Neue Notschlafstelle

Angebot für Obdachlose in Dortmund: In 24 Stunden in die eigene Wohnung

Die Stadt Dortmund eröffnet eine neue Notschlafstelle für obdachlose Männer. Wer runter von der Straße und Hilfe annehmen will, soll innerhalb von 24 Stunden eine Wohnung erhalten.

Die alte Übernachtungsstelle für obdachlose Männer an der Unionstraße in der Innenstadt war heruntergekommen. Seit Mitte Januar 2019 ist der Neubau in Betrieb. Auf drei Etagen können in den Vierbett-, Zweibett- und Einzelzimmern insgesamt 70 Obdachlose übernachten und in der neuen Unterkunft kochen, Wäsche waschen und duschen. Alle Zimmer sind mit einer Klimaanlage ausgestattet.

Arzt in der Notschlafstelle

Einmal pro Woche bietet ein Arzt den Bewohnern medizinische Hilfe an. Spätestens nach 14 Tagen müssen die Bewohner die Unterkunft verlassen. Im Idealfall nehmen sie Hilfe an. Die ebenfalls in die Unterkunft eingezogene "Clearingstelle" soll individuelle Probleme erkennen, Hilfe anbieten und schnellstmöglich eine Wohnung organisieren. Das "Wohnraumvorhalteprogramm" der Stadt Dortmund verfügt aktuell über 711 Wohnungen. Täglich sind Sozialarbeiter vor Ort.

Welchen Zweck die Männerübernachtungsstelle erfüllt und wie individuelle Hilfe aussehen soll, erläutert Sozialamtsleiter Jörg Süshardt in diesem Video:

"Obdachlose müssen bereit sein, sich mit uns zusammenzusetzen und Hilfe anzunehmen. Es gibt Obdachlose, die verweigern jegliche Zusammenarbeit mit Behörden. Wir brauchen aber ihre Unterschrift unter den Anträgen", sagt Sozialamtsleiter Jörg Süshardt. Zwei Tage vor der Eröffnung sagte Dortmunds Sozialdezernentin Birgit Zoerner, dass die Stadt vorrangig das Ziel verfolge, die Betroffenen aus der Obdachlosigkeit herauszuführen. Es gehe um "andere Wohnformate". Das können Wohngemeinschaften oder die eigenen vier Wände sein. In allen Fällen übernimmt die Stadt Dortmund die Kosten - vorausgesetzt, dass ein Antrag unterschrieben wird.

Rund um die Uhr ein Betreuer

Birgit Zoerner dankte der politisch zuständigen Bezirksvertretung Innenstadt-West für die konstruktive Zusammenarbeit. Die Organisation "European Homecare" betreibt die Unterkunft im Auftrag der Stadt Dortmund. Sozialarbeiter, Verwaltungskräfte und andere Spezialisten der Stadt Dortmund arbeiten ebenfalls in der Notschlafstelle. Obdachlose finden dort rund um die Uhr einen Betreuer. Das Gelände ist eingezäunt. Der Zugang führt durch ein bewachtes Tor.

Hunde müssen draußen bleiben

Eine Hausordnung schreibt Regeln vor. Demnach sind auch Hunde verboten. Jörg Süshardt sagte dazu, dass Obdachlose mit Hund absolut selten vorbeikämen. Falls doch, werde auch für sie sofort daran gearbeitet, eine Wohnung zu finden.

Der Sozialarbeiter Mahmut Albayrak leitet die Notschlafstelle seit 2016. "Im Vergleich zur vorherigen Unterkunft haben wir uns enorm verbessert. Wir alle arbeiten daran, den Obdachlosen mit individueller Hilfe eine bessere Perspektive verschaffen zu können. Ich glaube, das geht hier in die richtige Richtung." Ulrich Langhorst, seit zehn Jahren für die Grünen im Rat der Stadt Dortmund, setzt darauf, dass kein Obdachloser abgewiesen wird. Auch dann nicht, wenn die 14-Tages-Frist abgelaufen ist. Die Idee der Clearing-Stelle sei gut. Seine Prognose: "Das wird nicht bei allen Obdachlosen so funktionieren."

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