Neue Berechnung ergibt Lücken

Hausärzte werden in Dortmund dringend gesucht

Dortmund - Dortmund soll mehr Hausärzte bekommen, allein 20 nur in diesem Jahr. Die bisherige Sonderregelung fürs Ruhrgebiet wurde aufgehoben. Nur: Schon jetzt wird es immer schwieriger, alle Hausarztsitze zu besetzen. Und für den Nachwuchsmangel gibt es gleich mehrere Gründe.

Erstmals dürfen sich in diesem Jahr mehr Hausärzte niederlassen in der Region. Aber es gibt sie schlicht nicht. Und wenn junge Ärzte ihre lange Ausbildung beendet haben, drängt es sie nicht unbedingt ins Ruhrgebiet. Somit bleibt fraglich, woher die 570 neuen Mediziner kommen sollen, die sich im Revier innerhalb der nächsten zehn Jahre niederlassen sollen.

Veraltete Berechnungen

Wegen der hohen Dichte an Krankenhäusern und der Nähe der Städte durften bislang im Ruhrgebiet weniger Hausärzte praktizieren als im bundesweiten Durchschnitt. Das soll sich jetzt ändern.

Nach den alten Berechnungen ergab sich - laut Kassenärztlicher Vereinigung - trotzdem für Dortmund eine Überversorgung mit Hausärzten von zuletzt 110,1 Prozent. Allerdings ging man in der vorliegenden Statistik der Kassenärztlichen Vereinigung bei dieser Berechnung von 586.181 Einwohnern aus - eine Zahl aus dem Jahr 2015. Inzwischen hat Dortmund über 600.000 Einwohner.

6,6 Prozent der Hausärzte sind über 70

Zur angespannten Situation trägt auch das Alter der praktizierenden Ärzte bei: Unter den 320 Hausärzten in Dortmund ist mehr als jeder Dritte über 65 Jahre alt - 35,4 Prozent. 6,6 Prozent der Hausärzte praktizieren noch mit über 70 Jahren. Das dürfen sie auch, denn es gibt für Hausärzte keine Altersbegrenzung. Nur weniger als ein Prozent der 320 Dortmunder Hausärzte ist unter 35 Jahre alt.

Von den 320 Ärzten arbeiten allerdings etliche nicht in Vollzeit. Für die Bedarfsberechnungen jedoch, so die Auskunft von Vanessa Pudlo, Sprecherin der Kassenärztlichen Vereinigung (KV), werden nur Vollzeitstellen herangezogen. Und bei den Einwohnerzahlen greife die KV immer auf die zuletzt gelieferte Zahl der Landesstatistiker von IT NRW zurück.

20 neue Praxen berechnet

KV-Sprecher Jens Flintrop sagt, wenn im Frühjahr die ersten Schritte der neuen Bedafsplanung umgesetzt würden, bekämen fast alle Mittelbereiche des westfälischen Teils des Ruhrgebiets neue Hausärzte: "Nach unseren Berechnungen werden allein 2018 bereits 59 zusätzliche Stellen entstehen, davon 20 in unserer größten Stadt Dortmund." 20 also nur für das Jahr 2018. Flintrop sagt aber auch: "Auf die zusätzlichen Kapazitäten im hausärztlichen Bereich hat aus unserer Sicht niemand gewartet. Denn wir haben schon heute 13,5 freie Hausarztsitze im westlichen Ruhrgebiet." Nicht so in Dortmund. Vor Ort sind alle Sitze besetzt. Jens Flintrop prognostiziert aber: "Im Frühjahr 2018 werden es dann wegen der kritischen Nachwuchssituation mehr als 70 freie Hausarztsitze im Ruhrgebiet sein."

Wo dringend der ärztliche Nachwuchs fehlt, kann es also auch keine Verbesserung der Versorgungssituation geben.

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