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Eine Situation mit vielen Emotionen – die Leitung von Beerdigungen ist eine anspruchsvolle Aufgabe.

Neuer Ausbildungskurs

Ehrenamtliche helfen bei Durchführung von Beerdigungen

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Region - Sieben katholische Ehrenamtliche sind in einem ersten Kurs im Kreis Recklinghausen ausgebildet worden, um Beerdigungen durchzuführen. Sie berichten auch von dem Respekt, den sie vor ihrer Aufgabe haben.

Ein geliebter Mensch ist gestorben, die Angehörigen trauern, sind verzweifelt. In dieser Situation eine Beerdigung durchzuführen, ist eine schwierige Aufgabe – ein Dienst, zu dem in der katholischen Kirche jetzt sieben Ehrenamtliche nach dem ersten Ausbildungskurs im Kreis Recklinghausen zugelassen worden sind.

„Ich fühle mich gut vorbereitet für den Dienst“, sagt Magdalena Starke. Sie ist eine der Kurs-Teilnehmer, die von Weihbischof Rolf Lohmann die Zulassung erhalten haben. Mit der halbjährigen Ausbildung ist sie zufrieden: „Wir haben das notwendige Handwerkszeug mitbekommen“, sagt die 58-Jährige – bei den Kurs-Einheiten ging es um Tod und Auferstehung, um Gesprächsführung, um Aufbau und Präsentation der Traueransprache. Nicht zuletzt war die Gruppe vor Ort: in der Trauerhalle, am offenen Grab, auch mit Sandschaufel. „Das ist wichtig, denn für all das muss man ein Gefühl entwickeln“, erläutert der Recklinghäuser Propst Jürgen Quante, der den Kurs geleitet hat.

Trotz gründlicher Vorbereitung betont Kurs-Teilnehmer Norbert Becker, dass er „weiterhin großen Respekt vor der Leitung einer Beerdigung hat.“ Eine große Herausforderung sei das Gespräch mit den Angehörigen. „Hier muss man den Hinterbliebenen die Gelegenheit geben, ihre Trauer und Fragen zu äußern und ihnen so helfen – das ist sicherlich manchmal schwierig“, sagt der 68-Jährige. Und die konkrete Situation des Verstorbenen müsse dann bei der Traueransprache in Zusammenhang mit dem Evangelium gebracht werden.

Magdalena Starke glaubt, dass das Schwierigste sei, ein Kind oder einen Suizidfall zu beerdigen. „Es darf nicht passieren, dass man da in Tränen ausbricht. Man muss ein Gleichgewicht zwischen Mitgefühl und professioneller Distanz wahren – das ist nicht immer einfach, aber ich glaube, da sind wir durch die Ausbildung gut geschult.“ Kurs-Leiter Jürgen Quante ergänzt: „Wir dürfen als Leiter der Beerdigung nicht zu empathisch sein. Das ist manchmal schwierig, musste ich auch erst lernen.“

Kurs-Teilnehmer können auch in Zukunft Supervision in Anspruch nehmen

Doch bei Problemen standen und stehen die Kurs-Teilnehmer nicht allein da: „Im Kurs war der Austausch untereinander wichtig. Wir haben gemerkt, dass wir mit Gleichgesinnten unterwegs sind“, betont Magdalena Starke. So haben die Ehrenamtlichen jeder bereits eine Beerdigung in Begleitung ihres Orts-Pfarrers durchgeführt und gemeinsam im Kurs besprochen. „Und wir haben uns entschieden, weiterhin regelmäßig durch Treffen im Austausch zu bleiben“, berichtet Norbert Becker. Zudem können die Kurs-Teilnehmer auch in Zukunft bei Bedarf Hilfe der beratenden Supervision in Anspruch nehmen.

Bei der Zulassung zu ihrem Dienst dankte Weihbischof Lohmann jetzt in der St. Barbara-Kirche in Herten den Ehrenamtlichen für ihre Bereitschaft: „Das ist ein gutes Zeugnis für die ganze Kirche.“ Jürgen Quante stand der Neuerung anfangs skeptisch gegenüber, da er das Beerdigen als „ureigene Aufgabe der Seelsorger“ sieht. Nun freut er sich über „die guten Leute des Kurses“, nennt aber auch mit der Personalnot einen Grund der Reform: „Die Hauptamtlichen schaffen das alles nicht mehr.“

Als Notnagel fühlt sich Norbert Becker deshalb aber nicht: Aufgrund von immer weniger Priestern mache es Sinn, die Arbeit auf mehrere Schultern zu verteilen. Allerdings nennt er die Reform „zu spät“. Und Magdalena Starke weist darauf hin, dass sie das ganze Leben gestört hat, als Frau in der Kirche in der zweiten Reihe zu stehen. „In der Not gibt es jetzt offenbar eine tolerantere Zugangsweise . . .“

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