Neue Studie

Debatte um neue Feiertage in Deutschland

Marl - Ramadan statt Pfingstmontag, Weltkindertag statt 2. Weihnachtstag. Gibt es in Deutschland bald neue Feiertage?

Ostern, Weihnachten, Pfingsten – kalendarische Orientierungspunkte, Feiertage die wie gesetzt scheinen, als habe es sie schon immer gegeben. Die einen Bundesländer sind mit mehr Feiertagen gesegnet (Bayern hat 13, NRW 11), die anderen mit weniger (Berlin hat seit Kurzem 10 statt 9).

Zwar fußen Feiertage meist auf Jahrhunderte alten Traditionen, doch einen Anspruch auf Ewigkeit haben sie nicht. Wie andere Lebensbereiche unterstehen auch Feiertage einem sich stets wandelnden Zeitgeist. Ein Beispiel ist der Internationale Frauentag am 8. März, der seit diesem Jahr ein arbeitsfreier gesetzlicher Feiertag in Berlin ist. Er zeigt, dass Feiertage eben nicht vom – meist christlichen – Himmel fallen, sondern maßgeblich durch gesellschaftliche Debatten beeinflusst werden. Wann die Arbeit ruht und die Geschäfte geschlossen bleiben, ist also ebenso dem politischen Willen unterworfen wie andere gesetzgeberische Verfahren auch.

Von den elf Feiertagen in NRW sind lediglich drei weltlichen Ursprungs

Insofern ist es offen, ob nicht auch andere – religiös, kulturell oder politisch begründete – Feiertage neu dazukommen oder andere ersetzen könnten. Eine jüngst veröffentlichte Studie der Robert-Bosch-Stiftung zeigt, wie die Bevölkerung dazu steht: Nur ein Drittel der Befragten sagt, dass gesetzliche Feiertage zu Festen anderer Religionen eingeführt werden sollten, 65 Prozent sprechen sich dagegen aus. Etwas anders ist allerdings die Lage in Nordrhein-Westfalen: Hier fällt die Ablehnung mit 59 Prozent deutlich geringer aus. Letztlich stellt sich auch die Frage, welche Ansprüche die Gesellschaft an gesetzliche Feiertage stellt. Sollen sie die kulturelle Prägung der Mehrheitsgesellschaft repräsentieren? Wenn ja, müsste man die Häufigkeit christlicher Feiertage als völlig überzogen disqualifizieren:

Von den elf Feiertagen in Nordrhein-Westfalen sind lediglich drei weltlichen Ursprungs: Neujahr, der Tag der Arbeit und der Tag der Deutschen Einheit. Dabei gibt es immer mehr Atheisten (gut 25 Prozent der Bevölkerung) und auch andere religiöse Orientierungen gewinnen an Bedeutung. Im Jahr 2013 lag der Anteil der nicht-christlichen Gläubigen bei gut zehn Prozent.

Was spricht also dagegen, einen beweglichen Feiertag zum Abschluss des Fastenmonats Ramadan zuzulassen? Oder auch in Deutschland mit dem jüdischen Feiertag Jom Haschoa der Opfer der Schoa und der Widerstandskämpfer zu gedenken? Oder den Weltkindertag? Natürlich nicht zusätzlich, aber vielleicht im Tausch gegen den Ostermontag oder 2. Weihnachtsfeiertag?

Denn warum sollen die kirchlichen Hochfeste so lange dauern? Das eigentliche Heilsgeschehen ist am dritten Tag von allen drei Festen vollzogen: Jesus wird in der Nacht zu Weihnachten geboren, in der Osternacht wird seine Auferstehung gefeiert und zu Pfingsten die Ausgießung des Heiligen Geistes. Das Wesentliche ist geschehen. Der dritte Feiertag unterstreicht vor allem die Bedeutung der Hochfeste.

Der Tag des Herrn, den kaum einer mehr begeht

Einige fremdeln vielleicht mit neuen Feiertagen, deren Hintergrund ihnen nichts bedeutet und die sie persönlich nicht feiern. Dann aber muss man sich auch fragen: Was bedeutet mir eigentlich der Hintergrund von Pfingstmontag? Kenne ich ihn überhaupt? Oder feiere ich die freien Tage, wie sie fallen?

Das zumindest legt der mit Abstand häufigste Feiertag nahe – der sogenannte Tag des Herrn, der Sonntag also. Die Zahl der Gottesdienstteilnehmer an diesem Festtag sinkt beständig. In manchen Bistümern der katholischen Kirche besuchen nicht einmal acht Prozent der Gläubigen die Messe. Natürlich steht der Sonntag nicht zur Disposition. Aber er dokumentiert, dass der Grund für freie Tage oft nicht mehr bekannt ist, geschweige denn gelebt wird. Allerdings bleibt zu bedenken: Die Spuren christlichen Glaubens werden mit der Aufkündigung von freien Festtagen weiter in der Gesellschaft verwischt

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