Neue Straßen auf der Westfalenhütte

Das sind Ihre Vorschläge für die namenlosen Straßen

Dortmund - Drei geplante Straßen auf dem Westfalenhütten-Gelände sind noch namenlos. Unsere Leser haben auf unseren Aufruf reagiert, sich Gedanken gemacht und uns ihre Vorschläge zugeschickt. Und die sind nicht so schlecht.

Eine Mehrheit haben die Vorschläge der Verwaltung in der vergangenen Woche nicht gefunden. Kaiserstuhlallee, Baronstraße und Kronenstraße sollten drei neue geplante Straßen auf der Westfalenhütte eigentlich heißen. Aber weil der Begriff Baron mit den Großindustriellen aus dem Ruhrgebiet verknüpft ist und einige von Ihnen Adolf Hitler und die NSDAP unterstützt haben, lehnten die Mitglieder der Bezirksvertretung diese Vorschläge ab.

Unsere Leser haben sich daraufhin Gedanken gemacht und uns ihre Vorschläge zugeschickt. Und die sind nicht so schlecht?

So schreibt Jana Jung: "Ein einfacher und naheliegender Name für eine der Straßen an der ehemaligen Westfalenhütte ist doch Sinterstraße oder Sinterallee. Ebenso gibt es noch keine Hoeschstraße oder Hoeschallee in Dortmund. Und eine Kaltbandstraße gibt ja dort es bereits. Aber auch eine Warmbandstraße?"

"Bezug zu Stahl und Kohle"

Die gebürtige Dortmunderin Brigitte Boge hat sich aus ihrer derzeitigen Heimat in Kärnten etwas überlegt: "Die Kaiserstuhlallee finde ich schon irrsinnig gut. Mit dem Namen verbinde ich Kindheitserinnerungen. Den Namen sollte man unbedingt im Auge behalten!" Zu den anderen Straßen hat sie noch keine konkrete Idee, aber eine genaue Vorstellung: "In jedem Falle finde ich einen Bezug zu Stahl und Kohle, Arbeitern, vielleicht auch Arbeitskampf und Arbeitsrecht sinnvoll. Vor allem, wenn man an die Kaiserzeit zurrückdenkt, wo um bessere Arbeitsbedingungen kämpfende Arbeiter von berittener Polizei von der Steinwache niedergeknüppelt oder erschossen wurden.

"Warum so kompliziert?", fragt Karin Kluge. Ihre Vorschläge: "Sinterstraße" oder "Zur Sinterallee", "Hüttenstraße" oder "Zur Westfalenhütte", "Zum Kaiserstuhl".

Rolf Weber schaut tief in die Historie der Westfalenhütte: "Während der Zeit, als es noch die Hoesch-Werke gab, erschien in regelmäßigen Abständen eine Mitarbeiter-Schrift mit dem Namen ?Der Hüttenkiecker'. Ich fände es schön, wenn eine der neuen Straßen entsprechend ?Zum Hüttenkiecker' benannt würde. Dies weist erstens auf die historischen Gegebenheiten hin und ist zweitens meiner Meinung nach ein liebevoller, typischer Dortmunder Ausdruck."

"Malocherstraße,Kallastraße, Schichtstraße" lauten die Vorschläge von Thomas Grüner, dem ehrenamtliche Leiter des Deutschen Industrielack-Museums: "Alles in Anlehnung an die Hoesch- und Stahl-Vergangenheit. Und was ist eigentlich mit Gorbatschow-Straße? Immerhin hatte der damalige Betriebsratsvorsitzende Schrade ?den Gorbi' einfach eingeladen?".

Andrea Berchem fasst es kurz: "Kaiserstuhlallee, Schlackebahn, Förderbandstraße, Kohlenturmstraße, Schornsteinort, Trockenkühlerweg, Westfalenhüttenweg."

"Nennung besser nach der Reihenfolge der Fertigstellung"

Auch Anne van Loosen verliert nicht viele Worte: "Um Hoesch nicht in Vergessenheit geraten zu lassen: Stahl-, Sinter- oder Breitbandstraße."

Patrick Nitsche schreibt: "Spundwandallee".

"Mit Interesse habe ich den Artikel gelesen. Ich würde die Straßennamen allerdings nicht im Paket verabschieden lassen, sondern eventuell nach der Reihenfolge der Fertigstellung und dem Aussehen beziehungsweise der Größe/Länge/Breite gehen", schreibt Stefan Goetz. "Nebenbei bemerkt: Die Vorschläge der Mitarbeiter der Stadt Dortmund zeugen von Unwissenheit, Gleichgültigkeit und (Vor-)Belastetheit. Wenn man/frau geschichtliche Aspekte berücksichtigen und eventuell sogar mit Phantasie der ?Nachwelt' sagen möchte, was dort einmal war, könnten folgende Begriffe genutzt oder angewendet werden: Zeche-Kaiserstuhl-Allee oder -Straße, Walzwerkstraße, Sinteranlagenstraße und so weiter? Zumal es sich ja wohl um ein Industrie- beziehungsweise Gewerbegebiet handeln wird. Sicherlich aber nicht so etwas Plumpes wie ?Kaiserstuhlallee' oder ?Baronstraße'. Dortmunder Bürger werden es Ihnen wahrscheinlich danken."

Bernd Kampmann nennt drei Vorschläge: "Franz-Jacobi-Straße, Hoesch-Allee, Am Kaltwalzwerk."

"Eng verbunden mit der Westfalenhütte waren vor allem die Stahlarbeiter", schreibt Ula Richter. "In der Nazi-Zeit haben viele von ihnen im Widerstand gegen Hitler gestanden. Jener Nazi-Gegner, die ihren Mut mit dem Leben bezahlen mussten, könnte mit einem Straßennamen gedacht werden. Ich denke da an Paul Mainusch, der wegen ?Hochverrats' ins KZ Esterwegen gebracht wurde und nach seiner Haftentlassung auf der Westfalenhütte gearbeitet hat. 1945 wurde er wieder verhaftet und im Rombergpark ermordet. Bruno Nowak, der auf der Hörder Hütten-Union als Schweißer arbeitete, erlitt das gleiche Schicksal und wurde ermordet in der Bittermark aufgefunden. Wilhelm Müller, Stahlarbeiter auf der Hörder Hütten-Union, stand ebenfalls im Widerstandskampf gegen den Nationalsozialismus. Auch er wurde 1945 ermordet im Rombergpark gefunden. Es wäre gut, wenn auf diesen Widerstand der Hoesch-Arbeiter hingewiesen und zu den Namen noch ein kurzer Text hinzugefügt würde."

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