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Die Grafik zeigt den Wasserkreislauf eines untertägigen Pumpspeicherkraftwerks im offenen System. Das Wasser wird an anderer Stelle durch Pumpen der zentralen Wasserhaltung wieder ans Tageslicht gefördert.

Neue Chance für Marler Bergwerk

Untertage-Pumpspeicherkraftwerk könnte auf AV entstehen

Marl - Untertägige Pumpspeicherkraftwerke gelten als wichtige technische Option für die Umsetzung der Energiewende. Doch die Zeit wird knapp. Ganze zwei Bergwerke gibt es noch im Revier. Bislang galt Prosper-Haniel in Bottrop, das noch bis 2018 läuft, als erste Wahl. Doch nun könnte Auguste Victoria in Marl noch einmal eine Chance bekommen.

Man stelle sich vor: Gewaltige Wassermassen rauschen den Schacht hinunter bis in 1 000 Meter Tiefe und treiben Turbinen an, die Strom an Tagen liefern, an denen die Windräder stillstehen. Weht der Wind, fördern ökostrombetriebene Pumpen das Wasser wieder an die Oberfläche.

„Es geht um 40 Kubikmeter Wasser pro Sekunde, die in die Tiefe stürzen, das ist die Ruhr bei Witten“, weiß Prof. Dr. Stefan Wohnlich von der Ruhr-Universität Bochum. Der Hydrogeologe arbeitet mit an einer vom Land NRW finanzierten Machbarkeitsstudie, die im Juli der Landesregierung vorgelegt wird. Angesichts der benötigten Wassermengen macht Wohnlich sich für eine technische Lösung stark, die einen Fluss oder Kanal in der Nähe des Schachts zur Voraussetzung hat. Hier kann AV Schacht 8 mit Wesel-Datteln-Kanal und Lippe punkten.

Bislang hatte bei allen Überlegungen ein sogenanntes geschlossenes System im Vordergrund gestanden – mit klaren logistischen Standortvorteilen für Prosper-Haniel. Das heißt: Das Wasser käme zu keinem Zeitpunkt in direkten Kontakt mit Kohle und Gestein. Unter Tage müsste so ein zwölf Kilometer langer Ringtunnel als Wassersammelbecken gebohrt und in Kavernen müssten neue, gewaltige Pumpanlagen installiert werden. Das Problem: Die Investitionskosten wären bei dieser Lösung erheblich.

Finanziell günstiger und und energiewirtschaftlich effizienter könnte das von Prof. Wohnlich vorgeschlagene offene System aussehen. Hierbei wird das Wasser nicht vor Ort wieder hochgepumpt, sondern verteilt sich auf die zahlreichen unter Tage vernetzten Hohlräume auch schon geschlossener Bergwerke. Gehoben werden könnte das Wasser über die bereits bestehende, von der RAG betriebene zentrale Wasserhaltung des Ruhrgebiets. Dahinter verbirgt sich ein System von in alten Schächten installierten Pumpen, die Grubenwasser ans Tageslicht fördern und das Versinken großer Teile des Reviers in einen „Emschersee“ verhindern. So käme das eingespeiste Wasser über Lippe und Kanal wieder zurück zum AV-Schacht.

Das ganze wäre mehr als eine technische Spielerei. Ein so betriebenes Speicherkraftwerk könnte nach Berechnungen von Wissenschaftlern der Uni Duisburg-Essen 600 Megawatt leisten. Zum Vergleich: Die älteren Blöcke des E.ON-Steinkohlekraftwerks in Gelsenkirchen Scholven bringen es auf maximal 345 MW.

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