemeinschaft teilnehmen oder sich beim Einkaufen helfen lassen, wenn sie selbst kochen.

Die Wohnungen bieten alle Standards des barrierefreien Wohnens wie ebenerdige Duschen, unterfahrbare Waschbecken und Notrufsysteme.

Durch die Idee der Nachbarschaft soll es auch eine sanft Form der sozialen Kontrolle geben. "Wenn ein Mieter merkt, mmh, ich habe die Else heut noch nicht gesehen, dann kann er einfach anklopfen. So eine Achtsamkeit erhoffe ich mir", sagt Wunsch.

Sicherheit ist ein großes Thema für Senioren, und die Mieter sollen sich sicher fühlen. So sieht das Sicherheitskonzept des Hauses vor, dass alle Bewohner jederzeit unangemeldeten Besuch empfangen können. Alle Dienstleistungen aber laufen über Wunschpflege. Das soll dazu führen, das kein Mieter jemals an der Tür von irgendwelchen Firmen oder Drückern belästigt wird.

Wohnen mitten im Zentrum

Die Möglichkeiten des selbstbestimmten Lebens hängen auch stark von der Lage des Wohnparks ab. Das Kirchlinder Einkaufszentrum, zukünftig der neue Lidl, die Bushaltestelle, das Krankenhaus, der Friedhof, auf dem möglicherweise Angehörige liegen, alles liegt in Sichtweite. "Ich denke da vor allem an Kirchlinder Senioren, die auf diese Weise in Kirchlinde bleiben können", sagt Jörg Wunsch.

Diese ideale Lage ist auch der Grund, warum Wunsch-Pflege nicht schon längst weitere, ähnliche Einrichtungen baut. "Wir bekommen dauernd Anfragen von Investoren. Aber so einen Wohnpark isoliert im Wald zu bauen, macht keinen Sinn, deshalb warten wir mit weiteren Projekten, bis die Umstände passen", sagt Jörg Wunsch.

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