Neuer BVB-Kapitän

Marco Reus ist bereit für die Herausforderung

Dortmund - Marco Reus soll Borussia Dortmunds neuer Kapitän werden. Und die Erwartungen an den 29-Jährigen sind groß nach einer Saison, in der die Mannschaft zerstritten war.

Mit Julian Weigl wird sich Marco Reus in den kommenden sieben Tagen vielleicht auch mal über die Aufgeregtheiten am europäischen Transfermarkt unterhalten. Weigl, seit Thomas Tuchels Amtsantritt in Paris permanent Bestandteil von Wechsel-Spekulationen an die Seine, ist der Zimmerpartner von Reus im zweiten Trainingslager dieses Sommers, das den BVB ab Mittwoch und schon um achten Mal ins Schweizer Kurörtchen Bad Ragaz führt. Die beiden sind dicke Kumpels, "schon seit dem ersten Tag nach seinem Wechsel zu uns", wie Reus betont.

Reus' Vertrag beim BVB läuft bis 2023

Um Reus selbst ranken sich derlei Spekulationen in diesem Sommer nicht. Dafür hat der 29-Jährige im Frühjahr selbst gesorgt, als er seinen Vertrag in Dortmund verlängerte - bis 2023 gleich, was einerseits die größtmögliche Zuneigungsbekundung zu seinem Heimatverein sein konnte, und zum anderen auch die Wahrscheinlichkeit steigen lässt, dass der begnadete Mittelfeldspieler seine Profi-Laufbahn bei der Borussia beenden wird.

Reus hat ein weithin sichtbares Zeichen gesetzt mit seiner Unterschrift unter einen neuen Fünf-Jahres-Vertrag. Nach einer Saison, in der beim BVB viel über Entfremdung von den Fans und fehlende Identifikation mit den Werten des Vereins die Rede war, setzt aber auch die Borussia mit dem Vertrauensbeweis in Reus ein Zeichen: Er soll das Gesicht des neuen BVB werden, der Spieler, der die Mannschaft in den nächsten Jahren als Anführer leiten und lenken soll.

Reus will mit dem BVB an alte Zeiten anknüpfen

Als Reus am Montagabend zusammen mit Sebastian Kehl im Westfalenpark bei einer neuen Ausgabe von "Brinkhoff's Ballgeflüster" Stadionsprecher Nobby Dickel Rede und Antwort stand, war Reus die Vorfreude und Bereitschaft, diese Rolle auszufüllen, deutlich anzumerken - auch wenn Dickel das Thema "Kapitänsamt" bewusst oder unbewusst komplett aussparte. Dass Marco Reus der legitime und wahrscheinliche Nachfolger des zurückgetretenen Marcel Schmelzer ist, darüber gibt es wohl keine zwei Meinungen.

Reus ist bereit für die Leader-Rolle. Das wurde deutlich, als er darüber sprach, mit dem BVB wieder an alte Zeiten anknüpfen zu wollen. Sportlich, mehr aber noch auf einem anderen Feld, wo sich gerade in der abgelaufenen Saison viele Defizite zeigten. "Wir hatten gute Jahre", meinte Reus in Erinnerung wohl an die Meistersaisons, in denen der große interne Zusammenhalt die Basis war für die überragenden Erfolge. "Wir müssen es wieder hinbekommen, das Gefühl zu entwickeln, für einen besonderen Verein zu spielen."

Jetlag nach der USA-Reise

Er weiß dies. Als Dortmund ihn im Jugendalter wegschickte, nutzte er die Zeit, um sich Schritt für Schritt woanders weiterzuentwickeln. Erst in Ahlen, dann in Gladbach. 2012 kehrte er schließlich zurück und könnte damit bei Vertragserfüllung in die Gruppe der wenigen Profis aufsteigen, die einem Verein sehr lange Zeit treu geblieben sind.

Zukunftsmusik. Die Realität beschert Marco Reus derzeit gerade einen fürchterlichen Jetlag, der ihn seit der Rückkehr aus den USA kaum schlafen lässt. Doch der 29-Jährige weiß die Strapazen dieser Tage dennoch zu schätzen, denn er ist gesund und fit. Und er ist wieder vereint mit dem Trainer, der ihn in Gladbach zum Spitzenspieler formte.

Reus gerät bei Lucien Favre ins Schwärmen

Wenn er über Lucien Favre spricht, gerät Reus daher regelrecht ins Schwärmen: "Fachlich und menschlich", sagt er, "ist Lucien Favre der beste Trainer, mit dem ich in meiner Karriere zusammengearbeitet habe." Alles lasse sich gut an, findet Reus. Die Neuzugänge machen einen guten Eindruck, das Training ist fordernd. Dass alles in die richtigen Bahnen zu lenken, "dabei möchte ich mithelfen."

Sebastian Kehl zeigte sich überzeugt davon, dass Marco Reus die ideale Führungsfigur ist. "Sportlich und menschlich", meinte der neue Leiter der Lizenzspieler-Abteilung, "macht Marco den Unterschied."

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