Neue Technik

Notrufe sollen nicht mehr verloren gehen

Kreis RE - Die Polizei verfügt jetzt über eine moderne Leitstellentechnik. 2016 blieben noch rund 14.000 Anrufe unbeantwortet.

Im Kreis Recklinghausen sollen keine 110-Notrufe mehr verloren gehen. Seit dem vergangenen Jahr verfügt das Polizeipräsidium Recklinghausen über eine neue, moderne Leitstellentechnik, die nach und nach im ganzen Land NRW eingeführt wird. Nur in Aachen und Bochum steht die Umstellung noch aus.

„Verlorene Notrufe“ waren bisher in vielen Städten ein Ärgernis. Im Kreispolizeibezirk Recklinghausen (Kreis RE plus Bottrop) haben 2016 mehr als 14.000 Bürger vergeblich die 110 gewählt (siehe Info). Als „verloren“ gelten Notrufe, die nach mehr als fünf Sekunden durch den Anrufer beendet werden, ohne dass der Anruf von der Polizei entgegengenommen wurde. „Uns ist aber kein Fall bekannt, in dem jemand Hilfe gebraucht hätte, diese aber nicht bekommen hat“, sagt der Recklinghäuser Polizeisprecher Andreas Wilming-Weber im Gespräch mit dieser Zeitung.

Leitstelle im Polizeipräsidium RE verfügt über sieben Einsatzplätze

Jahrelang arbeitete das Landesamt für Zentrale Polizeiliche Dienste (LZPD) daran, die Leitstellen auf den gleichen technischen Stand zu bringen. Erst wurde die moderne Technik für 2015 in Aussicht gestellt, dann für 2017. Laut LZPD dürfte es nun noch bis Ende 2019 dauern, bis auch die beiden noch fehlenden Polizeibehörden – Aachen und Bochum – Teil des Systems sind.

Die Leitstelle im Polizeipräsidium Recklinghausen verfügt über sieben Einsatzplätze. Anrufe über die 110 werden in der Regel innerhalb von zwei Sekunden angenommen, heißt es dort. Doch die Leitungs- und Personalkapazitäten können an ihre Grenzen stoßen. Wenn sich zum Beispiel auf einer der zahlreichen Autobahnen im Vest ein schwerer Unfall ereignet hat oder sich ein Unwetter über der Region austobt, schwillt die Zahl der 110-Anrufe schlagartig an.

Beamte müssen stressresistent sein

Der Vorteil der neuen Technik ist, dass jeder Anruf gespeichert wird und die Polizei zeitnah zurückrufen kann. Früher seien die Anrufprotokolle unvollständig gewesen, erklärte LZPD-Sprecherin Claudia Franken. Ein weiteres Plus: Bei großen Einsatzlagen in einer Stadt kann eine andere Leitstelle unterstützend eingreifen und auflaufende Notrufe übernehmen.

177.516 Notrufe

-In der Leitstelle des Polizeipräsidiums Recklinghausen sind im Jahr 2016 – das sind die letzten veröffentlichten Zahlen – 177.516 Notrufe eingegangen. -Davon wurden nach Angaben der Behörde 163.279 Anrufe (92 Prozent) von den diensthabenden Beamten angenommen. In 14.237 Fällen wurde der Notruf vom Anrufer selbst beendet.

Allerdings verbirgt sich nicht hinter jedem Notruf ein Notfall im polizeilichen Sinne. Für die Katze, die nicht vom Baum herunterkommt, ist die Feuerwehr zuständig, für den Hausbewohner, der seine Miete nicht zahlt, ein Zivilgericht. Auch gibt es „Spaßvögel“ die die 110 ohne Grund wählen, um ihr Mütchen zu kühlen. Doch wenn die Leistellen-Mitarbeiter es tatsächlich mit Opfern von Straftaten oder Unfallzeugen zu tun haben, ist höchste Kompetenz gefragt. „Stressresistent, ruhig und besonnen müssen die Beamten sein, um die notwendigen Informationen zu bekommen und die Lage richtig einschätzen zu können“, betont Polizeisprecher Andreas Wilming-Weber.

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