Neue Straßen auf der Westfalenhütte

Drei Straßennamen werden noch gesucht

Nordstadt - Auf der Westfalenhütte entstehen Straßen, die noch namenlos sind. Eigentlich sollte das schon anders sein. Doch dann machte die deutsche Geschichte einen Strich durch die Rechnung.

Ja, geredet wird schon viel während so einer Sitzung in der Bezirksvertretung (BV). In seltenen Fällen ist das scheinbar unnötig, in den meisten Fällen reden die Politiker aber aus gutem Grund. Zum Beispiel wenn es um Geld geht, das in Straßen und Schulen fließen soll oder in die Förderung von Vereinen. Oder wenn es um die Namen von Straßen geht - so wie in der Sitzung der BV Innenstadt-Nord am Mittwoch.

Gebündelte Vorschläge wurden abgelehnt

Auf der vierseitigen Liste der Tagesordnungspunkte tauchte unter Punkt 13.1 das Thema "Benennung von drei neuen Straßen in Dortmund-Innenstadt-Nord" auf. Diese drei Straßen entstehen auf dem Gelände der früheren Sinteranlage der Westfalenhütte. Am nordöstlichen Rand des Geländes, gegenüber der Kreuzung Rüschebrinkstraße/Friedrich-Hölscher-Straße, soll eine der Straßen entstehen. Von da aus geht eine weitere Straße südlich runter parallel zur Rüschebrinkstraße. Von deren südlichem Ende aus erstreckt sich die dritte Straße in Richtung Nordwesten.

Und für diese drei Straßen hatte sich die Stadt Dortmund drei Namen überlegt, über dir am Mittwoch abgestimmt wurde: Kaiserstuhlallee, Baronstraße und Kronenstraße. Die Bezirksvertreter entschieden sich gegen den gebündelten Vorschlag aus der Verwaltung. Nur warum?

Die Kronenstraße und die Kronestraße

Die Kronenstraße sollte sich auf die Dortmunder Einzelhändler beziehen, die sich 1913 unter dem Namen "Krone" zusammengeschlossen haben, bevor sie 1935 der Rewe-Gruppe beitraten. Das habe nach Auffassung der BV-Mitglieder aber nur bedingt etwas mit der Geschichte der Westfalenhütte zu tun, die sich um Stahl drehte. Außerdem gibt es zwischen Landgrafenstraße und Märkische Straße schon eine Kronenstraße. Die Verwechslungsgefahr wäre zu groß.

Gegen die mögliche Kaiserstuhlallee hatte kein Bezirksvertreter etwas einzuwenden. Der Bezug zur Zeche Kaiserstuhl und ihren verschiedenen Standorten - unter anderem wurde die Kokerei auf der Westfalenhütte 2000 geschlossen - würden passen. Aber weil über diesen Vorschlag quasi im Paket mit den anderen beiden Vorschlägen abgestimmt wurde, gab es keine Mehrheit. Und das liegt an dem Vorschlag namens Baronstraße.

Ein Nein wegen des Septembers 1932

Hiermit sollte eigentlich Bezug genommen werden auf die Bezeichnung für Unternehmensführungen im Kohle- und Stahlgewerbe. Ruhrbarone, Kohlebarone oder Stahlbarone hat es damals gegeben. Zu ihnen gehörten unter anderem Albert Vögler und Fritz Springorum, wie Ubbo de Boer am Mittwoch berichtete.

De Boer ist ehrenamtlicher Obmann für die Nordstadt und sagte, dass Vögler und Springorum zu einer Gruppe Großindustrieller gehört haben, die 1932 eine Rede von Adolf Hitler in Düsseldorf organisiert haben. Anschließend finanzierten einige Barone des Ruhrgebiets Hitlers Wahlkampf und traten in die NSDAP ein. "Eine Benennung in Baronstraße wäre ein Schlag ins Gesicht, nicht nur für die ehemaligen Arbeiter auf der Westfalenhütte", sagte Baron.

Nicht alle BV-Mitglieder wussten um diesen historischen Hintergrund, vereinzelt gab es Bedenken von der SPD. Spätestens nach de Boers Ausführungen war die Mehrheit gegen die Vorschläge der Stadt. Der Antrag wurde abgelehnt. Nun soll die Stadt neue Vorschläge präsentieren. Und so lange bleiben die Straßen ohne Namen.

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